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Neu sollen alle Patientinnen und Patienten mit Symptomen auf Covid-19 getestet werden.(Archivbild)

Pflegefachpersonen und Mediziner sollten die SwissCovid-App bei der Arbeit deaktivieren. Das hat das Bundesamt für Gesundheit so vorgesehen. Bild: KEYSTONE

Spitäler empfehlen Angestellten, SwissCovid zu deaktivieren – das steckt dahinter

Ärzte und Pflegefachkräfte sollen die Corona-Warn-App nicht während der Arbeit verwenden. Dies könnte zu unnötigen Warnhinweisen führen. Das Bundesamt für Gesundheit nimmt Stellung.



Was ist passiert?

Schweizer Spitäler empfehlen ihren Angestellten, die SwissCovid-App während der Arbeit zu deaktivieren.

Am Mittwoch berichtete 24heures.ch, dass das Lausanner Universitätsspital, das Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV), seinen Mitarbeitern rate, die SwissCovid-App nicht zu nutzen. Das Krankenhaus empfehle, dass das Personal die Corona-Warn-App bei der Arbeit nicht installiere oder deaktiviere, um «unnötige» Quarantänen zu vermeiden.

«Die Anwendung wurde eher für Restaurants, öffentliche Verkehrsmittel und andere öffentliche Orte entwickelt, jedoch nicht für die Krankenhausumgebung.»

Universitätsspital Lausanne quelle: 24heures.ch

Gleichentags griff die Nachrichtenagentur SDA-Keystone einen Bericht des Radiosenders FM1Today auf und verbreitete eine ähnliche Meldung zum St. Galler Kantonsspital. Dem Personal werde empfohlen, die Corona-Warn-App des Bundes für die Dauer der Arbeit auszuschalten. Die Klinik befürchte zu viele Fehlalarme und damit verbundene Absenzen.

Die Empfehlung der St.Galler Kantonsspitals gelte nur für das Personal, nicht aber für Besucherinnen und Besucher. Das Spital begrüsse es, wenn möglichst viele Mitarbeitende die App im privaten Alltag nutzen würden.

Gegenüber watson hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Mittwochnachmittag Stellung genommen und die Empfehlung fürs Fachpersonal bestätigt (siehe unten).

Ist das Deaktivieren sinnvoll?

Ja. Das vorübergehende Deaktivieren der Tracing-Funktion macht Sinn und ist auch von der Herausgeberin der App, dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) so vorgesehen.

Der Leiter Abteilung Digitale Transformation im BAG, Sang-Il Kim, sagte in einem Mediengespräch mit watson, dass darum die Benutzeroberfläche der SwissCovid-App das einfache Deaktivieren der Tracing-Funktion ermögliche.

Es gebe Lebenssituationen, wo es Sinn mache, die App in dem Sinne auszuschalten, weil man sonst unnötige «falsch positive Meldungen» (zu Kontakten mit Infizierten) generieren würde, erklärte der BAG-Kadermann und Facharzt.

«Einer der Hauptanwendungsfehler» wären Personen, «die im Gesundheitswesen arbeiten». Sie wüssten dass sie maximal geschützt seien vor dem Virus und in der Zeit mache es sicherlich keinen Sinn, dass das Tracing aktiviert sei.

Dies wird auch vom St.Galler Kantonsspital so gesehen: Das Pflegepersonal sei im Umgang mit Infizierten geschult und gelte deshalb während der Arbeit als geschützt.

Gibt es eine offizielle Empfehlung des Bundes?

Nein.

Eine nationale Richtlinie, wie Schweizer Spitäler zur SwissCovid-App kommunizieren sollen, existiert laut Bericht der Nachrichtenagentur SDA-Keystone bislang nicht. Es liege in der Kompetenz der einzelnen Institutionen, allenfalls solche Regeln zu erlassen.

Marco Stücheli, beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) zuständig für die Kommunikation zur SwissCovid-App, schreibt watson:

«Wir haben keine offizielle Empfehlung oder ein Statement zu diesem Thema, da es stark abhängig von den Personen (deren App-Nutzung) und der Situation, in welcher sich die Personen befinden, ist.»

