Winter
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People sitting in deck chairs in the foreground, the Matterhorn in the background, pictured outside the cable car station Trockener Steg above Zermatt, Canton of Valais, Switzerland, on February 13, 2019. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Solche Szenen (Trockener Steg, Zermatt 2019) will Angela Merkel diese Saison nicht sehen: Die deutsche Kanzlerin fordert, dass die europäischen Skigebiete den Betrieb ruhen lassen. Bild: KEYSTONE

«Wenn wir jetzt nicht aufs Skifahren verzichten, liegt Ischgl dieses Jahr in der Schweiz»

Mehrere europäische Staaten wollen wegen Corona in diesem Winter Skigebiete schliessen – Schweizer Politiker warnen vor «irreparablen» Schäden. Die Meinungen zum Thema gehen auseinander. Ein Pro und Contra.

Etienne Wuillemin, Pascal Ritter / ch media



Die Schweizer Skisaison hat laut Bundesrat Alain Berset schon begonnen. Es brauche daher klare und gute Schutzkonzepte und eine strikte Umsetzung dieser. Die Schweiz wolle – so der Bundesrat – ihre Ski-Gebiete für den Wintersport geöffnet lassen im Corona-Winter.

Das klingt für manche wie ein Segen, andere wiederum schütteln resigniert den Kopf. Wir wägen Pro und Kontra dieser Entscheidung ab und wollen wissen, was Du zu offenen Skipisten in der Schweiz denkst.

Hier geht's zum aktuellen Corona-Ticker.

Kontra Schliessung

Unsere Psyche braucht Lichtblicke. Und überhaupt: Corona mag keine frische Luft!

Idioten gibt es überall. Auch in den Skigebieten. Überfüllte Gondeln hier, kein Abstand beim Anstehen da. Ja, die Bilder zum Saisonbeginn waren schrecklich. Und weil wir ohnehin seit längerem wissen, wie grausam schlecht die Schweiz mit Eigenverantwortung umgehen kann, liegt der Gedanke nahe: Skigebiete schliessen, sofort!

Der Gedanke ist so falsch wie fatal. Die Tage werden kürzer und kälter und trister. Und der Verzicht auf Weihnachtsmärkte, Glühwein und Kerzenziehen ist grausam genug. Niemand spricht mehr von wunderbarer Entschleunigung, selbst der Weihnachtsstress scheint ein Segen, jetzt wo er fehlt. Wir alle brauchen Lichtblicke. Wir brauchen Tage an der Sonne. Wir brauchen frische Luft. Und Orte, wo die Seele Energie und Freude tanken kann. Unsere Psyche braucht die Berge. Unsere Kinder den Schnee, damit sie Playstation, X-Box und Nintendo Switch weiterhin freiwillig weglegen.

Wildhaus

Nein, dieser Winter wird nicht normal. Es braucht strikte Regeln. Der Après-Ski muss rigoros verboten werden. Bewegung in Restaurants muss auf den Toilettengang reduziert werden. Maskenpflicht ist selbstredend die Voraussetzung. Aber es muss alles getan werden, um den Gang an die frische Luft weiter zu ermöglichen. Der Wander- und Skisport tragen zur Schweizer Volksgesundheit bei. Viel mehr als jede andere Massnahme. Und wenn wir etwas gelernt haben in diesen letzten acht grausamen Monaten, dann dies: Corona mag keine frische Luft.

Natürlich, auch beim Drang nach Frischluft-Freiheit spielt ein wirtschaftlicher Gedanke mit. Und es ist wie überall: Am Ende büssen die Kleinen. Sollte es tatsächlich zu einer Schliessung kommen, werden das die grossen Skigebiete irgendwie überleben. Aber was ist mit den Kleinen? Mit den grossartigen Ecken und Winkeln unseres Landes? Das wunderbare Wildhaus, Sörenberg, Goms oder Brigels? Dort also, wo Abstandsregeln ohnehin kaum je gebraucht werden. Diese Gebiete wären akut gefährdet. Es wäre ein Jammer.

(Etienne Wuillemin, CH-Media)

Pro Schliessung

Wenn wir jetzt nicht aufs Skifahren verzichten, liegt Ischgl dieses Jahr in der Schweiz

Italiener und Deutsche wollen, dass Skigebiete bis am 10. Januar zubleiben, um die Ausbreitung der Seuche zu bremsen. Sie fordern europaweite Solidarität, damit es nicht zu einem Corona-Tourismus kommt. Österreich will die Bahnen laufen lassen.

Nur für die Schweiz ist jetzt schon klar, dass die Skigebiete vorher öffnen. In Saas-Fee und Zermatt laufen die Lifte. «Die Schweiz fährt Ski», jubelt «Seilbahnen Schweiz» auf seiner Webseite und verspricht, alles zu tun, damit die Kundschaft «gut geschützt in den Schnee» könne. Die Anzahl Personen, die sich in eine Gondel quetschen, will man aber nicht reduzieren. Vor allem die Masken sollen es richten.

Das ist nicht nur unsolidarisch, sondern naiv und gefährlich. Der grösste Irrtum liegt in der Gleichsetzung von Lift- und Zugfahren, den auch der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz bemüht. Zwar schützt eine Maske in der Gondel ähnlich wie im Zugabteil, nur gehen Pendler nachher nicht alle in die gleiche Beiz essen.

Skigebiete sind abgeschlossene Universen mit einer beschränkten Anzahl Restaurants und Bars, wo man sich verpflegen und sich aufwärmen kann. Es ist kein Zufall, dass das Skigebiet Ischgl im letzten Winter der schlimmste Seuchenherd Europas war. Weniger bekannt ist: auch in der Schweiz ging Corona im Skigebiet um.

An einem sonnigen Tag mag die Gefahr, sich im Skigebiet anzustecken, gering sein. Dann können alle mittags auf der Terrasse sitzen. Sobald das Wetter aber umschlägt, wird es prekär. Niemand will bei Kälte und Schnee draussen bleiben. Ein Andrang in Restaurants, Bars oder auch in Aufenthaltsräumen ist vorprogrammiert. Die Restaurantbetreiber können noch so viel Plexiglaswände aufstellen, ein Restrisiko bleibt. Es wird Ansteckungen geben. Hinzu kommen heikle Situationen während der An- und Abreisen. Das weiss jeder, der einmal an einem schönen Winterwochenende mit dem Zug ins Wallis fahren wollte.

Darum müssen wir mit Deutschland und Italien solidarisch sein und die Skigebiete bis im Januar, wenn die Infektionszahlen hoffentlich gesunken sind, geschlossen halten. Bahn- und Restaurantbetreiber sollten für den Ausfall entschädigt werden.

Schert die Schweiz aus und lockt auch noch international Touristen an, wird das nächste Ischgl in der Schweiz liegen. Wenn wir jetzt aber verzichten, werden die Sportferien um so schöner.

(Pascal Ritter, CH-Media)

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