Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Neuste Filme und Serien, in «bester Qualität», gratis übers Internet? screenshot: watson

Hände weg vom «Netflix für Piraten»! Popcorn Time ist riskanter denn je

Der illegale Streaming-Dienst Popcorn Time ist in einer neuen Software-Version verfügbar. Mit verlockendem Angebot und unbekannten Nebenwirkungen.



Popcorn Time ist zurück.

Die «legendäre Filmpiraten-App» liegt in einer neuen Version vor. Für Windows-PCs und Mac-Computer.

Dies berichtete das US-Online-Medium Motherboard («Vice») am Dienstag und bezog sich auf diesen Tweet:

Bild

«Liebe in Zeiten von Corona» – mit diesem Spruch werben Unbekannte für eine problematische Software. screenshot: twitter

Hände weg! ☠️

Die Installations-Datei ist 150 Megabyte (MB) gross. Mac-User können sie von popcorntime.app herunterladen.

Normalerweise hätte ich als Digital-Redaktor ausprobiert, ob das Programm funktioniert und wie es läuft. Doch es sind keine normalen Zeiten. Ich arbeite im Home Office und kann und will keine Risiken eingehen mit unbekannter Software.

Bild

screenshot: watson

Langjährige watson-User dürften Popcorn Time kennen. Das Programm machte 2014 Schlagzeilen und wurde schon damals als «Netflix für Piraten» bezeichnet. Dies weil es besonders einfach zu bedienen war, aber vor allem, weil damit urheberrechtlich geschützte Filme und Serien illegal weiterverbreitet wurden. Und zwar über das Bittorrent-Protokoll.

Gemäss Eigenbeschrieb handelt es sich um einen plattformübergreifenden Bittorrent-Client, der einen integrierten Medienplayer enthalte. Es ist zwar wie versprochen eine «kostenlose Alternative zu abonnementbasierten Video-Streaming-Diensten wie Netflix». Jedoch begeben sich die Nutzer damit auf dünnes (juristisches) Eis, was mit der Funktionsweise des illegalen Streaming-Angebotes zu erklären ist: Popcorn Time lädt zwar angeblich nur Videos herunter, die von mehreren Torrent-Websites aufgelistet werden. Jedoch müsste man sich dabei auf unbekannte Programmierer verlassen.

Die Macher des neuen Popcorn Time warnen auf der Website, unter dem Download-Button:

Das Herunterladen von urheberrechtlich geschütztem Material kann in Ihrem Land illegal sein. Die Verwendung erfolgt auf eigenes Risiko.

Bekanntlich dürften Internet-User hierzulande Filmdateien aus illegalen Quellen herunterladen, hingegen macht man sich mit der Weiterverbreitung (beispielsweise durch automatische Uploads beim Bittorrent-Filesharing) strafbar.

Bild

Popcorn Time versucht mit ansprechendem Design und Benutzerfreundlichkeit, User zu gewinnen. screenshot: popcorntime.app

Zwar könnte man mit einem sogenannten VPN-Dienst die eigene Internet-Adresse (IP) verschleiern, jedoch ist auch dadurch in vielen Fällen keine Anonymität gewährleistet.

Bei der aktuellen (gesundheitlichen) Bedrohungslage und den Einschränkungen des öffentlichen Lebens wegen der Pandemie ist ein anderer Punkt aber viel wichtiger: Man sollte sich keine unbekannte Software ins Haus holen!

Ein junger Mann mit einer genialen Idee, aber ...

Weil es so einfach zu bedienen ist, wird Popcorn Time seit der ersten Veröffentlichung im Jahr 2014 von der Unterhaltungs-Industrie ins Visier genommen. Speziell die US-Filmindustrie geht juristisch gegen die Verbreitung vor und versucht auch Ableger der populären Software zu stoppen.

Die ursprüngliche Idee stammte vom argentinischen Designer Federico Abad, wie 2015 bekannt wurde. Der junge Mann hatte sich laut eigenen Angaben über die langsamen Internet-Verbindungen in seiner Heimat genervt, und darüber, dass US-Blockbuster erst Monate später in die argentinischen Kinos kamen. Gemeinsam mit Gleichgesinnten, die er im Internet fand, entwickelte Abad die Software. Sie wurde im März 2014 vom Netz genommen, auf Druck der Motion Picture Association of America (MPAA). Da der Programmcode aber zuvor im Internet veröffentlicht worden war, folgten zahlreiche Weiterentwicklungen, sogenannte «Forks».