Der BAG-Sprecher betont, die Aussagen von Sang-Il Kim würden sich auf Personen beziehen, «die im Umgang mit potenziell infizierten Personen stehen und im Umgang mit potenziell Infizierten geübt» seien, «Schutzmassnahmen kennen und über Hilfsmittel verfügen».

Was ist mit anderen Situationen?

Es gebe sicherlich die eine oder andere Situation, wo es Sinn mache, die Tracing-Funktion zu deaktivieren, hatte Sang-Il Kim im Mediengespräch mit watson gesagt. Grundsätzlich dürften das alltägliche Situationen sein, in denen Menschen Schutzmasken, Schutzbrillen und Schutzhandschuhe tragen und durch weitere Vorsichtsmassnahmen vor einer Übertragung des neuen Coronavirus geschützt sind.

Für alle anderen gilt: Die SwissCovid-App sollte immer dann aktiviert sein, wenn man ungeschützt Leute trifft. Und selbstverständlich auch bei Spital-Besuchen.

Wenn man sich als normaler Bürger an einem Ort wie einem Spital oder Testzentrum befinde, empfiehlt das BAG, die SwissCovid App grundsätzlich laufen zu lassen.

Es könne dann zwar sein, dass die Nutzerinnen und Nutzer Meldungen erhalten, obwohl sie in der Realität durch Schutzvorrichtungen (z.B. Plexiglas-Scheiben, Masken, etc.) vor einer Ansteckung geschützt waren. In diesem Fall werde die spezielle Situation dieses Tages und die daraus folgenden Massnahmen mit der Infoline SwissCovid (Telefonnummer wird bei der Meldung in der App angezeigt) besprochen.

Warum kann das Tracing problematisch sein?

Die Spital-Verantwortlichen befürchten, dass Pflegefachkräfte nach dem Anzeigen von Warnhinweisen in der SwissCovid-App unnötigerweise in Quarantäne geschickt oder getestet werden. Dazu muss man wissen, dass die SwissCovid-App aus Datenschutzgründen nicht angibt, wann und wo man sich in unmittelbarer Nähe zu Infizierten aufgehalten hat. Zum Warnhinweis wird lediglich das Datum angezeigt.

Wie wirksam ist die App?

Die Wirksamkeit der SwissCovid-App ist wegen ihrer auf maximalen Datenschutz ausgelegten Konzipierung («Privacy by Design») schwer messbar. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) betont, die Wirksamkeit sei stark abhängig von der Nutzung, also ob die Bevölkerung die App herunterlädt, ob sie die App aktivieren, ob sie die Covidcodes im Falle einer Erkrankung eingeben und ob sie im Falle einer Meldung über eine mögliche Ansteckung die Anweisungen befolgen. Ein Konzept zur Messung der Wirksamkeit sei zur Zeit in Kooperation mit externen Stellen und allen involvierten Partnern in Arbeit. «Wir können heute sagen, dass bereits über 60 Codes in die App eingegeben wurden», teilt BAG-Sprecher Marco Stücheli auf Anfrage mit.

Im Lausanner Universitätsspital hatte die Empfehlung, die SwissCovid-App vorübergehend zu deaktivieren, für Aufregung gesorgt bei den Mitarbeitern, wie 24heures.ch berichtet. Ein Gewerkschaftsvertreter erklärte, man wolle nun bei der Personalabteilung um Antworten ersuchen.

Auch der Wortlaut der offiziellen Kommunikation sei etwas unglücklich, wenn von «unnötiger» Quarantäne gesprochen werde, die es zu vermeiden gelte. Quarantänen seien nicht unnötig. Vielmehr wollte die Spitalleitung damit erreichen, dass die Mitarbeitenden immer zur Verfügung stünden.

Der «Blick» erinnert an die schwierige Zeit, als die Corona-Krise in der Schweiz auf dem Höhepunkt war. Die arbeitsrechtlichen Vorgaben fürs Spitalpersonal seien durch den Bundesrat ausser Kraft gesetzt worden, damit die Spitäler flexibler planen können. Für die Mitarbeitenden habe das Mehrarbeit bedeutet. Im Zuge der Lockerungen habe die Regierung diese Massnahmen aber wieder rückgängig gemacht.

