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Frankfurter Gleisattacke – Täter muss in die Psychiatrie



29.07.2019, Hessen, Frankfurt/Main: Polizisten und Feuerwehrleute spannen im Hauptbahnhof eine weisse Plane als Sichtschutz vor einen ICE. Ein achtjaehriger Junge ist im Frankfurter Hauptbahnhof von einem Mann vor den einfahrenden ICE gestossen und getoetet worden. Ein Tatverdaechtiger wurde festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Der Mann soll auch die Mutter des Jungen ins Gleisbett gestossen und es bei einer weiteren Person versucht haben. (KEYSTONE/DPA/Andreas Arnold)

Schreckliche Tat: Der Tatort im Frankfurter Bahnhof. Bild: DPA

In Deutschland muss im Fall der tödlichen Gleisattacke am Frankfurter Hauptbahnhof der Täter dauerhaft in eine Psychiatrie.

Laut dem Urteil des Frankfurter Landgerichts vom Freitag ist der heute 41-Jährige schuldunfähig. Der Mann hatte im Juli 2019 eine ihm unbekannte Frau und ihren Sohn vor einen einfahrenden ICE-Zug gestossen. Der Achtjährige kam ums Leben, die Frau konnte sich in letzter Sekunde retten. Der Fall sorgte bundesweit für Entsetzen. Das Gericht wertete die Tat als Mord und im Fall der Mutter als versuchten Mord.

Der Angreifer, ein anerkannter Flüchtling aus Eritrea, hatte jahrelang in der Schweiz gelebt und war erst wenige Tage zuvor nach Frankfurt gekommen. Nach der Attacke ergriff er die Flucht. Doch Passanten verfolgten ihn und er konnte ausserhalb des Bahnhofs festgenommen werden. Später wurde der dreifache Familienvater in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.

Im Gerichtsverfahren ging aus dem psychiatrischen Gutachten hervor, dass der Täter eine Gefahr für die Allgemeinheit sei. «Er hat völlig fremde Menschen attackiert», erklärte der Sachverständige. Somit seien auch künftige Opferkreise «völlig unvorhersehbar.»

Nach Einschätzung des Experten ist der Mann schuldunfähig. Zweifellos habe zum Tatzeitpunkt eine paranoide Schizophrenie in akuter Form vorgelegen, hiess es. Der Oberarzt in der Psychiatrie, in der sich der Beschuldigte aktuell aufhält, berichtete, der Mann habe sich im jenen Zeitraum verwirrt und computergesteuert gefühlt.

Mit Spannung war erwartet worden, ob die Richter die Tat für einen Totschlag oder Mord halten. Also ob das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt ist, wie es die Nebenklage sieht. Die Staatsanwaltschaft hatte im Fall von Mutter und Sohn dagegen auf Totschlag und versuchten Totschlag plädiert. (sda/dpa)

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6 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Maracuja
28.08.2020 13:43registriert February 2016
< Zweifellos habe zum Tatzeitpunkt eine paranoide Schizophrenie in akuter Form vorgelegen>
Der Täter war vor der Tat in psychiatrischer Behandlung im Kanton Zürich und deswegen krankgeschrieben. Hat man in Zürich die gleiche Diagnose gestellt? Falls ja, weshalb war er nicht in stationärer Behandlung?
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MaximaPoena
28.08.2020 17:16registriert July 2020
Die Therapie findet in Deutschland statt, meinetwegen. In der Schweiz wäre ich aber nicht der Meinung, dass wir Unsummen in dieses Individuum investieren sollten: Der Aufenthalt in der Sicherheitsabteilung einer forensischen Psychiatrie kostet den Steuerzahler bis zu 1900 Franken. Pro Tag. Abhängig von der Definition von "dauerhaft" in Bezug auf die Unterbringung und einer erwarteten Lebensdauer von weiteren 30 Jahren (der Täter ist 41), sprengen wir die 20-Millionen-Grenze.
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