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Türkei startet Offensive gegen Kurden in Syrien

Neue Eskalation im Syrien-Krieg: Präsident Erdogan steckt in der Zwickmühle

Für die Türkei ist es eine neue Stufe der Eskalation. Die Rebellen in Idlib werden zurückgedrängt, bislang starben bei Assads Offensive sieben türkische Soldaten. Erdogan muss reagieren, steckt aber in der Zwickmühle.

Patrick Diekmann / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Ein langes Zischen, ein Knall. Im nächsten Moment ist ein grosser Feuerball am Himmel zu sehen, viele kleine Metallteile fallen in Richtung Erde. Diese Bilder aus Syrien werden am Dienstag tausendfach in den sozialen Medien geteilt. In der Provinz  Idlib , im Norden des Landes, wird ein Hubschrauber von einer Rakete getroffen. Zunächst zieht er eine Zeit lang einen grossen Feuerschweif hinter sich her, dann stürzt er ab. Der Helikopter gehört offenbar zu den Truppen des syrischen Regimes von Machthaber  Baschar al-Assad , zwei Menschen an Bord sterben. Offenbar habe eine türkische Rakete den Helikopter abgeschossen, wird die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte Stunden später berichten. 

Die Szene im Video:

abspielen

Video: YouTube/The Telegraph

Der Krieg in Syrien spitzt sich seit Beginn der Offensive des Assad-Regimes weiter zu. Die syrische Armee kämpft mit der Untersützung von Russland und dem Iran gegen meist islamistische Rebellengruppen und die Türkei . Assads Truppen gewinnen immer weiter an Boden, die russische und syrische Luftwaffe legen ganze Häuserblocks in Schutt und Asche. Videos davon laufen im syrischen Fernsehen oder werden von russischen Medien auf YouTube veröffentlicht. Die kompromisslosen Angriffe sollen vor allem eines deutlich machen: Assad und  Russland  möchten auch die letzte grosse Rebellenregion im Land zurückerobern, koste es, was es wolle. Auf der anderen Seite kann die Türkei die Schaffung von Tatsachen durch das Militär eigentlich nicht akzeptieren.

Es droht eine völlige Eskalation des Krieges. 

Erdogans Plan ist gescheitert

Gründe dafür gibt es für beide Parteien immer mehr: In der Rebellenprovinz geraten beispielsweise auch immer öfter türkische Soldaten in die Schusslinie, ihre Stützpunkte werden umzingelt und von Nachschublinien abgeschnitten. Bei einem Beschuss durch die syrische Armee starben sieben türkische Soldaten, eine neue Eskalationsstufe aus der Sicht Ankaras. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist wütend, die Türkei sieht sich als Schutzmacht der Rebellengruppen in der Region und wird gleichzeitig mit hunderttausenden neuen Flüchtlingen konfrontiert, die in Richtung türkisch-syrischer Grenze strömen.

Aber vor allem für die Türkei wäre die völlige Einnahme von Idlib ein massiver aussenpolitischer Gesichtsverlust. Deshalb drohte Erdogan bei einer Rede am Mittwoch dem syrischen Regime mit massiver Vergeltung, sollten weitere türkische Soldaten zu Schaden kommen. Wenn den türkischen Soldaten «auch nur der kleinste Schaden zugefügt wird, dann werden wir ab heute die Kräfte des Regimes überall angreifen, ohne an Idlib oder die Grenzen des Sotschi-Abkommens gebunden zu sein», sagte Erdogan vor Mitgliedern seiner Regierungspartei AKP.

Bild

Bild: t-online

Erdogans Hinweis auf das Sotschi-Abkommen bezieht sich auf eine Einigung zwischen der Türkei und Russland als Schutzmacht Syriens. Damit sollte unter anderem in Idlib eine Deeskalationszone entstehen. Die Türkei richtete dort daraufhin Beobachtungsposten ein. Dennoch begann das syrische Militär mit einer Offensive auf Idlib.

Und das will die Türkei nicht akzeptieren. Erdogan drohte bereits mit einem Einstieg der Türkei in den syrischen Bürgerkrieg über die Grenzen der nördlichen Provinzen hinaus. Der türkische Präsident sieht nur diesen Ausweg, will mit der Drohung den Vormarsch der Assad-Truppen stoppen. Seit Tagen werden hunderte Panzer der türkischen Armee nach Idlib verlegt, Soldaten errichten neue Beobachtungsposten. Die Wahrscheinlichkeit, dass in dem Bombenchaos wieder türkische Soldaten zu Schaden kommen, ist nicht unwahrscheinlich. Und dann?

