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UPC-Mutter Liberty Global will Sunrise kaufen: Konkurrenz für Swisscom, Freenet kassiert

Ob auch die Endkunden von einer solchen Elefantenhochzeit profitieren, ist fraglich...



Elefantenhochzeit in der Schweizer Telekombranche: Die UPC-Besitzerin Liberty Global will Sunrise kaufen. Der Deal hat einen Wert von 6.8 Milliarden Franken, wie Sunrise am Mittwoch in einem Communiqué bekannt gab.

Liberty Global biete 110 Franken pro Sunrise-Aktie. Das sind 32 Prozent mehr als im Durchschnitt der letzten 60 Tage. Sunrise-Grossaktionärin Freenet habe sich verpflichtet, ihre gesamte Beteiligung an Sunrise von gut 24 Prozent anzudienen. Sunrise soll nach der Übernahme von der Schweizer Börse SIX dekotiert werden.

Damit ist ein Stolperstein ausgeräumt: Freenet hatte im vergangenen Jahr die geplante Übernahme von UPC durch Sunrise platzen lassen. Nun findet die Hochzeit doch statt, einfach umgekehrt.

Nach sorgfältiger Prüfung erachte der Verwaltungsrat von Sunrise die Transaktion als im besten Interesse von Sunrise und ihren Aktionären, und habe daher einstimmig beschlossen, das Angebot zur Annahme zu empfehlen.

Für die Kunden ändere sich vorläufig nichts, aber ...

Sunrise werde während der Angebotsfrist weiterhin unabhängig operieren und seine Geschäftskunden- und Konsumenten-Initiativen entsprechend seiner Roadmap und Strategie weiter vorantreiben. Für die Sunrise Kunden werde es «in dieser Zeit keine Veränderungen» geben.

Mit dem Zusammenschluss soll ein stärkerer landesweiter konvergenter Herausforderer für Swisscom und Co. entstehen, der «in allen Bereichen der 4P-Bundle-Angebote einschliesslich Glasfaser, Kabel, TV und Mobile tätig» sei.

Zur Erinnerung: Ende 2019 war der geplante (und angekündigte) milliardenschweren Kaufs von UPC durch Sunrise geplatzt. Wegen Widerstands der Freenet-Aktionäre. Der damalige Sunrise-Chef Olaf Swantee liess daraufhin verlauten, es gebe keine weiteren Verhandlungen mehr mit UPC-Besitzerin Liberty Global. Allerdings hoffte die UPC-Mutter weiterhin auf einen neuen Deal für ihre Schweizer Kabelnetztochter. Das scheint nun zu klappen.

Mit der Fusion könnte Sunrise die Marktführerin in allen Geschäftsbereichen attackieren. Konkret erhielte Sunrise Zugang zum umfassenden Kabelnetz von UPC – und würde so ihre Abhängigkeit von der Swisscom reduzieren.

Wie stark dies die dominante Marktführerin unter Druck setzt, muss sich zeigen. Wenn weniger Unternehmen auf dem Markt um Kunden buhlen, kann dies den Wettbewerb auch hemmen, was steigende Preise erwarten liesse.

Glasfaser- und 5G-Netzausbau

Zum Ausbau der Datennetze heisst es in der am Mittwoch veröffentlichten Sunrise-Medienmitteilung:

«Das kombinierte Unternehmen wird gut positioniert sein, um den Ausbau der Netzinfrastruktur der nächsten Generation, einschliesslich 5G und zukünftiger Technologien, fortzusetzen und bis ins Jahr 2021 90% der Schweizer Haushalte mit Internet von bis zu 1 Gbps zu versorgen, mit dem Ziel, die Geschwindigkeit im Laufe der Zeit bis zu 10 Gbps zu erhöhen. Das Festnetz der nächsten Generation von UPC Schweiz mit ausgedehntem Glasfasernetz wird die Führungsposition von Sunrise bei 4G und 5G weiter stärken.»

THEMENBILD ZUR ZUSAMMENARBEIT VON SALT UND SUNRISE BEIM AUSBAU DES GLASFASERNETZES --- Workers install fiber optic cables under street of Geneva, in Geneva, Switzerland, Monday, May 2, 2011. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Glasfasernetzausbau in Genf: Das kombinierte Unternehmen soll gemäss Sunrise «besser in der Lage sein, den Wettbewerb zum Vorteil der Schweizer Wirtschaft und Konsumenten voranzutreiben». Bild: KEYSTONE

Im Falle des erfolgreichen Vollzuges des Angebots ziehe Liberty Global in Betracht, die im Publikum verbliebenen Sunrise-Aktien zu erwerben und anschliessend die Dekotierung der Sunrise-Aktien von der SIX Swiss Exchange zu beantragen. Damit würde Sunrise zu einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft innerhalb der Liberty Global-Gruppe.

Freenet macht Kasse

Sunrise-Grossaktionär Freenet macht mit dem Verkauf seines Anteils an Liberty Global gross Kasse. Freenet kann die Aktien für 110 Franken je Titel veräussern. Eingestiegen waren die Deutschen bei einem Kurs von 72,95 Franken.Mit den 11,05 Millionen Aktien hat Freenet somit rechnerisch 409,5 Millionen Franken Gewinn gemacht. Sein Kampf habe sich gelohnt, sagte der hörbar zufriedene Freenet-Chef Christoph Vilanek am Mittwoch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP: «Ich habe die grundsätzliche Logik des Deals nie abgelehnt. Ich habe nur die Konstruktion abgelehnt.»

Im ursprünglichen Konzept von Liberty hatte eine Fusion von Sunrise und UPC als Zusammenschluss unter Gleichen gestanden. «Ich hatte das gut gefunden», sagte Vilanek. Die damalige Sunrise-Spitze von Verwaltungsratspräsident Peter Kurer und Konzernchef Olaf Swantee habe aber die Kontrolle behalten wollen, worauf Sunrise ein Kaufangebot für 6,3 Milliarden Franken für UPC unterbreitet hatte.

«Dieser Deal hat uns nicht gepasst», sagte der Freenet-Chef, der im vergangenen Jahr den Widerstand der Sunrise-Aktionäre gegen den Kauf von UPC angeführt hatte. Vor allem den Kaufpreis und die dazu nötige Kapitalerhöhung kritisierte er als zu hoch. Auch die Struktur des Deals sei nachteilig für die Sunrise-Aktionäre.

Hinter dem jetzigen Deal einer Übernahme von Sunrise durch die UPC-Besitzerin Liberty Global steht der Freenet-Chef indes voll und ganz: «Wir haben eine unwiderrufliche Verpflichtung unterschrieben, unseren Anteil von 24,42 Prozent für 110 Franken pro Aktie an Liberty Global abzugeben.» Die Verhandlungen seien schnell gegangen. Der Kaufvertrag sei erst gestern Abend unterzeichnet worden.

(dsc/sda/awp)

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