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epa06760818 Facebook CEO Mark Zuckerberg speaks during the VivaTech fair in Paris, France, 24 May 2018. The annual commercial convention runs from the 24 to 26 May. EPA/ETIENNE LAURENT

Mark Zuckerberg hat sich Giphy gekrallt – und das aus mehreren Gründen. Bild: watson/EPA

Analyse

Facebook schluckt Giphy – warum das nicht nur für GIF-Fans eine Katastrophe ist

Mark Zuckerberg verfolgt seine Datenkraken-Strategie weiter, die sich schon vor der WhatsApp-Übernahme bewährt hat.



Facebook hat Giphy gekauft. Oder anders ausgedrückt: Datenkrake schluckt äusserst populäre GIF-Plattform. Wie es dazu kam und was die Folgen sind, verrät dieser Beitrag.

Was ist passiert?

Animiertes GIF GIF abspielen

Am vergangenen Freitag, 15. Mai, verbreitete sich wie ein Lauffeuer die Nachricht, dass Facebook Giphy übernimmt, den populären Anbieter animierter Bilder. Die Plattform für kurze Clips soll in Facebooks Fotodienst Instagram integriert werden, aber auch weiterhin für Drittanwendungen (von anderen Unternehmen) verfügbar bleiben.

Den Kaufpreis verriet Facebook nicht, laut «Axios» wurde Giphy bei dem Deal mit 400 Millionen Dollar bewertet. Das wäre ein Rückschritt im Vergleich zur Bewertung von 600 Millionen Dollar aus der vergangenen Finanzierungsrunde.

Facebooks Griff nach Giphy kommt nach monatelangen Debatten darüber, ob die US-Wettbewerbshüter bei früheren Übernahmen durch Facebook und andere Techkonzerne hätten restriktiver sein müssen. Als Beispiele werden der Kauf von Instagram für eine Milliarde Dollar 2012 und von WhatsApp für 22 Milliarden Dollar im Jahr 2014 genannt.

Warum schluckt Facebook Giphy?

Spoiler: Nicht wegen der GIFs.

Animiertes GIF GIF abspielen

Der Giphy-Deal sei für Facebook strategisch grossartig, kommentieren Beobachter. Facebook erhalte wertvolle Insider-Informationen: Giphy sei in viele Top-Apps eingebettet, und das Software Development Kit (SDK) verlange von den Entwicklern die Offenlegung der Geräte-IDs der Nutzer.

Das heisst, Facebook kann in Echtzeit überwachen, wie sich Konkurrenten entwickeln. Konkret: Apps von Drittanbietern. Der Social-Media-Konzern verfolgt schon länger die Strategie, sich durch Übernahmen solche Einblicke zu verschaffen, der bekannteste Fall dürfte der VPN-Dienst Onavo sein.

Wer Facebook keine Daten preisgeben will, sollte in Zukunft auf Giphy verzichten. Und die App löschen.

Im Gegensatz zu Apple und Google betreibt Facebook kein mobiles Betriebssystem und hat nicht die damit verbundenen Einblicke in das Nutzungsverhalten der Kunden.

Dank Onavo erkannte die Facebook-Führung früh, dass der damalige Konkurrent WhatsApp doppelt so schnell wuchs, was die Zahl der verschickten Chat-Nachrichten betraf, im Vergleich zu Facebooks eigenem Messenger. Konsequenz: Mark Zuckerberg beschloss, WhatsApp zu übernehmen, und unterbreitete den beiden Gründern einen Milliardendeal, den sie offensichtlich nicht ausschlagen wollten.

Apple verbannte 2018 die Onavo-App aus seinem App Store (iOS), dies mit der Begründung, dass die Datensammlung gegen die Regeln des Unternehmens verstosse.

PS: Ein Motiv für die Giphy-Übernahme dürfte auch gewesen sein, dass Facebook damit verhindern kann, dass ein anderer Käufer Einblicke erhält ins Facebook-Ökosystem.

Was bedeutet das für Giphy-User?

Giphy kann weiterhin normal verwendet werden, zur GIF-Suche über die Website oder die Smartphone-App, und natürlich auch um eigene (animierte) Inhalte hochzuladen.

Auch die Integration bei Twitter, Pinterest, Slack und weiteren Online-Diensten bleibe bestehen: Die entsprechende Entwickler-Schnittstelle (API) werde nicht geändert, heisst es.

Wer Facebook keine Daten preisgeben will, sollte in Zukunft auf Giphy verzichten und auch alle Online-Dienste meiden, die die Giphy-Schnittstelle implementiert haben. Man sollte nicht vergessen, die Giphy-App auf dem Handy zu löschen.

Wobei Facebook nicht automatisch an alle User-Daten von Drittanwendungen kommt, wie das Beispiel Slack zeigt.

Der webbasierte Instant-Messaging-Dienst ermöglicht den Slack-Usern, Giphy-GIFs einfach in Chats einzubinden. Facebook erhalte jedoch keine Einsicht in die Teamkommunikation, versicherte ein hochrangiger Slack-Manager, nachdem entsprechende Bedenken vom Apple-Blogger John Gruber (Daring Fireball) geäussert worden waren.

