DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - This April 25, 2019, file photo shows the thumbs-up

Was treibt Social Media-Nutzer dazu an, beinahe zwanghaft mit hoher Kadenz eigene Beiträge abzusetzen? Bild: keystone

Wie «Likes» die Nutzung von sozialen Netzwerken befeuern



Das Streben nach virtuellen Beifall auf Instagram und Co. zeigt verhaltenspsychologische Parallelen mit Tieren auf, denen eine Futterbelohnung winkt. Das berichtet ein internationales Team mit Zürcher Beteiligung im Fachblatt «Nature Communications».

Weltweit posten, liken und kommentieren Milliarden von Menschen bis zu mehreren Stunden täglich ihr eigenes und das Leben der anderen. Aber was treibt Social Media-Nutzer dazu an, beinahe zwanghaft mit hoher Kadenz eigene Beiträge abzusetzen?

Das Team um Björn Lindström von der Universität Amsterdam mit Beteiligung des Neuroökonomen Philippe Tobler von der Uni Zürich analysierte für die aktuelle Studie in einem ersten Schritt mehr als eine Million Beiträge auf verschiedenen sozialen Netzwerken von über 4000 Nutzerinnen und Nutzern. Ziel war herauszufinden, wie «Likes» das Verhalten beeinflussen.

Die Beobachtung: Je mehr «Likes» die Social Media-Nutzer für ihre Beiträge erhalten, desto häufiger bespielen sie die Plattform. Mit Modellen zeigten die Forschenden, dass dieses Muster eng mit der sogenannten Lerntheorie übereinstimmt. Diese besagt, dass das Verhalten nicht nur durch Belohnung verstärkt wird, sondern sich auch der Belohnungshäufigkeit anpasst.

Mehr verlangt nach mehr

Dieses verhaltenspsychologische Konzept gründet auf Beobachtungen in Tierexperimenten – etwa mit Ratten, denen eine Futterbelohnung winkt, wenn sie einen bestimmten Knopf drücken. Je nachdem wie viel Futter sie jeweils erhalten, bedienen sie ihn häufiger oder seltener: Gibt es viel zu essen, drücken sie den Knopf in kürzeren Abständen immer wieder.

Um diese Theorie bei Social Media-Nutzern kausal zu überprüfen, führte das Team in einem zweiten Schritt ein gezieltes Online-Experiment mit 176 Teilnehmenden durch. So war sichergestellt, dass keine Fake Accounts oder gekaufte «Likes» das Resultat beeinflussen.

Die Studienteilnehmer konnten im Experiment lustige Bilder mit kurzen Sätzen – sogenannte «Memes» – auf einer Instagram-ähnlichen Plattform aufschalten und von den Forschern manipulierten, virtuellen Beifall ernten. Das Ergebnis deckte sich demnach mit den Beobachtungen aus dem ersten Teil der Studie: Je mehr «Likes», desto häufiger posteten die Teilnehmenden.

Gemäss den Studienautoren bieten die Ergebnisse einen neuen Ansatz, um die psychologischen Mechanismen zu verstehen, warum soziale Medien im Alltag von vielen Menschen eine so wichtige Rolle spielt. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

22 Bilder, die das Internet sofort löschen sollte

Kannst du deine Schultern mit der Handinnenfläche berühren?

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

«Über Social Media tragen Rechtsextreme ihre Ideologien in die Mitte der Gesellschaft»

Andre Wolf ist Faktenchecker bei der österreichischen Rechercheplattform Mimikama. In seinem Buch «Angriff auf die Demokratie» schreibt er über die Gefahren rechtsextremer Netzwerke, die das Internet unterwandern.

Herr Wolf, in Ihrem Buch schreiben Sie, dass seit Beginn der Pandemie intensiver Fake News verbreitet werden und der Hass im Netz zugenommen haben. Warum?Andre Wolf: Dieses Phänomen kann man immer dann beobachten, wenn etwas passiert, das viele Menschen betrifft und das Thema stark medial aufgegriffen wird. Im Fahrwasser der Berichterstattung tauchen dann viele Falschmeldungen auf. Das passierte schon 2015 bei der Flüchtlingskrise. Oder immer, wenn es islamistisch-motivierte Terroranschläge …

Artikel lesen
Link zum Artikel