Turkish military convoy is seen near the town of Idlib, Syria, Wednesday, Feb. 12, 2020. Turkish President Recep Tayyip Erdogan said Wednesday that Turkey will attack government forces anywhere in Syria if another Turkish soldier is injured. (AP Photo/Ghaith Alsayed)

Ein türkischer Militärkonvoi in der Provinz Idlib. Bild: AP

Putin handelt kompromisslos

Das macht die aktuelle Situation gefährlich. Der Plan Erdogans, mit türkischen Beobachtungsposten die syrische Armee von einem Angriff auf Idlib abzuhalten, ist gescheitert. Die syrische Armee umzingelte sie oder ihre Truppen gingen einfach daran vorbei, ohne sie anzugreifen. Nun hat die türkische Administration nur noch die Wahl zwischen einem Rückzug und einer völligen Eskalation des bewaffneten Konfliktes mit dem syrischen Regime und Russland. Erdogan steckt in der Zwickmühle, er möchte den Vorstoss von Assad aufhalten und gleichzeitig seine guten Beziehung zum russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht aufs Spiel setzen. 

Das betonte er Anfang Februar in einer Rede. Die Türkei hat sich in den letzten Jahren Russland angenähert, Erdogan versucht eine Schaukelpolitik zwischen der Türkei als Nato-Mitglied und einer Allianz mit Putin. Diese Politik führte zu Abhängigkeiten, die der Türkei in Syrien nun auf die Füsse fallen. So kaufte Ankara von Russland Luftverteidigungssysteme vom Typ S-400 – gegen alle Widerstände aus Washington. Der russische Konzern Rosatom baut in Akkuyu das erste Kernkraftwerk der Türkei. Erdogan und Putin eröffneten vor wenigen Wochen die neue Pipeline Turk Stream, die russisches Gas in die Türkei und nach Südosteuropa befördern soll.

epa07712459 QUALITY REPEAT ....A handout photo made available by Turkish Defence Ministry press office shows Russian military cargo planes carrying some part of the Russian S-400 anti-aircraft missile system purchased from Russia after arriving to Turkey at the Akincilar airbase in Ankara, Turkey, 12 July 2019.  NATO intended to stop Turkey from purchasing S-400 missiles from Russia, and recommended to rather buy US-made systems. Washington threatened to sanction Turkey and expel it from its F-35 fifth-generation fighter jet program.  EPA/TURKISH DEFENCE MINISTRY HANDOUT ATTENTION: Repeating image epa07712330 after obtaining a higher resolution image (RESEND) HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Hier werden Teile des russischen S-400-Systems in Akincilar (Türkei) entladen, 12. Juli 2019. Bild: EPA

Deshalb reagierte der türkische Präsident zunächst vorsichtig auf die Offensive der syrischen Armee. Putin dagegen agiert in Syrien aus einer Position der militärischen Stärke heraus kompromisslos. Russland will, dass Assad die völlige Kontrolle über ganz Syrien zurückerhält, damit die russische Administration wiederum völlige Kontrolle über Assad ausüben kann. Denn auch der syrische Machthaber ist vom Wohlwollen Moskaus abhängig. 

Schwierige Entscheidung für die türkische Regierung

Für Russland ist das Sotschi-Abkommen lediglich ein Feigenblatt, zumindest Assad machte nie ein Geheimnis daraus, auch Idlib angreifen zu wollen. Den Grund für den Angriff hat man sich in Moskau und Damaskus von vornherein zurechtgelegt: Terrorismusbekämpfung.

Der Kreml hält Ankara vor, es sei der im Sotschi-Abkommen vereinbarten «Neutralisierung von Terroristen» nicht nachgekommen. Diese «Terrorgruppen» verübten von Idlib aus Angriffe auf die syrischen Streitkräfte und verhielten sich «aggressiv gegenüber russischen militärischen Stellungen», sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Dies sei «inakzeptabel und ein Verstoss gegen die Sotschi-Abkommen».

Dominiert wird die letzte grosse Rebellenhochburg Idlib von der Al-Kaida-nahen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS). Dort kämpfen aber auch moderatere Regierungsgegner. 

