Analyse
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
BERLIN, GERMANY - APRIL 27: Graffitis of U.S. President Donald Trump and President of the People's Republic of China Xi Jinping wearing face mask to draw attention to novel coronavirus (Covid-19) pandemic at Mauer Park in Berlin, Germany on April 27, 2020. (Photo by Abdulhamid Hosbas/Anadolu Agency via Getty Images)

Xi Jinping und Donald Trump in einem Grafitti im Mauerpark Berlin, Aufnahme vom 27. April 2020. Bild: Anadolu

Analyse

Warum China heimlich auf einen Sieg von Donald Trump setzt

Handelskrieg, Huawei, Hongkong: Donald Trump prahlt damit, China die Stirn zu bieten – im Gegensatz zu Joe Biden. Doch Trumps Wiederwahl hätte für Peking mehrere Vorteile.

Maximilian Kalkhof / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Zur Wahlkampfstrategie Donald Trumps gehört es, sich als knallharter Dealmaker darzustellen. Besonders gegenüber China inszeniert sich der Republikaner als einsamer Held, der Peking – Stichwort Handelskrieg und Corona-Vertuschung – entschlossen die Stirn bietet. Zu dieser Strategie gehört für Trump auch, seinen Herausforderer Joe Biden als Pekings Schosshund darzustellen.

«China ate your lunch, Joe», sagte Trump in der ersten TV-Debatte der beiden Präsidentschaftskandidaten zu dem Demokraten – was heissen soll: China zieht dich in Handelsfragen über den Tisch.

President Donald Trump speaks during a news conference at his Trump National Golf Club in Bedminster, N.J., Saturday, Aug. 15. (AP Photo/Susan Walsh)
Donald Trump

Donald Trump: Dass Peking den Demokraten Biden liebt und den Republikaner Trump fürchtet, ist seine Inszenierung. Bild: keystone

Trump nennt seinen Herausforderer sogar oft «Beijing Biden», «Peking-Biden», um damit zu unterstellen, die kommunistischen Machthaber in Peking hätten den Demokraten in ihren Händen. Der Vorwurf ist substanzlos, Belege dafür gibt es nicht.

Das hindert Trumps Anhänger aber nicht daran, die Gerüchte weiterzuverbreiten. Auf der Webseite beijingbiden.com, die von einer Trump nahestehenden Lobbygruppe bezahlt wird, kann man nachlesen, dass Bidens Familie korrupte Beziehungen zur chinesischen Elite habe und dass es hinter seiner Haltung gegenüber China dunkle Motive gebe.

Inszenierung fernab der Realität

Klar ist: Dass Peking den Demokraten Biden liebt und den Republikaner Trump fürchtet, ist Trumps Inszenierung. Mit der Realität hat sie wenig zu tun. Viele Experten gehen eher vom Gegenteil aus. Sie glauben, dass China heimlich auf einen Trump-Sieg setzt.

Einer dieser Experten ist Noah Barkin. Der Amerikaner arbeitet für den German Marshall Fund in Berlin. Er beobachtet und analysiert die europäisch-chinesischen Beziehungen – und deren Bedeutung für das transatlantische Verhältnis. t-online erreicht Barkin am frühen Morgen per Videotelefonie in einem Berliner Coworking-Space.

Trump sei für Peking ziemlich unberechenbar, sagt der Experte. Noch 2017 empfing der Republikaner Xi Jinping in seinem Luxusanwesen Mar-a-Lago in Florida. «Wir hatten eine tolle Chemie», schwärmte der US-Präsident nach dem Treffen. Es dauerte nicht lange, da deuteten die ersten Beobachter das Verhältnis als eine «Bromance», eine innige Männerfreundschaft.

President Donald Trump, right, shakes hands with Chinese President Xi Jinping during a dinner at Mar-a-Lago, Thursday, April 6, 2017, in Palm Beach, Fla. (AP Photo/Alex Brandon)

Li Xinping und Donald Trump 2017 in Florida. Bild: AP/AP

Trump und das «China-Virus»

Doch nur ein Jahr später trat Trump den Handelskrieg los. Zwar handelten Washington und Peking im Januar eine vorläufige Einigung aus. Doch dann kam das Coronavirus – und liess das amerikanisch-chinesische Verhältnis eskalieren. Trump nutzt seitdem jede Gelegenheit, um Peking für die Pandemie verantwortlich zu machen.

