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Yonnihof

Innerer Dialog – Heute: Die Erkältung

Bild: shutterstock



Allgemeinzustand: Siiiiiie, mir isch nöd so wohl.  

Hirn: Komm jetzt, das sagst du nur, weil wir morgen die Steuern machen wollten.  

Prokrastination (unterbricht): «Wir». Pf, speak for yourself, du huere Streber. Ich habe schon vor einer Woche die Fristerstreckung eingegeben und wir werden auch so erst dann etwas tun, wenn im Dezember das Einschreiben vom Steueramt kommt, für welches wir dann die Abholfrist verlängern und es am allerletzten Tag holen. Zagg, Ende Januar 2020. Ich bin so verdammt gut in meinem Job.  

Allgemeinzustand: Nei Siiiie, imfall würkli.  

Hirn: Na toll, WER WAR DAS?  

Allgemeinzustand (zeigt): Die Eitelkeit. Ich hab's genau gesehen. Ich so «Vielleicht lieber flache Stiefel und Kappe, meinsch nöd?» und sie so «SICHER NICHT, ich laufe doch nicht rum wie ein Landstreicher» und ich so «Aber es ist kaaaalt» und sie so «ÜBÜR ÜS ÜST KÜÜÜÜÜLT, MÜMÜMÜ» und dann ich so «Jänu» und jetzt haben wir den Salat.  

Hirn: Hätten wir mal ein bisschen mehr Salat gegessen, dann würde sich die Abwehr hier nicht aufführen wie ein zentralpubertäres Emo-Gänseblümchen. Aber ja, BRAVO Eitelkeit, jetzt sehen wir dann ein paar Tage tatsächlich aus wie ein Landstreicher.  

Eitelkeit: Aso meinsch so shabby-chic?  

Hirn: Nei, nur shabby, ohni chic.  

Eitelkeit: Verdammt. Ich finde ja, man beschuldigt hier die Falsche. Der wahre Täter ist unser Nähebedürfnis, das immer alle umarmen und abknutschen und anhauchen muss. Chasch ja grad im Bus go d’Haltestange abschläcke. Macht mi grad wieder hässig ...

Nähebedürfnis: Namasté, meine ungehaltene Freundin, lass mich dir eine feste Umarmu...  

Eitelkeit: HAU AP, du distanzlose, extasyabhängige huere Hippie!  

Nebenhöhlen: Dingdong, Entschuldigung, aber wer hat zwei Kilo Gelatine bestellt? Sie wären jetzt parat. Ich habe sie in frühlingshaftem Gelbgrün gehalten, ich bin eben Künstler, trallallaaaa.  

Bakterien: Howdy Bitches. Das waren wir.  

Mandeln: Ähm, wenn Ihr grad da seid, also ich weiss schon, dass ich mal im Suff gesagt habe, ich fände «50 Shades» irgendwie noch sexy und so bitz Schmerzen seien ja noch reizvoll, aber so war das imfall nicht gemeint.  

Bakterien: WE DON’T NEED NO WATER LET THE MOTHERFUCKER BUUUUURN, BURN MOTHERFUCKER ...  

Mandeln: Jaja, ich hab’s begriffen, Ihr brennt.  

Bakterien: ... BUUUUUUUURN!  

Ohren: Yo Nase, hör mal auf zu pfeifen.  

Nase: *pfeif* Ich mach überhaupt nüt!! *pfeif*   

Ohren: Neinneeeeein, überhaupt nichts! Und wenn du Rose am Ende von Titanic wärst, würden die Boote auch nur ganz zufällig von alleine zurückkommen.  

Bakterien: Hey Mundflora, Mundflora, Mundflora, Mundflora ... 

Mundflora: WAS ISCH?!  

Bakterien: Weisst du, was unser Lieblingsspiel ist?  

Mundflora: Nein, aber Ihr werdet’s mir bestimmt gleich verraten.  

Bakterien: THE FLORA IS LAVA. HAHAHAHAHA.  