Tracing deaktivieren oder Bluetooth ausschalten?

Möglich ist sowohl das Ausschalten der Bluetooth-Verbindung des Smartphones (über die System-Einstellungen) als auch das Deaktivieren der Tracing-Funktion in der SwissCovid-App. Beide Vorgehensweisen gewährleisten, dass die SwissCovid-App vorübergehend keine «Begegnungen» erfasst.

Es empfiehlt sich, nicht die Bluetooth-Verbindung zu kappen, sondern das Tracing in der App zu deaktivieren.

Bluetooth muss in den System-Einstellungen (hier iOS 13) ausgeschaltet werden:

Bild

Quellen

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA

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25
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    Alle Leser-Kommentare
  • DocShi 09.07.2020 21:22
    Highlight Highlight Irgendwie schon lustig dass nur für Applejünger erklärt wird wie man Bluetooth abschaltet. 😂
  • landre 09.07.2020 07:11
    Highlight Highlight Spitäler gehören zu den medizinisch best ausgerüsteten Infrastrukturen und das Personal gehört auch zu den best ausgebildeten. Also, ist Polemik hier eigentlich schon deplatziert/ deplatzierend.

    Dieses Beispiel zeigt zwischen den Zeilen emblematisch dass wir als Schweiz, mit unserem Sinn für Qualität und Verhältnismässigkeit sehr gut unterwegs sind.

    Wir als CH-Gesellschaft verfügen nun über einen Katalog von materiellen Massnahmen und einen von immateriellen Massnahmen die wir nun sachlich angemessen selektiv und punktuell anwenden können.

    Was können wir momentan noch mehr verlangen?
    • Liserl 09.07.2020 08:54
      Highlight Highlight Du sprichst von einem Katalog, wird der überall eingehalten, umgesetzt ?
    • landre 09.07.2020 17:30
      Highlight Highlight @Liserl

      Nein, das ist leider alltäglich offensichtlich.

      Trotzdem ziehen wir bezüglich Sars-CoV-2 (Virus?) und Covid-19 (möglich erregte Krankheit?) alle zusammen am gleichen Strang.
  • SUP_2 09.07.2020 06:49
    Highlight Highlight Es ist ganz einfach! Im Spital tragen alle eine Maske, auch die Putzleute, Techniker, Administration. Deshalb ist es unwahrscheinlich dass man sich ansteckt, auch wenn man Kontakt bei der Arbeit hatte. Das ist mit “unnötigen“ Alarmen gemeint! Ich lasse die App an, weil ich sonst vergesse, sie wieder zu aktivieren.
    • SeboZh 09.07.2020 09:22
      Highlight Highlight Auch in den Pausenräumen, Garderoben oder Toiletten? Bei Raucherpausen? Aber verstehe die Absicht der Spitäler schon.
  • Burrito of Happiness 09.07.2020 06:46
    Highlight Highlight Ja, wir (ich bin Pflegefachfrau) sind geschult, wenn eine Positiv getestete Person auf unserer Station liegt. Diese wird dann auf die Corona-Kohorten Station verlegt, jedoch werden bei uns die Patienten nicht mehr bei Eintritt getestet, sondern nur wenn sie Symptome zeigen. Finde ich auch sinnvoll. Doch was ist mit den Besuchern? Es kommen trotz der Empfehlung, dass sich nicht mehr als sechs Personen im Zimmer aufhalten und keine Kinder erlaubt sind, viele Besucher und Kinder zu unseren Patienten. Und nicht alle tragen Mundschutz... entsteht da nicht eine Lücke?
    • lilas 09.07.2020 08:23
      Highlight Highlight Das ist seltsam. Bei uns muss jeder, der ins Haus kommt, Hände desinfizieren, Mundschutz anziehen, Formular ausfüllen. Sechs Personen sind bereits sehr viel, da wären unsere Zimmer zu klein und die Patienten genervt.
  • peeti 08.07.2020 21:54
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
  • Las Palmas 08.07.2020 21:00
    Highlight Highlight Das Pflegepersonal ist zwar geschult in einem Spital.. doch wie sieht es aus mit dem ganzen anderen Personal? Adminstration, HR, IT usw.. die keinen direkten Kontakt zu Patienten haben? Im Spital-Betrieb sind diese Bereiche aktuell "nicht-existent" - da gibt es kein Schutzmaterial, kein Desinfektionsmittel und keine besonderen Reinigungsmassnahmen... Aktuell eines der schlechtesten Arbeitgeber!
    • SUP_2 09.07.2020 10:24
      Highlight Highlight In welchem Spital denn? So pauschal auszusagen ist etwas kurz gegriffen. Ich arbeite im Spital und da wurde jede und jeder MitarbeiterIn geschult und regelmässig informiert. Alle haben Masken und es ist nicht erlaubt sich im Spital ohne korrekt sitzende Maske zu bewegen. Alle Besucher und alle Patienten > 12 Jahren tragen eine Maske wenn sie sich ausserhalb ihres Patientenzimmers bewegen!
    • Las Palmas 09.07.2020 18:31
      Highlight Highlight Hm ich sags mal so, unser Spital war bis jetzt nur negativ in den Schlagzeilen (Ost-CH)
  • nadasagenwirjetzteinfachmal 08.07.2020 20:35
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
  • KarinaN 08.07.2020 20:28
    Highlight Highlight Ich arbeite im Spital und uns wurde auch geraten die App auf Arbeit abzuschalten. Bei mir bleibt sie trotzdem an. In den Pausenräumen oder einfach nur einem Kaffee mit Kollegen trägt bei uns keiner Maske (dies ist auch erlaubt und so vorgesehen) und dort könnte man sich schon anstecken. Und ständig die App ein und ausschalten ist ja eher unpraktikabel und geht zumindest bei mir vergessen. Ausserdem kann bei einer Warnmeldung ein Coronatest sicher nicht schaden. Ich bin mir nicht sicher ob es jetzt gut oder schlecht ist, die App nicht auszuschalten, ich finde das sehr schwer einzuschätzen.
  • G.Oreb 08.07.2020 20:16
    Highlight Highlight „Es empfiehlt sich, nicht die Bluetooth-Verbindung zu kappen, sondern das Tracing in der App zu deaktivieren.“