FILE - This Monday, Aug 20, 2018 photo provided by the al-Qaida-affiliated Ibaa News Network, shows fighters of the al-Qaida-linked coalition known as Hay'at Tahrir al-Sham, Arabic for Levant Liberation Committee, training in Idlib province, Syria. Al-Qaida-linked militants launched attacks early Saturday, April 27, 2019 on government forces positions in northern Syria killing and wounding dozens in the latest violation of a seven-month truce in the last major rebel stronghold in the country. The caption in Arabic reads:

Kämpfer der Dschihadisten-Miliz Tahrir al-Scham (Archivbild). Bild: AP/Ibaa News Agency

Drohungen, die dieser Tage immer wieder aus Ankara kommen, werden weder von Putin noch von Assad wirklich ernst genommen. Das Aussenministerium in Damaskus erklärte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana, Erdogan habe den «Realitätsbezug» verloren. Die Bemerkungen des türkischen Präsidenten seien «inhaltsleer». Russland und das Assad-Regime glauben nicht, dass hinter den Muskelspielen des türkischen Präsidenten auch ein militärischer Wille steht. 

Das Sotschi-Abkommen ist also nur noch ein Geist, denn Russland, Assad und der Iran schaffen militärische Tatsachen. Erdogan und Putin telefonieren viel, aber das ändert nichts an der gegenwärtigen Situation im syrischen Bürgerkrieg. Am Ende ist es die Entscheidung des türkischen Präsidenten, ob er die Türkei in einen verlustreichen und teuren Krieg führt oder sich zurückzieht und seinem Gegner Assad das Land überlasst. Aktuell schickt er zwar hunderte Panzer über die Grenze, aber die werden nicht ausreichen, um die Offensive von Assad zu stoppen. Dafür müssten vor allem die russischen und syrischen Luftangriffe unterbunden werden.

EU und USA überlassen Syrien Putin und Erdogan

Und während in Idlib weiter gebombt wird, schaut der Westen der neuen Zuspitzung im Syrien-Konflikt lediglich zu. Es wird deutlich, dass vor allem die USA das Interesse an Syrien komplett verloren haben. Von der Europäischen Union und der Nato gibt es die üblichen Warnungen und die Forderung, die Kämpfe zu beenden, beispielsweise von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg oder vom deutschen Aussenminister Heiko Maas.

Doch Syrien ist nicht mehr so stark im Fokus wie die letzten Jahre. Die EU teilt in der Syrien-Politik lediglich die Sorge vor neuen Flüchtlingen: Bei den Kämpfen in Idlib wurden hunderte Zivilisten getötet, fast 700'000 Menschen wurden nach UN-Angaben vertrieben und sind auf der Flucht. Doch von der internationalen Gemeinschaft sind lediglich leise Mahnungen und Warnungen zu hören. Die EU und die USA scheinen die Realitäten in Syrien akzeptiert zu haben. Man überlässt das Spielfeld Putin, Assad und Erdogan.

Syrian civilians flee from Idlib in rain toward the north to find safety inside Syria near the border with Turkey, Thursday, Feb. 13, 2020. Syrian troops are waging an offensive in the last rebel stronghold according to news reports by a Turkish news agency.( AP Photo)

Syrische Zivilisten fliehen aus der Provinz Idlib. Bild: AP

Das verärgerte wenige Tage vor Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz deren Chef Wolfgang Ischinger. «Wir haben mehr Krisen und grauenhafte Vorgänge, als man sich das vorstellen kann», sagte Ischinger am Montag in Berlin. Er konstatierte unter anderem ein «unverzeihliches Versagen der Staatengemeinschaft in Syrien». Besonders von der Europäischen Union zeigte sich Ischinger enttäuscht. Diese habe in neun Jahren in Syrien «keinen einzigen Versuch» unternommen, die beteiligten Seiten an einen Tisch zu bringen und einen Friedensprozess zu starten. Dies sei eine «Verantwortungslosigkeit erster Klasse der Europäischen Union und all ihrer Mitgliedsstaaten».

Syrien-Krieg Thema auf der Sicherheitskonferenz

Auch Deutschland müsse eine noch stärkere Rolle in der Welt spielen, sagte Ischinger. Zwar hätten verschiedene Politiker gefordert, dass die Bundesrepublik «mehr Verantwortung übernehmen» solle. Dies drohe jedoch zu einer «leeren Worthülse» zu werden. Deutschland habe seine aussenpolitischen Aktivitäten zwar verstärkt, die Diskussion darüber gehe aber «nicht schnell genug und nicht weit genug».