«Ich habe dieses verrückte, furchtbare China-Virus besiegt», sagte er eine Woche nach seinem coronabedingten Krankenhausaufenthalt. Erst jüngst forderte er in einer Rede vor den Vereinten Nationen, dass China für die Seuche zur Rechenschaft gezogen werden müsse.

Und das ist noch längst nicht alles: Washington hat Visabeschränkungen gegen Huawei -Beschäftigte und Sanktionen gegen Politiker aus Hongkong erlassen. Inzwischen sind die Beziehungen, so das Urteil vieler Beobachter, auf dem schlechtesten Stand seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen 1979. Vor diesem Hintergrund könne die chinesische Staatsführung von einem Wahlsieg Trumps nicht begeistert sein, sagt Barkin.

Aber ironischerweise steckt in einem Sieg Trumps für die Volksrepublik auch eine grosse Chance. Denn der US-Präsident hat nicht nur für eine Entfremdung im amerikanisch-chinesischen Verhältnis gesorgt. Er verspiele auch, so Barkin, Amerikas grösste Stärke: das Vertrauen der Verbündeten.

Die einstigen Verbündeten werden geschmäht

So brachte der US-Präsident wiederholt seine Abneigung gegenüber der Nato zum Ausdruck. Seinem ehemaligen Sicherheitsberater John Bolton zufolge wollte er dem Bündnis sogar mit dem Austritt drohen. Auch die EU überzieht Trump regelmässig mit Schmähungen. Am Jahresanfang sagte er auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, in Sachen Handel sei Europa «schlimmer als China».

Und auch das Verhältnis zu Deutschland, einem traditionellen Verbündeten, ist angespannt. Streitpunkte sind das Pipelineprojekt Nord Stream 2 , die deutschen Militärausgaben und das amerikanische Handelsdefizit. Diese Abneigung gegenüber Verbündeten, so Barkin, spiele Peking in die Karten. Denn ein schwaches transatlantisches Bündnis lasse mehr Raum für chinesische Machtentfaltung.

Im Gegensatz dazu, sagt der Experte, stehe Joe Biden für eine transatlantische Rückbesinnung. Der Demokrat hat nicht nur angekündigt, eine konsistentere Chinapolitik fahren zu wollen. Er hat auch durchblicken lassen, dass er dafür die Zusammenarbeit mit europäischen Partnern suchen werde. «Biden stellt für die Volksrepublik ein grösseres Risiko dar», sagt Barkin. «Deswegen wäre eine zweite Amtszeit Trumps für Peking ein grosser Sieg.»

Biden wird der EU Arbeit machen

Für Europa ist die Sache mit Biden vertrackt. Denn einerseits wünsche sich die EU den Demokraten, sagt Barkin. Aber anderseits komme mit Biden auch mehr Arbeit auf sie zu. Nicht nur werde der Demokrat von europäischen Politikern eine klarere Sprache gegenüber Peking fordern. Auch werde er versuchen, zusammen mit Europa die Welthandelsorganisation zu reformieren. Nicht zuletzt werde sich unter Biden der Trend fortsetzen, militärische Ressourcen nach Asien zu verlagern. Für Europa bedeute das: mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit.

Ein Wahlsieg Trumps hingegen wäre für die EU eine Katastrophe. Ein Triumph des Republikaners werde dazu führen, dass sich Brüssel zwischen zwei Supermächten zerrieben fühle, sagt Barkin. Europa werde dann nach strategischer Unabhängigkeit streben – aber diese sei nicht über Nacht zu haben. Genau darin liege für Peking der Gewinn. Denn je grösser die Entfremdung zwischen Europa und den USA , so Barkin, desto kleiner die europäische Bereitschaft, sich Peking in Streitfragen entgegenzustellen. 

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die Evolution der US-Flagge

Auf Tiktok gibt es jetzt eine Tump-Dance-Challenge

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Trump ist gefeuert! Die lustigsten Memes, die Trumps Wahl-Debakel auf den Punkt bringen

Hinweis: Die Bilder oder Videos werden nicht angezeigt? Klicke auf diesen Link, um alles zu sehen.

Donald Trump hat seine Anhänger monatelang aufgefordert nicht brieflich abzustimmen. Daher haben (während der Corona-Pandemie) viel mehr Demokraten als Republikaner per Post abgestimmt, was das Resultat zugunsten von Biden gedreht hat.

Wenn Trump in Arizona aufholt, sind das gültige Stimmen.Wenn Biden in den anderen Staaten aufholt, ist es Betrug. 🤔

Trump: «Hört auf die Wahlzettel zu zählen!»Auch …

Artikel lesen
Link zum Artikel