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Anonymous nimmt sich Corona-Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann zur Brust. bildmontage: shutterstock

Anonymous knöpft sich Corona-Verschwörungstheoretiker vor – dort fliegen nun die Fetzen

Das Hacker-Kollektiv Anonymous löschte über 2000 Personen aus einer bei Verschwörungstheoretikern beliebten Telegram-Chatgruppe. Bei Attila Hildmann, dem umstrittenen Sprachrohr der deutschen Corona-Querulanten, liegen die Nerven blank.



epa08426170 German vegan chef Attila Hildmann speaks during a demonstration in front of the Reichstag building, seat of the German parliament the Bundestag in Berlin, Germany, 16 May 2020. A series of demonstrations are held throughout Germany, calling for ending of the social and economical restrictions imposed due to the coronavirus pandemic. The events are organized by groups of various motives, right wing activists, conspiracy theory believers and more.  EPA/OMER MESSINGER

Attila Hildmann: Vegan-Influencer. Corona-Verschwörungstheoretiker. Mehrfaches Anonymous-Opfer. Bild: EPA

Vegankoch und Kochbuchautor Attila Hildmann verbreitet seit Ausbruch der Corona-Pandemie Verschwörungstheorien rund um das Coronavirus. Mit seinen Videos und Postings richtet er sich an Aluhüte und Nationalisten, da er das Volk vor einem von den Eliten und der eigenen Regierung geplanten Genozid schützen müsse, den er nach einer «Zwangsimpfung» durch Bill Gates erwartet. Laut Hildmann, der sich selbst als deutscher Nationalist bezeichnet, wollen Merkel, Gates und Co. mit dem Coronavirus die Menschheit dezimieren. Trump, Putin und Xi versuchten dies zu verhindern.

Man lebe in Deutschland in einer Corona-Diktatur. Hildmann wünscht sich daher, dass Trump die deutsche Bundeskanzlerin absetzt und die Regierung soll in den USA vor ein Militärgericht gestellt werden.

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Auszug aus Hildmanns Telegram-Kanal. screenshot: twitter/@anonnewsde

Hildmann fällt auch durch antisemitische Äusserungen auf: «Die Rothschilds, Rockefellers, Warburgs und andere Zionisten sind die obersten Corona-Verbrecher», lässt er seine Jünger wissen. Kommt hinzu: Im Mai schmückte Hildmann eines seiner zahlreichen Postings mit dem Anonymous-Motto «Wir sind Anonymous. Wir sind viele. Wir vergeben nicht. Wir vergessen nicht. Erwartet uns.» Die Hacker kündigten schon damals Vergeltung an: «Attila Hildmann, bisher haben wir nur über dich gelacht. Nun werden wir dich in den virtuellen Fleischwolf schmeissen und den Deckel schliessen. Du wirst weinen, versprochen.»

Den Worten folgen nun Taten: Letzte Woche hatte das Hacker-Kollektiv seinen Webserver gehackt, in der Nacht auf Mittwoch kaperten sie seine Telegram-Gruppe «Demokratenchat». Ein Sammelbecken für Aluhüte und rechte Verschwörungstheoretiker, die Hildmann an den Lippen hängen, egal wie unsinnig seine Hassparolen sein mögen.

Bei den Aluhüten brodelt es: das Chat-Protokoll

Nach der «Operation Alufolie», wie Anonymous die Infiltration der Aluhüte nennt, fliegen zwischen Hildmann und den übrigen Administratoren der «gehackten» Telegram-Gruppe die Fetzen. Es wird gedroht und beleidigt. Da Hildmann nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden kann, hat er am Mittwoch kurzerhand mehrere loyale Administratoren geblockt.

Das zeigen geleakte Screenshots aus der privaten Telegram-Gruppe für Administratoren, in der Hildmann seinen treusten Mitstreitern für gewöhnlich Anweisungen erteilt. In diesem separaten Chat sind eigentlich nur Hildmann und einige wenige Admins, welche den öffentlichen «Demokratenchat» leiten sollen. In den letzten Tagen war darunter ein eingeschleuster Anonymous-Aktivist, der sich zuvor bei Hildmann als Administrator beworben hatte...

Wie die Galionsfigur der deutschen Anti-Lockdown-Bewegung wirklich tickt:

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Als Caps Lock-Hildmann und den übrigen Administratoren das Unheil gewahr wurde, brach das Chaos aus. screenshot: anonymous/imgur

Aufschlussreich sind auch von Anonymous veröffentlichte Sprachnachrichten aus dem Administratoren-Chat. Sie zeigen, wie Hildmann neu rekrutierte Administratoren auf ihre Mission einschwört.

Was sagt Anonymous zur «Operation Alufolie»?

Was Hildmann zu all dem meint:

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Die Reaktionen im Netz:

Verschwörungstheorien als Geschäftsmodell

Windige Verschwörungstheoretiker versuchen von der Corona-Krise zu profitieren, indem sie in öffentlichen Telegram-Kanälen Lügen über Covid-19 in die Welt setzen – und damit Geld verdienen. «Da werden Premium-Kanäle gegen eine Abogebühr ins Leben gerufen, Merchandise-Artikel angeboten oder selbst verfasste Bücher beworben», wie Untersuchungen des Politikwissenschaftlers Josef Holnburger zeigen.

Von Telegram, das Falschinformationen über das Coronavirus toleriert, gelangen die Verschwörungstheorien auf Plattformen mit weit grösseren Reichweiten, primär YouTube, WhatsApp und Facebook (die zumindest versuchen, problematische Inhalte zu löschen). Telegram gilt daher als sicherer Hafen für Verschwörungstheoretiker, die ihre Ergüsse ungehindert verbreiten können und ihre Anhänger auffordern, sie per WhatsApp und soziale Medien weiterzuverbreiten.

In der Nacht auf Mittwoch schlug Anonymous zurück. Während Hildmann und die übrigen Gruppen-Administratoren schliefen, löschte das Hacker-Kollektiv über 2000 Mitglieder aus dem «Demokratenchat», einer von ehemals über 10'0000 Menschen genutzten Chat-Gruppe bei Telegram. Gleichzeitig wurde die Telegram-Gruppe mit Memes geflutet, die sich über Hildmann und Aluhüte lustig machen.

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