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Jitsi Meet ist die datenschutzfreundliche Open-Source-Alternative zu Zoom, Skype, Teams und Co. bild: switch.ch

So einfach machst du ohne Skype und Zoom sichere Video-Meetings

Schweizer Skype- und Zoom-Alternativen schiessen wie Pilze aus dem Boden. Möglich macht dies die frei verfügbare Open-Source-Software Jitsi Meet. Andere Schweizer Firmen haben ihren Videomeeting-Dienst selbst entwickelt. Ein Überblick.



Skype kennt jeder. Von Zoom und seinen mannigfachen Sicherheitsproblemen hast du vermutlich schon gehört. Aber Jitisi Meet? Veeting Rooms? Wizard Live?

Jitsi Meet ist eine einfach zu nutzende Open-Source-Software, die Videokonferenzen mit einem oder mehreren Teilnehmern ermöglicht. Für die Online-Meetings im Browser oder per App ist kein Konto notwendig. Und wie mit Zoom und Skype kann man den eigenen Bildschirm (Desktop, einzelnes Fenster oder Browser-Tab) freigeben, um anderen Teilnehmern Inhalte zu zeigen. Auch eine Text-Chat-Funktion ist integriert.

In der Schweiz gibt es gleich mehrere Anbieter, die auf ihrer Webseite kostenlos Video-Meetings per Jitsi Meet ermöglichen. Vor allem Internet- und Hosting-Provider offerieren Jitsi-Videkonferenzen teils seit Beginn der Corona-Pandemie auf den eigenen Servern in der Schweiz – wohl nicht zuletzt aus Marketinggründen. Sie positionieren sich so als datenschutzfreundliche Alternative zu US-Konzernen wie Microsoft, Google oder Zoom. Letzterer verzeichnete vor der Coronakrise 10 Millionen Video-Meetings pro Tag, nun sind es über 300 Millionen. Zoom ist der grosse Profiteur des Homeoffice-Booms, zahlreiche Sicherheits- und Datenschutzpannen haben aber zuletzt am Image gekratzt.

Wie funktioniert's?

Im Prinzip funktioniert Jitsi Meet wie jede moderne, webbasierte Videokonferenz-Anwendungen: Ein Klick auf einer beliebigen Jitsi-Meet-Webseite (Liste folgt) genügt, um ein Video-Meeting mit mehreren Teilnehmern direkt im Browser zu starten. Wie bei Zoom und Co. reicht es, den anderen Teilnehmern den Link zum Meeting und allenfalls das Passwort zukommen zu lassen.

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Switch ermöglicht Schweizer Hochschulen die Kommunikation via Jitsi Meet. bild: switch.ch

Bevor du loslegst, noch ein Hinweis: Jitsi Meet ist, wie die meisten Video-Konferenzlösungen, für Googles Chrome-Browser optimiert. Eine ideale Bildqualität erreicht man daher mit allen Chromium-kompatiblen Browsern wie Microsoft Edge, Brave, Vivaldi oder Opera. Alternativ zum Browser kann man die Anwendung für Windows, Mac, Linux, Android oder iOS installieren.

Jitsi Meet ist eigentlich selbsterklärend, wer dennoch eine Anleitung lesen oder als Video schauen möchte, findet sie hier.

Im Folgenden eine nicht abschliessende Liste Schweizer Jitsi-Meet-Anbieter:

Cyon

Hidora

Hostpoint

Hosttech

immerda.ch

Infomaniak

Der Schweizer Webhosting-Provider Infomaniak stellt auf der Basis von Jitsi Meet eigene Infomaniak-Meet Apps für Windows, Mac, Linux, Android und iOS zur Verfügung.

Init7

Stiftung Mercator

Switch

Auch Switch, die Betreiberin des Schweizer Wissenschaftsnetzes der Hochschulen, stellt den Bildungseinrichtungen und somit Zehntausenden Schülern, Studenten und Dozierenden mit Jitsi Meet eine datenschutzfreundliche Videokonferenz-Lösung zur Verfügung; auf Schweizer Servern und ohne Office365-Konto nutzbar.