Der illegale Streaming-Dienst wurde mehrmals durch Gerichtsbeschlüsse, Polizeirazzien und IP-Blockaden auf der ganzen Welt abgeschaltet, hält Motherboard fest.

Verlockendes Angebot, zum perfekten Zeitpunkt

Die neuste App funktioniere «genauso gut wie frühere Versionen», sei kostenlos und die unbekannten Entwickler würden zudem die User auffordern, virtuelle private Netzwerke (VPN) zu benutzen. Dadurch wolle man vermeiden, dass die Nutzung von den Internet-Providern erkannt werde.

«Die App ist zu einem Zeitpunkt veröffentlicht worden, als viele auf der ganzen Welt unter Quarantäne stehen, und sie kommt auch zu einer Zeit, in der die Piraterie generell immer beliebter wird. Andere Open-Source-Versionen von Popcorn Time sind derzeit ebenfalls aktiv.»

quelle: vice.com

Kommt hinzu, dass über die App brandneue Kinofilme und Serien verfügbar seien, darunter «Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers», «Joker» und «Sonic the Hedgehog» sowie die neuen Staffeln von «Westworld» und «Better Call Saul».

Die weltweiten Datennetze sind schon durch legale Streaming-Dienste relativ stark beansprucht: Laut Swisscom drohen aber keine Ausfälle beim Surfen. Kapazitätsengpässe gebe es nur bei der Telefonie (Mobil- und Festnetz).

Was sind die Alternativen?

Quellen

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Was du im Internet legal herunterladen darfst – und was definitiv nicht

Von wegen Netflix & Chill! So sieht es in Wirklichkeit aus

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

18 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Kiro Striked
18.03.2020 19:55registriert August 2019
Und am Ende heulen die 6 Billionen Streaming Dienste, dass die Leute lieber Piraten, anstatt 10'000 Abos von 5-17.- monatlich zu haben.
784
Melden
Zum Kommentar
Swen Goldpreis
18.03.2020 17:45registriert April 2019
Wieso ist bei einem VPN keine Anonymität gewährt? Man darf halt einfach keinen US-Anbieter wie HIDE MY ASS verwenden, da diese Verbindungsprotokolle aufzeichnen und diese an die US-Behörden weitergeben.
In diesem Fall würde ich tatsächlich chinesische VPNs empfehlen, da hier die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass Daten weitergegeben werden.
Und nebenbei: Die meisten von uns haben irgendwo noch einen alten Computer rumstehen, auf dem sie die App gefahrlos testen können. Einfach nicht mit dem Rest verbinden.
6715
Melden
Zum Kommentar
yey
18.03.2020 19:12registriert August 2018
Geht es hier nur um die Warnung wegen der fehlenden Verifizierung des Entwicklers?
Ich kann euch sagen, diese Warnung werdet ihr noch eine Zeitlang bei vielen macOS Apps sehen. Apple verlangt immer weiterführende Verifikationsprozesse bei einer Distribution ausserhalb des App Stores. Eine Übergangsfrist für die neue Notarisation ist eben ausgelaufen.
Das ist zwar gut für die Sicherheit, aber viele Produkthersteller fühlen sich mittlerweile gegängelt. Man sieht nicht ein, warum man für die kleine macOS Welt einen so hohen Zusatzaufwand treiben muss, denn der Desktop Market share ist bescheiden.
542
Melden
Zum Kommentar
18

Undercover-Journalist infiltriert Netzwerk von Schweizer Corona-Verschwörern

Ein junger Westschweizer Journalist verbrachte zwei Monate «undercover» bei einer Gruppierung, die gegen das Maskentragen und die SwissCovid-App kämpft. Seine Enthüllungen werfen unbequeme Fragen auf.

Dieser Beitrag dreht sich um die Enthüllungen eines jungen Westschweizer Journalisten, der eine Gruppe von Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern in der Romandie «infiltriert» hat. Dies im Auftrag des Westschweizer Online-Mediums Heidi.news, das nun in einer Serie über die Akteure und ihre beunruhigenden Ansichten berichtet.

Die Pandemie war geplant. Das Virus existiert nicht. Alles eine riesige Verschwörung, in Kombination mit 5G und obligatorischen Impfungen, um die Bevölkerung zu …

Artikel lesen
Link zum Artikel