Bei der Sicherheitskonferenz in München wird von Freitag bis Sonntag auch wieder über Syrien gesprochen werden. Aber für einen nachhaltigen Dialog, der auch etwas verändern kann, braucht es politischen Willen, der kommt aktuell weder von US-Präsident Donald Trump , noch von den Staats- und Regierungschefs der EU.

Trotz des jahrelangen Bürgerkrieges scheinen sich die europäischen und US-Vertreter mit dem Verbleib Assads arrangiert zu haben. Hauptsache der Krieg ist bald zu Ende. Aber ob es wirklich zu einem Kriegsende kommen könnte, liegt nun in der Hand von Erdogan.

Verwendete Quellen:

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73
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    Alle Leser-Kommentare
  • pacoSVQ 14.02.2020 20:55
    Highlight Highlight Es wäre mir so egal, ob türkische Kräfte in Syrien aufgerieben würden, wären sie doch nur kein NATO-Mitglied.. Übrigens: Wieso ist ein Land das islamistische Rebellen offiziell unterstützt und am liebsten einen Völkermord an den Kurden begehen würde, immernoch in der NATO?
    • pacoSVQ 14.02.2020 21:04
      Highlight Highlight Mein Kommentar bezieht sich natürlich auf die türkische Regierung und deren Anhänger, nicht auf Türken per se.
    • So oder so 14.02.2020 22:23
      Highlight Highlight Die sind wegen ihrer Strategischen Lage in der Nato, aber auch nur darum.
  • no-limit 14.02.2020 14:03
    Highlight Highlight Erdogen, es ist Zeit abzutreten. Das Land braucht zukunftsorientierte Politiker und keine rückständige Kriegswütige !
  • Do not lie to mE 14.02.2020 09:54
    Highlight Highlight Meine Meinung
    - Hält illegal 3 Länder besetzt
    - IS Terrororganisation als frühere Geschäftspartner
    - Mitglied der Muslimbruderschaft Terrororganisation
    - Entführung von politischen Gegnern
    - Erpressung der EU mit Flüchtlinge
    - Diebstahl: Plünderung der gesamten Fabriken in Aleppo
    - Lieferung von Giftgas ( Aufdeckung bei Journalisten Can Dündar und Erdem Gül)
    - Aushöhlung der Demokratie/Presse Freiheit
    - Umwandlung in eine islamische Autokratie
    - Korruption: Ist Besitzer von Öltanker „Agdash“
    (Oligarchen Geschenk)
    • Dong 14.02.2020 10:38
      Highlight Highlight Die Muslimbrüder sind allerdings definitiv keine Terroristen!
    • Do not lie to mE 14.02.2020 12:32
      Highlight Highlight 1) Die Mitglieder der Muslimbruderschaft wurden in vielen arabischen Ländern verhaftet und die Organisation als Terrororganisation eingeordnet. Der türkische Staat öffnete den Muslimbrüdern Tür und Tor und die Organisation benutzte die Türkei als Ausgangsbasis für ihr weiteres Vorgehen. Auf einem Treffen der sogenannten syrischen Opposition wurde durch den Einfluss der Muslimbrüder auch der syrische Al-Qaida-Ableger, die Al-Nusra-Front, zur Vertreterin der „syrischen Revolution“ erklärt.
    • Do not lie to mE 14.02.2020 12:33
      Highlight Highlight 2) Auf diese Weise wollte er außerdem die Ölproduktion, die Landwirtschaft und die Industrie unter seine Kontrolle bringen. Ohne Unterbrechung konnten die Dschihadisten während der Syrienkrise auf die Unterstützung der Türkei zählen. Die Regierung in Ankara schreckte auch nicht davor zurück, Waffen oder personelle und logistische Unterstützung für diese Gruppen zu leisten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • rodolofo 14.02.2020 09:29
    Highlight Highlight Trump, Erdogan, Assad und Putin verstehen einander insofern, als sie alle skrupellose, verlogene und brutale Kriegsfürsten und "Ober-Mafiabosse" an der Spitze von militärisch schlagkräftigen Staaten sind.
    Macht nun diese charakterliche Verwandtschaft der "mächtigen Brüder im Geiste" unsere Welt sicherer, wie Viele einmal geträumt haben?
    Pustekuchen!
    Die internationalen Institutionen werden noch mehr zu "teuren Schwatzbuden ohne Einfluss und Kompetenzen" degradiert und die Menschen sind den wechselnden Launen und Allianzen der "Starken Männer" und ihrer Gross-Sekten schutzlos ausgeliefert.
  • Skeptischer Optimist 14.02.2020 08:04
    Highlight Highlight Die Türken haben in Syrien nichts verloren. Wie die Amerikaner auch.