Gliedmassen: Warum haben wir 1 Muskelkater und 0 Fitness? Warum können wir nicht 0 Muskelkater und 1 Fitness haben?  

Kind im Kopf: Haha, «Gliedmassen».  

Gliedmassen: Bhalt Pfrässi deet obe, suscht chasch a minere Fuscht de Tod go schmöcke.  

Nase: *pfeif* Ich rieche nichts. *pfeif*   

Körpertemperatur: It’s gettin' hot in herre ... Oder doch nicht. Mir ist kalt. Oder doch heiss. Oder doch kalt.  

Hirn: Wow, als ob sich unser PMS mit einem Thermometer gepaart hätte.  

Körpertemperatur: Niemand braucht jetzt deine blöden Sprüche.  

Bakterien: Also wir fanden’s lustig. High 5!  

Hirn: Ein High 5 von einem Bakterium war wahrscheinlich der Ursprung dieser ganzen Misere, also NEI DANKE!  

Stimmbänder: Ähm, also nur so als Vorwarnung: Vielleicht kommt dann irgendwann mal ein Brief von der Polizei, weil ich mich als Bonnie Tyler ausgegeben und in ihrem Namen 48 Salamipizze an David Hasselhoff habe schicken lassen.  

Hirn: Oh. Mein. Gott. Also hört jetzt alle zu, vielleicht geht das ja alles viel schneller vorbei als gedacht.  

Bakterien: Träum weiter, wir sind bis am Mittwoch hier eingemietet. Mit Airbnb.  

Hirn: Bnb – wie in «Bed and Breakfast»?  

Bakterien: Nein, wie in «Bettlägrig und beschissen beisammen».  

Hirn: Oh Mann. Also gut, dann ist’s halt so. Aber das soll uns allen eine Lektion sein, künftig besser auf uns zu schauen.  

Eitelkeit: Asoguet.

Ohren: Isch guet.

Mandeln: Meinetwegen.

Stimmbänder: Je ne regrette rien.  

Ohren: WOAH, als Edith Piaf wärst du also auch noch gut.  

Stimmbänder: Echt?! Glaubst du, Gérard Depardieu mag Falafel??

Und hier noch für alle zum Mitsingen:

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Hot In Herre – Nelly. Video: YouTube/NellyVEVO

Yonni Meyer

Yonni Meyer (37) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
Pony M. auf Facebook
Yonni Meyer online

Bild

«Eine Frau zu sein ist brutal anstrengend»

Video: watson/Olivia Rasper, Emily Engkent

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12 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Lina-Lou
08.02.2019 15:25registriert September 2018
Mann: "Seid froh, in eurem Zustand wären wir schon drei Mal gestorben!"
394
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Zum Kommentar
AllknowingP
08.02.2019 15:44registriert August 2015
Mein Hirn: GROSSES Kino !
Mein Herz: GROSSES Kino !
Mein Verstand: Herzt Yonni !
Meine Leber: Freitag 16:00 Uhr ! Wo bleibt der verdammte Alkohol ? Alkohoooooollll !
342
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maljian
08.02.2019 14:47registriert January 2016
Ich liebe die inneren Dialoge.
Jetzt weiss ich auch, was grad in mir abgeht 😁
251
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12

Yonnihof

Von Schlafschafen und Aluhüten: Der Tanz mit den Extremen

Wenn man nur noch Extremmeinungen hört, fehlt die Stimme der Mitte.

Einen Text in die Richtung dessen, was ich hier nun zu schreiben versuche, schlug ich schon einmal zu Faden. Damals war Corona noch ausschliesslich ein Bier. Der Grund für jene Kolumne war die Debatte über Extrempole der Modeindustrie. Ein Kleiderhersteller hatte gerade eine Plus Size-Linie herausgegeben und Models für deren Präsentation ausgewählt, die stark übergewichtig waren – und selbstverständlich zerfleischten sich die Leute in den Kommentaren darüber, was gesund und was …

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