Was ändert sich für iPhone-User?

Datenkrake Facebook rückt näher.

Einige GIFs in Apples GIF-Online-Suche in Nachrichten/iMessage stammen auch aus Giphy. Dies dürfte sich auf absehbare Zeit ändern, vermuten US-Kommentatoren.

Wenn die Giphy-App auf einem iPhone (oder anderen iOS-Geräten) installiert ist, kann man bekanntlich über das entsprechende iMessage-Plugin Giphy-GIFs mit nur einem Klick in eigene Nachrichten einbinden. Facebook hat dadurch aber keinen Einblick in die Ende-zu-Ende-verschlüsselten Chats, sondern erhält nur Informationen, nach welchen GIFs gesucht wurde, wann und wie häufig solche Animationen abgerufen und in die Chatverläufe eingebettet werden.

Verschwindet Giphy als Marke?

Nein, das ist nicht geplant. Facebook will ja an möglichst viele Nutzungsdaten kommen über die Giphy-Integration in populären Drittanwendungen wie Twitter etc.

Laut Berichten wird erwartet, dass Giphy sein eigenes «Branding» beibehält, wobei die primäre Integration über die Instagram-Plattform von Facebook erfolgen soll.

Rund die Hälfte der Zugriffe auf Giphy sei bereits aus Facebook-Apps erfolgt, davon wiederum zur Hälfte von Instagram aus, betont der Social-Media-Konzern und versichert, die Schnittstellen für andere Apps und Entwickler sollen nach der Übernahme erhalten bleiben.

Welche Alternativen zu Giphy gibt es?

Es existieren diverse kostenlose Online-Dienste, die es erlauben, animierte GIFs zu verwenden.

Was sind GIFs?

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: giphy

Die animierten Bilder im GIF-Dateiformat, oft Ausschnitte aus Filmen oder TV-Sendungen, werden im Web zum Beispiel genutzt, um Emotionen auszudrücken oder einen Kommentar abzugeben.

«Giff» oder «Dschiff»?

«Giff» [gɪf] ist laut Wikipedia am gebräuchlichsten und wird gemäss offizieller watson-Doktrin in der Redaktion auch so ausgesprochen, allerdings sieht das der GIF-Erfinder definitiv anders und wünscht sich, dass man «Dschiff» [d͡ʒɪf] sagt.

«Dschiff» sollte eine Anspielung auf den Werbeslogan einer amerikanischen Erdnussbutter-Marke sein und in deren Abwandlung «Choosy Developers Choose GIF» dreifach gut klingen, weiss SRF Online. Aber es kam anders ...

Quellen

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Anton Pavlushko 19.05.2020 17:03
    Highlight Highlight Facebook hat hervorragende Liquidität und aktuell wird das Geld eher entwertet. Worauf muss man noch warten, wenn man aktuell während der Krise billig einkaufen kann:
    https://www.ituade.com/article/giphy-deal-top-10-uebernahmen-von-facebook
    Der Kauf von Jio Platforms tanzt aus der Reihe, aber Giphy zu bekommen für so einen Preis ist einfach super!
  • petrolleis 19.05.2020 12:28
    Highlight Highlight Wusste gar nicht, dass ich dazu eine app brauche.
    Öffne google und suche nach emotion+ gif. Et voilà...
    Aber ich bin halt schon zu alt und vergesse, dass es für alles apps gibt 🙈
  • leed 19.05.2020 11:37
    Highlight Highlight Gifs überleben nur, weil Browser noch keine Alternativen unterstützen. Es gäbe genug da draussen. Sie brauchen weniger Platz, unterstützen Alpha-Kanal-Transparenzen und millionen von Farben, anstatt wie bei Gif nur 256.

    Man sollte endlich HEIF, APNG und weitere bessere Formate unterstützen.
  • uhl 19.05.2020 09:05
    Highlight Highlight Man sagt Gif. Ende der Diskussion.
    • ralck 19.05.2020 13:37
      Highlight Highlight Nein. Man sagt Gif.
  • landre 19.05.2020 08:15
    Highlight Highlight "Konzentrationsprozesse" beeinträchtigen, blockieren oder zerstören den Markt/ Wettbewerb durch unverhältnismässige Macht- und Kraftaufteilung -Verteilung.

    Systeme wie "China" aufs schärfste kritisieren, unseres aber genauso diskutierbar bis verwerflich zu gestalten oder gestalten lassen, ist ein schwerwiegendes Armutszeugnis an uns Abendländer-innen...
  • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 19.05.2020 00:41
    Highlight Highlight Gut, wenn man ohnehin schon den richtigen Messenger verwendet.

    GIFs lade ich sowieso nur HIER in meinem Kindergarten hoch, wenn überhaupt.
    Benutzer Bild
  • Ueli der Knecht 18.05.2020 23:10
    Highlight Highlight "Wer Facebook keine Daten preisgeben will, sollte in Zukunft auf Giphy verzichten. Und die App löschen."