    Mich stört etwas, wie dieser Artikel neo-kolonialistische Aktion normalisiert.
  • Tobias W. 14.02.2020 04:03
    Highlight Highlight Wenn man Assad von Anfang an Unterstützt (oder wenigstens nicht seine islamistischen Gegner mit Waffen unterstützt) hätte, dann hätte es diesen Krieg nie gegeben. Das syrische Volk genoss bei Assad keine demokratischen Vorzüge. Aber den Menschen ging es in diesem Land gut! Und zwar allen: Moslems, Christen, Alawiten, Kurden lebten dort undemokratisch, aber friedlich.

    Baschar al Assad genoss übrigens in der internationalen Gemeinschaft einiges Ansehen. Aber der Westen hat sein Gesicht verloren, als man versuchte, ihn durch die Unterstützung von Terroristen zu Fall zu bringen.
    • So oder so 14.02.2020 10:18
      Highlight Highlight Die Familie Assad schlachtet seit Jahrzehnten das Syrische Volk ab. Und alle die Putin und Assad so Toll finden, haben ihn auch Toll gefunden als er für die CIA Gefoltert hat. Mann konnte Leben solange man nicht für Demokratie und Menschenrechte eingestanden ist, sonst ist man in einem Folter Gefängnis verschwunden und das Lange bevor der Bürgerkrieg begonnen hat.
    • Basti Spiesser 14.02.2020 11:53
      Highlight Highlight @so oder so

      Die Rebellen oder Erdogan schlachten besser?
    • Kruk 14.02.2020 12:07
      Highlight Highlight "Aber den Menschen ging es in diesem Land gut! Und zwar allen: Moslems, Christen, Alawiten, Kurden lebten dort undemokratisch, aber friedlich."
      Es herrschte kein Krieg, aber die Angst und unsicherheit war doch sehr gross. Nein, eine mit massivster Unterdrückung erzwungene Ruhe ist nicht was man will.
      Der Westen hat schon lange zuvor sein Gesicht verloren, wenn er denn überhaupt jemals eines gehabt hatte.

      Frieden ist eben mehr als die Abstinenz von Krieg.

      Da könnten sie auch Nordkorea loben.



    Weitere Antworten anzeigen
  • Aladdin 14.02.2020 00:46
    Highlight Highlight Ich empfinde riesiges Bedauern für die Zivilbevölkerung, das Fussvolk der beteiligten Armeen und Insbesondere für das, zum x-ten Mal, verratene kurdische Volk.
    Alles zynische, das ich zum Konflikt zwischen diesen Autokraten schreiben wollte, bleibt mir, ab dem grossen Leid in der Region, im Hals stecken.
  • Basti Spiesser 13.02.2020 23:18
    Highlight Highlight „meist islamistische Rebellengruppen“