Eine Liste der Schweizer Hochschuleinrichtungen, die Jitsi-Meet anbieten, ist auf switch.ch/meet abrufbar.

ungleich.ch

Du möchtest mehr Infos?

Hilfreiche Informationen für Jitsi-Neulinge findet man bei:

Eine Liste mit zahlreichen weiteren öffentlichen Jitsi-Meet-Anbietern findet sich auf Github.

Was man sonst noch wissen sollte:
Jitsi Meet eignet sich primär für Video-Meetings in kleinen Gruppen. Zoom hingegen stemmt auch Videokonferenzen mit Dutzenden oder Hunderten Teilnehmern und bietet den grösseren Funktionsumfang.

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Eine vollständige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist Stand heute in einfachen Videocall-Apps wie FaceTime, Signal oder WhatsApp möglich, bei komplexeren Videokonferenz-Apps mit weit mehr Funktionen aber schwieriger umzusetzen bzw. weniger praktikabel.
tabelle: freedom.press

Wie bei Zoom, Skype, Microsoft Teams oder Google Meet sind auch bei Jitsi Meet Videochats mit mehreren Teilnehmern nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt. Die Gespräche sind somit nur auf dem Transportweg, sprich unterwegs im Netz, gegen Lauschangriffe geschützt. Auf dem Server selbst sind die Daten vom Betreiber einsehbar. Wer einen fremden Jitsi-Meet-Server nutzt, muss also dem jeweiligen Anbieter vertrauen.

Daher gilt: Wer einen besonders hohen Sicherheitsbedarf hat (z.B. Geschäftsgeheimnisse), sollte darüber nachdenken, Jitsi Meet auf einem eigenen Server zu hosten. Die gute Nachricht: Wie Zoom arbeiten auch die Entwickler hinter dem Open-Source-Projekt Jitsi an einer durchgängigen Verschlüsselung.

Wer eine Schweizer Videokonferenz-Lösung sucht, die nicht auf Jitsi basiert, findet ebenfalls Lösungen. Zwei Beispiele:

Veeting Rooms

Es gibt auch Schweizer Unternehmen, die lange vor der Coronakrise eigene Videokonferenz-Lösungen, die nicht auf Jitsi basieren, entwickelt haben. Beispielsweise Veeting Rooms. Die Zürcher Start-up-Firma Veeting positioniert sich ähnlich wie Threema mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung als sichere Alternative zu den internationalen Anbietern.

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Veeting Rooms ermöglicht Unternehmen direkt im Browser verschlüsselte Online-Meetings. bild: Veeting

Die heimische Videokonferenz-Lösung ist seit 2014 auf dem Markt. Auch hier kann man ein Online-Meeting direkt im Browser starten. Webkonferenzen sind kostenpflichtig, doch während der Coronakrise stehen 30-minütige Sessions mit bis zu fünf Teilnehmern kostenfrei zur Verfügung.

Alle Daten würden ausschliesslich in Schweizer Datenzentren oder im eigenen Netzwerk von lokalen Vertriebspartnern oder Kunden gespeichert, schreibt Veeting. «Zudem bieten wir mit unseren Off-the-Record Meetingräumen auch echte Ende-zu-Ende verschlüsselte Meetingräume an», sagt Geschäftsführer Fabian Bernhard.

Aufgrund der laut Eigenaussage durchgängigen Verschlüsselung sowie der Datenspeicherung in der Schweiz wird Veeting Room primär von Finanz- und Beratungsunternehmen oder von Organisationen der Gesundheitsbranche genutzt.

