Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Umstrittene Firma aus Zürich ist in geplante Corona-App involviert

Das europäische Projekt für eine Contact-Tracing-App, PEPP-PT, verspricht volle Transparenz, kann das Versprechen bis jetzt aber nicht halten.

Andreas Maurer / ch media



Würden Sie eine App nutzen, welche die Bewegungsdaten aufzeichnet, um die Pandemie einzudämmen? Diese Frage hat die Hochschule Luzern tausend Personen in der Schweiz gestellt. 57 Prozent sagen «eher Ja» oder «Ja».

Das ist ein hoher Wert, aber er genügt nicht. Nur wenn 70 Prozent der Bevölkerung eine derartige App nutzen, sind aussagekräftige Resultate zu erwarten. Das Vertrauen in die Technologie müsste also noch gestärkt werden.

Doch die Anfangseuphorie um das vielversprechendste Projekt ist bereits abgeklungen. Es heisst Pepp-PT, was für Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing steht: paneuropäische Privatsphäre schützende Annäherungsüberwachung. Unter diesem Namen entwickelt eine Forschergruppe eine Technologie, die von App-Entwicklern genutzt werden soll. Am Anfang entstand Euphorie, weil das Projekt eine Lösung versprach, die im Gegensatz zu chinesischen Projekten den Datenschutz garantieren soll.

epa08369280 A handout photo made available by German Armed Forces Bundeswehr shows soldiers during a test of a smart phone app using Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing (PEPP-PT) at the Julius Leber Barracks in Berlin, Germany, 01 April 2020 (issued 17 April 2020). The european project 'Pan European Privacy Protecting Proximity Tracing' app shows if the user is near a person who has been tested positive for the SARS-CoV-2 coronavirus which causes the Covid-19 disease. According to the initiative, if 'a user of phone A has been confirmed to be SARS-CoV-2 positive, the health authorities will contact user A and provide a TAN code to the user that ensures possible malware cannot inject incorrect infection information into the PEPP-PT system. The user uses the given TAN code to voluntarily provide information to the national trust service that allows the notification of PEPP-PT apps recorded in the proximity history and therefore potentially infected. Since this history contains anonymous identifiers, neither person can be aware of the other's identity'.  EPA/TORSTEN KRAATZ / BUNDESWEHR / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

PEPP-PT hat mit Angehörigen der Bundeswehr App-Tests durchgeführt. Bild: EPA

Die Apps erfassen über Bluetooth, welche Smartphones von anderen Benutzern sich für längere Zeit in der Nähe aufgehalten haben. Wenn sich jemand mit dem Virus infiziert und dies in der App registriert, können so die Kontaktketten nachverfolgt werden und die Betroffenen gewarnt werden. Dabei werden aber keine Personendaten ausgetauscht oder gespeichert, sondern zufällig hergestellte Zahlenreihen.

Das Versprechen

Das Versprechen lautet, dass niemand herausfinden kann, wer wen angesteckt haben könnte. Die Nutzer erhalten eine Meldung, wenn sie sich längere Zeit in der Nähe eines Infizierten aufgehalten haben. Sie sollen aber nicht erfahren, wer es war. Ob man sich dann in Quarantäne begibt, soll ein freiwilliger Entscheid sein.

Bis jetzt lässt sich das Versprechen allerdings nicht überprüfen. Die Forscher von Pepp-PT künden zwar volle Transparenz an, bis jetzt halten sie Grundlagen wie den Quellcode jedoch geheim. Pepp-PT teilt die Informationen nicht mit der Öffentlichkeit, aber mit einer Reihe von Firmen, die auf der Website als Mitglieder aufgeführt sind.

Wer steckt hinter der Zürcher Firma AGT International?

Dazu gehört die AGT International, ein IT-Konzern aus Zürich. Als Eigentümer ist im Handelsregister eine zypriotische Holding eingetragen. Wer dahinter steckt, ist nicht bekannt. AGT International ist 2013 in die Schlagzeilen geraten, weil sie in Wikileaks-Dokumenten auftauchte. Die «Handelszeitung» beschrieb den Konzern damals als «Datenkrake», der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter aus Israel engagiere und für arabische Staaten Massenüberwachungssysteme aufbaue.

Eine AGT-Sprecherin sagt, der Konzern habe sich inzwischen auf den Sport- und Unterhaltungsbereich fokussiert. Bei Pepp-PT heisst es derzeit, die Rolle der einzelnen Firmen könne noch nicht definiert werden.

Die beiden ETH sind ausgestiegen

Martin Steiger, Anwalt für Recht im digitalen Raum, sagt, eine «Datenkrake» könne durchaus wichtiges Know-how beisteuern. Aber: «Das Vertrauen in Pepp-PT steht und fällt mit der Transparenz. Wenn die Akteure nicht bald auf Touren kommen, werden sie in diesem Punkt scheitern.» Dafür müssten sie den Quellcode publizieren. So wäre kein Vertrauen in die einzelnen Mitglieder erforderlich, sondern wer will, könne sich selbst ein Urteil bilden.

Bruno Baeriswyl, Datenschutzbeauftragter von Zürich, sagt: «Für mich ist nicht transparent, wer welche Rolle bei Pepp-PT hat. Man muss das Produkt, wenn es dann vorliegt, sicherlich kritisch analysieren. Nur weil EPFL und ETHZ dabei sind, heisst das nicht, dass alles per se okay ist.»

Mittlerweile sind diese Hochschulen jedoch ausgestiegen; Epidemiologe Marcel Salathé hat die Zusammenarbeit unter Protest quittiert. Er kritisierte die fehlende Transparenz.

(bzbasel.ch)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Darum warnen Informatiker eindringlich vor Office 365 an Schulen

Das populäre Microsoft-Softwarepakt bringt laut deutschen Pädagogen einen Rückschritt in allen Bereichen, ob beim Datenschutz, der Demokratieerziehung oder der digitalen Souveränität.

In einem aktuellen Positionspapier beschweren sich deutsche Informatiklehrer über die mögliche Umstellung bei Schulen auf Microsoft 365 in Baden-Württemberg.

Die Gesellschaft für Informatik fürchtet, dass das an die Schweiz angrenzende Bundesland mit dem Office-Paket seine digitale Souveränität im Bildungssystem verliere. Laut den Fachleuten steht noch viel mehr auf dem Spiel, es wäre «ein Rückschritt in allen Bereichen»:

Ihnen liege sehr daran, dass die hervorragende Infrastruktur in …

Artikel lesen
Link zum Artikel