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LG startet seine Smartphone-Sparte neu – und das Resultat sieht verdammt gut aus

Im Kampf um die Smartphone-Krone hat LG schon lange den Anschluss verloren. Nun wirft der Konzern seine gesamte Smartphone-Sparte über den Haufen und drückt auf Neustart. Am Mittwoch hat der Hersteller das erste Gerät vorgestellt, das LGs neue Smartphone-Ära begründen soll.



LG, das ist dieser andere Elektronikkonzern aus Südkorea. Bekannt und erfolgreich ist er bei uns vor allem durch Fernseher. Anders sieht es bei der Smartphone-Sparte aus. In der Schweiz jemanden zu finden, der ein LG-Handy hat, ist heutzutage fast unmöglich. Viel lieber greifen die Schweizer Nutzer zu den Modellen des grossen Konkurrenten Samsung.

Noch 2015 sah das anders aus. LG hatte mit dem G4 gerade sein neustes Flaggschiff vorgestellt und wurde von Kritikern mit Lob überhäuft. Im US-Markt, wo LG seit jeher stark vertreten war, schien sogar der Griff nach der Smartphone-Krone möglich. Doch in den folgenden Jahren konnte LG nicht an den Erfolg des G4 anknüpfen.

LG G4 Smartphone

Ein Bild aus besseren Zeiten: das LG G4 von 2015. Bild: LG

Das lag sicher auch daran, dass LG Risiken einging, die sich nicht ausgezahlt haben. So hat man mit dem G5 ein Smartphone vorgestellt, das teilweise modular war. Man konnte beispielsweise den Akku austauschen und das, obwohl das Gehäuse aus Metall war.

Auch der Versuch, mit dem LG Flex ein Smartphone mit gekrümmten Display einzuführen, ist gescheitert. Zwar erschien 2015 mit dem LG Flex 2 noch ein Nachfolger, danach war es aber vorbei mit dem Experiment. Da dürfte es nur ein kleiner Trost gewesen sein, dass auch Samsung mit seinem Galaxy Round scheiterte.

LG G Flex 2

Das gebogene LG G Flex 2. Bild: LG

Zu wenig sexy und komplizierte Modellnamen

Dennoch bewies LG immer wieder Innovationsgeist, was von der breiten Masse aber meist unbemerkt blieb. So war es beispielsweise LG, das bereits 2016 eine Ultraweitwinkellinse in seinem Flaggschiff verbaute. Damit war der Konzern schneller als die grossen drei Hersteller, die teilweise erst zwei, drei Jahre später eine Ultraweitwinkellinse verbauten. Heute sind diese Linsen ein Feature, das in fast jedem neuen Smartphone zu finden ist.

LG G5 Handy

Das LG G5 von 2016 war nicht nur modular, sondern hatte auch eine zweite Linse verbaut. Diese erlaubte Fotos mit einem Aufnahmewinkel von 135 Grad. Bild: LG

Doch tolle Features nützen nur wenig, wenn die Smartphones keine Emotionen auslösen. Während LG früher optisch noch eigene Wege gegangen war – wir erinnern uns an das G4 mit Lederrückseite – wurden die Smartphones in den letzten vier Jahren zusehends langweiliger. Es schien fast so, als wolle man wegen des Abwärtstrends, den die Smartphone-Sparte eingeschlagen hatte, keine Design-Experimente mehr wagen.

LG G4 Lederedition

Das LG G4 in der Lederedition. Bild: LG

Keinen Gefallen hat sich LG auch bei der Benennung seiner neuen Modelle gemacht. Plötzlich trugen die Handys Namen wie LG G8X ThinQ oder LG V30 ThinQ 5G. Für den durchschnittlichen User dürfte das eher für Verwirrung gesorgt denn geholfen haben. Zum einen waren die Namen schlicht zu kompliziert, zum anderen war aber auch immer weniger klar, welches Smartphone von LG denn nun das Flaggschiff ist.

LG G8s ThinQ

Nebst dem LG G8X ThinQ gibt es auch noch das LG G8s ThinQ. bild: lg

LG startet seine Smartphone-Sparte neu

Inzwischen scheint man auch bei LG zu diesem Schluss gekommen zu sein. Um die Marke wieder sexy zu machen, hat der Konzern seine Smartphone-Linie gründlich überarbeitet. Nicht nur optisch sollen die Geräte interessanter werden, sondern auch beim Branding.

Von LGs bisherigen Smartphone-Reihen bleibt nur die K-Serie bestehen – alle anderen zukünftigen Geräte werden neue Namen erhalten. Damit dürfte also nicht nur die G-Serie Geschichte sein, sondern auch Zungenbrecher wie das LG V40 ThinQ.

Den Startschuss für LGs Neuanfang macht das LG Velvet. Das Gerät wurde bereits im Mai in Südkorea vorgestellt und kommt nun auch offiziell nach Europa. Das teilte LG am Mittwoch bei der virtuellen Europapräsentation mit.