Wizard Live

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Das Spital Bülach nutzt Wizard Live unter anderem zur Fernbetreuung von Patienten. bild: spital bülach

Die Schweizer Video-Software Wizard Live wurde ursprünglich für den Einsatz in der Finanzindustrie entwickelt, kommt nun aber auch in Spitälen zum Einsatz. In beiden Branchen ist die Datensicherheit oberstes Gebot.

Da in Krankenhäusern während der Corona-Pandemie ein Besuchsverbot herrscht, wird die Video-Lösung beispielsweise eingesetzt, um die Kommunikation zwischen Patienten und Angehörigen zu ermöglichen. «Mit der Screen-Sharing-Funktion kann ich meine Patienten trotz Distanz umfassend beraten und betreuen», sagt Waltraut Gut, Leiterin Diabetesberatung am Spital Bülach.

Wizard Live läuft direkt im Browser und ermöglicht laut Herstellerfirma Wizard Smart Solution aus Effretikon abhörsichere Videogespräche. Die Software sei in der Schweiz entwickelt worden und laufe auf Schweizer Servern. Nebst Krankenhäusern könne man sich den Einsatz auch in Altersheimen vorstellen.

Zuletzt noch dies: Viele Hersteller werben mit einer besonders sicheren Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Das heisst: Sämtliche übertragenen Informationen werden vom Sender verschlüsselt und erst wieder beim Empfänger entschlüsselt. In der Praxis ist damit aber oft nur eine «normale» Transportverschlüsselung gemeint. Zoom hat diesen Marketing-Trick genutzt (und ist aufgeflogen) und andere Hersteller dürften es ebenfalls tun. In solchen Fällen sind die Gespräche zwar gegen Lauschangriffe geschützt, die Anbieter der Software selbst könnten aber durchaus auf die Daten zugreifen.

Während eine richtige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Videocall-Apps wie FaceTime, WhatsApp, Signal oder Threema funktioniert, ist dies bei komplexeren Videokonferenz-Apps mit weit mehr Funktionen schwieriger umzusetzen bzw. auch weniger praktikabel. Gewisse Funktionen sind dann nicht mehr nutzbar.

Die Sicherheit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hängt zudem von mehreren Faktoren ab: Etwa von ihrer Implementierung und insbesondere vom verwendeten Schlüssel. Dieser muss lokal auf dem Endgerät des Nutzers erzeugt werden, damit auch der Software-Anbieter keinen Zugriff hat. Bei verschiedenen Diensten wird jedoch der Schlüssel zentral auf den Servern des Anbieters erzeugt und dann an die Endgeräte verteilt. Da der Anbieter in diesem Fall den Schlüssel kennt, könnte er den Datenverkehr entschlüsseln.

Wer auf höchste Sicherheit bedacht ist, sollte daher die Details der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung abklären (lassen).

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37 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Zat
03.05.2020 02:08registriert January 2016
Jetzt mal ehrlich, haben wirklich viele von Euch die Wahl, welches Videomeeting-Programm tatsächlich genutzt wird? Bei uns gibt der Arbeitgeber und die Schule alles vor, da haben wir keinen Einfluss darauf.
Einige der Vorgebenden sind dabei sehr schlecht informiert, was sie überhaupt nutzen, und ob sowas wie Verschlüsselung zu beachten wäre.
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yey
02.05.2020 16:25registriert August 2018
Jitsi, Veeting sowie Wizard Live basieren alle auf WebRTC.
Diese sehr umfangreiche Sammlung von Codecs, Verschlüsselung, Netzwerk- und andere Technologien wird massgeblich von Google, im weiteren aber auch von Apple, Microsoft und Mozilla vorangetrieben und bereitgestellt.
Von daher: Sorry, es gibt keine reine Schweizer Videokonferenzlösung.
Ende-zu-Ende Verschlüsselung von Videokonferenzen ist im übrigen erst mit der Chrome Betaversion 83 möglich.
Das "Veeting" schon seit 2016 mit Ende-zu-Ende Verschlüsselung in seien Konferenzen wirbt, stärkt nicht gerade mein Vertrauen
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