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Hildburghausen am MIttwochabend: Rund 400 Menschen, die meisten ohne Masken, ziehen singendl durch die Stadt in Deutschlands Corona-Hotspot Nummer 1. bild: telegram

Das ist Deutschlands Corona-Hotspot – und 400 Demonstranten ziehen singend durch die Stadt

Im Landkreis Hildburghausen mit Deutschlands höchster Infektionszahl gelten seit Mittwoch noch schärfere Regeln. Trotzdem zogen am Abend rund 400 Menschen singend durch die Kreisstadt. Nicht nur der Bürgermeister ist fassungslos.

Lars Wienand / t-online



Ein Artikel von

T-Online

In Hildburghausen im deutschen Bundesland Thüringen sind am Mittwoch bei einer nicht angemeldeten Kundgebung rund 400 Menschen singend durch die Stadt gezogen. Die Szenen lösen lokal und bundesweit Empörung und Unverständnis aus: Es ist der Kreis, in dem nach Zahlen des RKI das Coronavirus so um sich greift wie sonst nirgends. Er war deutschlandweit der erste, der die Sieben-Tage-Inzidenz von 527 Neuerkrankungen pro 100'000 Einwohnern durchbrochen hatte, auf der Karte des RKI musste dafür mit Rosa eine neue Farbe eingeführt werden. Seit Mittwoch gilt dort eigentlich eine strenge Verordnung, jeden physischen Kontakt ausserhalb der Angehörigen des eigenen Haushalts auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren.

Bilder und Videos des Umzugs der «Oh wie ist das schön» singenden Menschen verbreiteten sich schnell in sozialen Netzwerken. Ordnungsamt und Polizei waren im Einsatz, die Polizei dem MDR zufolge mit 40 Beamten. Sie hielten sich nach Berichten von Augenzeugen im Hintergrund. Die Menschen hatten sich auf dem Marktplatz der Stadt getroffen und waren dann geschlossen losgezogen, überwiegend ohne Abstand und Masken.

Hildburghausens Bürgermeister Tilo Kummer (Die Linke) zeigte sich auf Facebook «fassungslos». Er schrieb: «Was muss denn noch passieren, bis manche den Ernst der Lage begreifen? Ganze Kitas, Schulen, Rettungswachen, Feuerwehren mussten bereits in Quarantäne. Etliche Menschen, vor allem aus betroffenen Pflegeheimen, kämpfen aktuell in unserem Kreis um ihr Leben.» Er hoffe, dass das «Handeln der anwesenden Polizisten bald dazu [führt], dass diese 'Spaziergänge' ein Ende haben.» In den Kommentaren schrieben Nutzer überwiegend aus Hildburghausen, sie schämten sich erstmals, aus der Stadt zu sein.

Eine Twitter-Nutzerin, offenbar Lehrerin im Landkreis Hildburghausen, äusserte sich erschüttert: «Kann sich jemand vorstellen, wie wütend ich bin? Von solchen 'besorgten Eltern' habe ich morgen vielleicht die Kinder in der Notbetreuung sitzen. Es ist so schlimm für mich gerade. Ich werde hier nix mehr positiv verändern können.»

Thüringens Kulturminister und Staatskanzleichef Benjamin-Immanuel Hoff kam gerade aus der Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zu neuen Verschärfungen, als er von der Kundgebung erfuhr. Sein Kommentar auf Twitter: «Dass im Landkreis mit den höchsten Inzidenzwerten bekannte Rechtsextreme als 'besorgte Eltern' getarnt durch Hildburghausen marschieren ist unerträglich anzusehen.»

Unter anderem der frühere NPD-Politiker Tommy Frenck hatten offensichtlich begeistert etliche Fotos und Videos gepostet. Frenck, der als Gastronom in Hildburghausen «Führerschnitzel» für 8.88 Euro angeboten hatte, schrieb, das öffentliche Leben müsse «endlich wieder hochgefahren» werden. 

Schulen und Kitas sind wegen der hohen Inzidenzzahlen in Hildburghausen seit Mittwoch geschlossen. Landrat Thomas Müller (CDU) hat für den starken Anstieg einerseits die Nachbarschaft zu Bayern verantwortlich gemacht, wo vor einigen Wochen schon relativ hohe Corona-Infektionszahlen gemessen wurden. Zudem hätten sich bei zwei genehmigten privaten Veranstaltungen im Landkreis  sehr viele Menschen angesteckt. Infektionen seien inzwischen nicht mehr Quellen zuzuordnen. 

Verwendete Quellen:

16-Jähriger an einer Corona-Demo:

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