    So rein aus Neugier: Warum, scheint ja beides zu funktionieren? Und ich nehme an, die App ist so intelligent programmiert dass sie keine Ressourcen benötigt wenn sie merkt dass Bluetooth deaktiviert ist.
    • Shikoba 08.07.2020 22:40
      Highlight Highlight Das habe ich mich auch gefragt.. Zuhause habe ich auch schon einfach mal Bluetooth ausgeschaltet, dann kommt ja auch die Meldung, dass die App somit nicht mehr funktioniert. Wenn ich rausgehe und Bluetooth einschalte, verschwindet die Meldung wieder.
    • Butschina 09.07.2020 04:04
      Highlight Highlight Viele nutzen heute Bluetooth für Kopfhörer oder anderes. Da ginge schnell vergessen, dass die App dann doch wieder aktiv wäre. Somit macht es Sinn das Tracing in der Covidapp auszuschalten und nach Feierabend wieder einzuschalten.
    • Irene Adler 09.07.2020 06:23
      Highlight Highlight @Butschina: eher unwahrscheinlich, dass das Spitalpersonal während der Arbeitszeit Kopfhörer mit Bluetooth benutzt.

      Aber jetzt, wo ich nachdenke, für die ständige Verbindung mit Smartwatches braucht auch Bluetooth, kann also stimmen, dass dahinter diese Login steckt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • HugiHans 08.07.2020 20:13
    Highlight Highlight Bitte ergänzt den Titel auf um "ihren Angestellten", also: Spitäler empfehlen ihren Angestellten, SwissCovid ...

    So ist das einfach nur reisserisch und der Sache kontraproduktiv.
    • prestige 08.07.2020 20:15
      Highlight Highlight Wollte ich auch grad anmerken
    • Crank 08.07.2020 20:20
      Highlight Highlight Genau, wollte auch gerade schreiben, dass man den Bericht hätte anders beschlagzeilen müssen.
      Sonst laufen wieder Leute rum die behaupten, dass sogar Spitäler von der App abraten...
    • N. Y. P. 08.07.2020 20:21
      Highlight Highlight Wollte ich auch grad
      anmerken.
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