    Der sollte auch niemandem seine Telefonnummer verraten, der die vermutlich in seine Kontakte des Smartphones eintippt, die er freimütig mit Facebook, Instagram, Whatsapp usw. teilt.

    Wer seine Telefonnummer verrät, der wird ein Datenklumpen bei Facebook. Facebook kennt dessen Beziehungsnetz, politische und sexuelle Neigungen, Kaufkraft, Familie, Arbeitgeber, Kreditwürdigkeit, usw. Alle diese Informationen stecken nämlich in einer simplem Telefonnummer. Auch ganz ohne Giphy.
    • Ritiker K. 19.05.2020 13:59
      Highlight Highlight Fun Fact: WhatsApp installieren und die Namen und zugehörige Telefonnummer in deinem Adressbuch ohne Einwilligung der Personen weiterzugeben ist ein Verstoss gegen geltendes Datenschutzrecht in der Schweiz.
    • Ueli der Knecht 19.05.2020 14:34
      Highlight Highlight Ich teile zwar deine Meinung, Ritiker K., aber ein Anwalt würde vermutlich dagegen argumentieren, dass wer seine Telefonnummer weitergibt, auch konkludent einwilligt, dass der Empfänger dessen Nummer in seinen Kontakten abspreichern darf.

      In diesem Sinne verstösst vielmehr derjenige gegen Datenschutzgesetze, der annimmt, die Einwilligung des Kontakt-Datenbank-Inhaber beinhalte auch die Einwilligung aller darin gespeicherten Personen. Denn diese Annahme ist falsch und in meinen Augen kriminell.

      Irgendwann wird es sicher auch mal einen Präzedenzfall geben, um diese Rechtsfragen zu klären.
    • Ritiker K. 19.05.2020 15:52
      Highlight Highlight Nope, du darfst nicht implizit annehmen , dass du Name und Nummer weitergeben darfst. Nach schweizer Datenschutzrecht muss die Einwilligung (zurecht) explizit sein.

      Der Präzedenzfall gibt es schon(in De)

      Die Weitergabe durch den User ist illegal.

      https://www.connect.de/news/whatsapp-urteil-kontakte-weitergeben-illegal-abmahnung-3197396.html
  • Likos 18.05.2020 23:01
    Highlight Highlight Tenor gehört Google, ist also jetzt auch nicht die datensparsame Alternative.
  • Michael Scott 18.05.2020 21:47
    Highlight Highlight Facebook? Ist das nicht das Socal Media Zeugs, dass meine Eltern benutzen?
    • Onkel Jenny 18.05.2020 22:22
      Highlight Highlight Ist der Konzern, dem das Social Media Zeugs gehört, das du benutzt.
    • Ueli der Knecht 18.05.2020 23:14
      Highlight Highlight Facebook ist der Konzern, der auch bemerkt hat, dass du diesen watson-Artikel gelesen hast, und der dich über Cookies und den Fingerabdruck deiner App oder deines Browsers dich auch identifizieren, resp. dem Datenklumpen zuordnen kann, der dich im Facebook-Datenmeer repräsentiert.
    • Faktenchecker 19.05.2020 00:41
      Highlight Highlight @Michael Scott
      😂😂😂Made my day
    Weitere Antworten anzeigen
  • Faceoff 18.05.2020 21:33
    Highlight Highlight So ein bisschen übertrieben ist das Wort "Katastrophe" dann schon. Klar hinterlässt das ein mulmiges Gefühl. Aber um eine Spielerei wie Gihpy kommt man als Nutzer dann doch viel einfacher herum als um beispielsweise WhatsApp.
  • Angrod Taralom 18.05.2020 21:04
    Highlight Highlight Aber Herr Schurter, das ist doch kein Problem. Wir haben doch nichts zu verbergen.
  • Harry Zimm 18.05.2020 20:51
    Highlight Highlight Soweit mein Kommentar dazu - bevor ich die App lösche...
    Benutzer Bildabspielen
  • sweeneytodd 18.05.2020 20:29
    Highlight Highlight Facebook arbeitet geradezu verbissen daran, dass sich irgendwann die Amerikanischen Behörden einschalten werden. Zuckerberg denkt vlt er ist auf der sicheren Seite, dies hatte aber Rockefeller auch gedacht 😂. Vorteil ander ganzen Sache, wenn man sich von Facebook fernhalten will, legt man immer mehr das Handy beiseite und geht zurück ins richtige Leben. 👌
    • _kokolorix 19.05.2020 07:49
      Highlight Highlight Vermögen korrumpiert. Nur wenige, hart trainierte, reiche Erben von reichen Erben sind davon ausgenommen. Ein Emporkömmling wie Zuckerberg hat kaum eine Chance. Zu sehr ist der Mensch Opportunist um nicht jede sich bietende Gelegenheit beim Schopf zu packen. Zu sehr ist er in seiner Facebook-Welt gefangen, umgeben von Leuten die ihn in jeder Hinsicht bestärken, andere verschwinden ja bald.
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