    Das hat man uns früher noch andere verkauft...
    • RatioRegat 14.02.2020 00:20
      Highlight Highlight Naja. Dass es abgesehen von der SDF keine "gemässigten Rebellen" in Syrien gibt, sollte mittlerweilen seit Jahren (ca. 2014/2015) bekannt sein.
    • Bene86 14.02.2020 07:34
      Highlight Highlight "Freiheitskämpfer" nannte man sie liebevoll. :)
    • rodolofo 14.02.2020 09:40
      Highlight Highlight Jetzt mal ganz realistisch:
      Wer würde sich einem äussert brutalen Staatsterrorismus, wie demjenigen von Assad, unterstützt von Putin und von Iranischen Mullah's, entgegenstellen wollen, wenn nicht Extremisten, die es zustande bringen, sich mit irgendwelchen absurden Märtyrer-Fantasien mental zu stärken?!
      Und in islamisch geprägten Kulturen sind das dann halt logischerweise auch meistens Islamisten!
      Alle Andern, und zwar MILLIONEN von Syrern, sind aus ihrer Heimat GEFLÜCHTET!
      Gemäss Basti Schiesser müssten die ja "die Guten" sein.
      Sind sie aber nicht, wenn ich seine Kommentare so lese...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Yamamoto /// FCK NZS 13.02.2020 22:57
    Highlight Highlight Der Ziegenliebhaber soll sich endlich in sein Sultanat zurückziehen. Sein Angriff war ohnehin völkerrechtswidrig. Leid tun mir in diesem ganzen Chaos vor allem die Kurden, insbesondere deshalb, weil sie nach dem Zweiten Golfkrieg ein weiteres Mal feige von den USA verraten wurden. Zurzeit scheint immerhin das Zweckbündnis mit den Regierungstruppen von Assad zu funktionieren. Ich befürchte aber, dass dieser die Schraube anziehen wird, sobald er die Türken los ist. Dann will er vermutlich die Macht über das autonome Kurdengebiet zurückgewinnen.
    • P. Silie 14.02.2020 09:36
      Highlight Highlight Das Problem bei der Idee von Erdogans Sultanat dürften die Grenzziehung sein. Ich befürchte er sieht sein Türkei etwas grösser als es heute in Wirklichkeit ist. Erdogan will die Achse Istanbul - Bishkek (alle Völker auf dieser Achse sind türkisch stämmige -> AUSSER die Armenier, die hat man 1915 ja schon versucht zu vernichten).
      Benutzer Bild
    • Yamamoto /// FCK NZS 14.02.2020 22:22
      Highlight Highlight @allegorischeverschnaufspause Das sehe ich auch so. Ich befürchte ebenfalls, dass der Traum von einem autonomen Kurdenstaat in nächster Zeit noch nicht realisierbar ist.

      @P. Silie Ja, das ist zu befürchten. Ihm schwebt die Wiedererrichtung eines grossosmanischen Reiches vor.
  • Heb dä Latz! 13.02.2020 22:55
    Highlight Highlight Es ist schon lange offensichtlich das Erdogan schwankt zwischen ziemlich und total bescheuert, nur wie er jetzt aus der aktuellen Jongliernummer unbeschadet wieder rauskommt ist mir schleierhaft.
  • Stratosurfer 13.02.2020 22:25
    Highlight Highlight Erdi interveniert in Syrien und beschwert sich, wenn türkische Soldaten zu Schaden kommen 🤔
    • Ueli der Knecht 13.02.2020 22:33
      Highlight Highlight Ja, normalerweise erwartet man Gastfreundschaft, wenn man in in die Fremde reist.
  • Dong 13.02.2020 22:22
    Highlight Highlight Der Herr Diekmann weiss scheinbar nicht recht, ob er ein Ende des Syrienkriegs gut oder schlecht finden sollte... Ausserdem bleibt die Frage, was „gemässigte Rebellen“ bedeutet: Schiessen die weniger fest oder was?
    • DonChaote 13.02.2020 22:46
      Highlight Highlight @dong
      Mal so ganz unabhängig von syrien:
      „Gemässigte rebellen“ müssten eigentlich die sein, die versuchen, nicht die bevölkerung umzubringen, sondern sich und die bevölkerung vom jeweiligen regime zu befreien.
      Rebellion bzw. rebellen ist nicht per se etwas negatives.
      Als antwort auf ihre frage: nein, die schiessen nicht weniger fest, sondern weniger auf die normale bevölkerung.

      Wer jetzt jeweils in syrien diese gemässigten sind oder waren (ausser den kurden vielleicht?), ist von hier schwierig zu beurteilen.
    • Basti Spiesser 13.02.2020 23:20
      Highlight Highlight @Dong

      Immerhin nennt man die mittlerweile „meist islamistisch“.
    • RatioRegat 14.02.2020 00:27
      Highlight Highlight Am Anfang des Bürgerkrieges hatte man im Westen grosse Hoffnungen auf die "gemässigten Rebellen" der freie Syrische Armee (FSA). Doch auch in den Rängen der FSA fanden sich viele dschihadistische Organisationen, während die gemässigten Elemente innerhalb der FSA nur in irgendwelchen Cafés in Istanbul zu finden waren.

      Dementsprechend lief auch der Versuch des Westens, Kämpfer der FSA auszubilden gehörig schief.

      Irgendwann ist man dann zur Vernunft gekommen und hat die Kurden unterstützt - die einzigen gemässigten Kräfte in Syrien.
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