LG Velvet

Das neue LG Velvet. Bild: LG

LG Velvet für die Design-orientierte Zielgruppe

Gleich wenn man das LG Velvet das erste Mal sieht, merkt man, dass LG hier definitiv eine Kehrtwende geschafft hat – zumindest optisch. Das Gerät hebt sich nicht nur deutlich von den bisherigen LG-Modellen ab, sondern im Bereich des Kamera-Designs auch von der Konkurrenz. Während Samsung, Apple oder Huawei auf Kameramodule in «Herdplattenoptik» setzen, hat LG versucht, einen anderen Weg zu gehen. So sollen die Kameralinsen mit dem LED-Licht an eine Tropfenform erinnern. In Marketingsprache nennt sich das dann «Raindrop-Camera».

Die Designs der Kameramodule aktueller Smartphones im Vergleich zum LG Velvet:

LG Velvet Kameravergleich

Obere Reihe: Apple iPhone 11 Pro Max, Samsung Galaxy S20 Ultra, LG Velvet.
Untere Reihe: Nokia 7.2, Huawei P40 Pro, Xiaomi Mi 10 Pro.
Bild: Apple/Samsung/LG/HMD Global/Huawei/Xiaomi

Auf der Vorder- und Rückseite habe man die Kanten exakt gleich fest abgerundet, um eine symmetrische Silhouette zu erhalten. Nebst schwarz und weiss kommt das Gerät – zumindest in Südkorea – auch noch in Rot und Grün daher. Ansprechen will LG damit die Design- und Mode-orientierte Zielgruppe, die in ihren 20er- und 30ern sind.

Ein grosses Vorhaben, denn damit legt man sich mit niemand geringerem als Apple an. Das iPhone dürfte noch immer bei vielen Mode-orientierten Personen die erste Wahl sein.

3D-Audio, 5G und Stylus-Unterstützung

Technisch ist das LG Velvet am ehesten in der oberen Mittelklasse einzuordnen und bringt alles mit, was man von einem modernen Smartphone erwartet:

Hervorheben möchte LG sich vor allem bei der Audioqualität. Hier habe man unter anderem mit der TV-Abteilung zusammengearbeitet, um beispielsweise das 3D-Audiosystem der LG-Fernseher ins Velvet zu integrieren. Bei diesem System soll eine künstliche Intelligenz Audioinhalte in Echtzeit analysieren und automatisch optimieren. Dazu greift die AI auf eine Referenzbibliothek von 17 Millionen Sounds zurück.

LG Velvet

Bild: LG

Ebenfalls ein Alleinstellungsmerkmal ist die Zusammenarbeit mit dem Grafiktablethersteller Wacom. So ist nun das Dual-Case, das auch für das LG Velvet erhältlich sein wird, mit einem Wacom-Stift der Bamboo-Linie kompatibel. Steckt man das LG Velvet also in ein Dual-Case, hat man nicht nur zwei Bildschirme, sondern auch ein kleines Grafiktablet. Wie praktikabel das wirklich ist, muss sich aber erst noch zeigen. Zumindest unterstützt der Stift 4096 Druckstufen und einen Neigungswinkel von 60 Grad. Mit einer Batterieladung soll der Stift 18 Monate nutzbar sein.

Farben, Preis, Schweizstart

Obwohl das LG Velvet in Südkorea auch in Rot oder Grün angeboten wird, müssen wir in Europa vorläufig auf diese Farben verzichten. Hier gibt es das Gerät nur in «Aurora Weiss» und «Aurora Schwarz».

LG Velvet

Bild: LG

LG Velvet

Bild: LG

Auch zum Schweizer Preis macht LG aktuell noch keine Angaben. In Südkorea wurde das Gerät zum Start im Mai für umgerechnet 703 Franken verkauft, was von vielen Kritikern als zu teuer erachtet wurde. Das könnte ein Grund sein, weshalb das Gerät für den deutschen Markt um einiges günstiger angekündigt wurde. Dort soll es zum Verkaufsstart 599 Euro kosten, dazu gibt's noch kabellose Kopfhörer gratis. Wir dürften davon ausgehen, dass LG für die Schweiz einen ähnlichen Preis nennen wird. Ob es auch hierzulande ein Bundle mit Kopfhörern geben wird, ist aktuell noch unklar.

Während das LG Velvet in Deutschland im Verlauf des Juli erhältlich sein soll, nannte uns LG für die Schweiz den 29. Juni als Verkaufsstart. Allerdings hat man betont, dass dies nur ein vorläufiges Datum sei und sich wegen der aktuellen Situation noch ändern könne.

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29 Kommentare
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SeineEminenz
17.06.2020 21:45registriert February 2018
Hab selber ein V30. Hält sich nach 2 Jahren immernoch super.
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