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Erdogans Affront gegen EU-Chefin von der Leyen schlägt hohe Wellen

Für EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen blieb beim Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan kein Stuhl übrig. Sie musste abseits auf dem Sofa Platz nehmen.

Remo Hess, Brüssel / ch media



epa09118486 A handout photo made available by Turkish President Press Office shows, Turkish President Recep Tayyip Erdogan (C) welcoming EU Council President Charles Michel (L) and President of EU Commission Ursula Von der Leyen (R) before their meeting at the Presidential Place in Ankara, Turkey, 06 April 2021.  EPA/PRESIDENTAL PRESS OFFICE HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Michel, Erdogan und von der Leyen. Bild: keystone

Staatsbesuche sind protokollarisch bis ins Kleinste durchgeplant. Auf jedes Detail wird geachtet. Vor allem, wenn es sich um diplomatisch so heikle Reisen handelt, wie der gestrige Besuch von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel beim türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Es gibt den Streit um die Flüchtlinge und das angespannte Verhältnis zu Griechenland. Dazu sorgte Erdogan kürzlich für einen Eklat, als er sein Land aus der Istanbul-Konvention zum Schutz von Frauen vor Gewalt zurückzog.

Dass Erdogan ein Macho sei, behaupten seine Kritiker schon seit langem. Jetzt sehen sie sich wieder einmal bestätigt: Beim Treffen mit den EU-Spitzen gab es nämlich nur einen Stuhl für Ratspräsident Charles Michel. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wurde dagegen in einiger Entfernung auf das Sofa verbannt. Ein Video hat die Szene festgehalten: Von der Leyen, offensichtlich verwundert, kann nur mit einem hilflosen «Äääähm?» reagieren.

In den sozialen Medien bricht daraufhin ein Sturm der Empörung los. Für viele ist die Bildsprache klar: Von der Leyen wird abgeschoben, während die Männer sich unterhalten. «Beschämend» kommentierte Iratxe Garcia Perez, die Fraktions-Chefin der Sozialdemokraten im EU-Parlament. Zuerst hätten sich die Türkei von der Istanbul-Konvention verabschiedet und jetzt würden sie der Kommissionspräsidentin nicht einmal einen Stuhl anbieten.

Viel Prügel einstecken muss aber auch EU-Ratspräsident Charles Michel. Es sei unverständlich, dass dieser nicht reagiert habe und seiner Kollegin beigestanden sei, heisst es. Der ehemalige österreichische Bundeskanzler Christian Kern schrieb auf Twitter, Michel habe sich zur «Witzfigur» degradieren lassen.

Der Grüne Bundestagsabgeordnete und Erdogan-Kritiker Cem Özdemir fragte, weshalb man sich eine solche Behandlung gefallen lasse. Respekt würde man so jedenfalls sicher nicht erhalten, so Özdemir.

Wie ein Treffen zwischen der EU und der Türkei protokollarisch ablaufen sollte, zeigen Fotos der Zusammenkunft zwischen Erdogan und den damaligen EU-Spitzen Jean-Claude Juncker und Donald Tusk: Jeder erhält seinen Stuhl, niemand wird abgeschoben.

In der ganzen Aufregung ging derweil unter, um was es beim Besuch wirklich ging. Ziel der Reise von der Leyens und Michels war es, die in den letzten Jahren stark strapazierte Beziehung zur Türkei wieder auf eine tragfähige Basis zu stellen und eine.

Von einer «ehrlichen Partnerschaft» sprach von der Leyen und wies auf daraufhin, dass für die EU die Achtung der Menschenrechte «höchste Priorität» hätten. Im Zentrum des Gesprächs stand aber vor allem auch die Versorgung der fast vier Millionen syrischer Flüchtlinge in der Türkei, zu der die EU auch künftig beitragen will.

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