Leben
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material: shutterstock / bearbeitung: watson

Emma Amour

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Wenn du frisch verschossen bist, vögelst du die ganze Zeit. Bist permanent gut gelaunt und hältst das Leben für eine einzige Party. Alles ist das Grösste. Wenn da nur nicht das Umfeld wäre, das mir jetzt die Zukunft – und Empfängnis – diktieren will.



Mir ist bewusst, dass ich auf hohem Niveau klage. Was toll ist. Lieber so, als echte Probleme zu haben. Die habe ich nämlich nicht. Wie auch. Der Zyklop und ich schweben vor lauter Verliebtheit immer noch irgendwo zwischen 3 Meter und 300 Kilometer über dem Boden.

Wir brauchen nichts. Keinen TV, kein Essen, keinen Schlaf und schon gar keine Kleider. Nicht mal Musik müsste sein, wenn wir uns haben. Weil wir Sex haben. Die ganze Zeit. Wenn wir gerade keinen Sex haben, dann sind wir damit beschäftigt, uns auf den nächsten Sex zu freuen.

Es wäre also mehr als perfekt, wenn nicht zig Tipps und Inputs ungefragt auf mich einprasseln würden. Es ist eben so, dass ich offenbar, da ich über 35 bin, sofort zusammenziehen, heiraten und Kartoffeln produzieren muss.

Das Monster namens Bio-Uhr stresst vor allem andere!

Meine Freundin aus Kindheitstagen, wir kennen uns also wirklich nicht erst seit gestern, weiss, wie ich zu Töchtern komme: Missionarstellung. Nachher Beine 10 Minuten in die Höhe. Söhne gibts von hinten. Ob wir schon losgelegt haben, will sie wissen. Sie will auch wissen, dass es dumm wäre, noch nicht angefangen zu haben. Weil Bio-Uhr. TICK-TACK-TICK-TACK.

Meine Nachbarin, Frau K., ist Rentnerin. Sie hat den Zyklopen auch schon kennengelernt. Ob er mir hoffentlich bald ein Ringli an den Finger steckt, will sie wissen. Ich hoffe es nicht, sage ich. Ich sehe mich nicht als Ehefrau. Eine Hochzeitsparty fände ich geil. Die Institution Ehe ist aber nichts für mich.

Eine Kollegin aus meinem beruflichen Umfeld, wir sind nicht sehr dicke, will mir ihre 4,5-Zimmerwohnung aufschwatzen. Etwas ausserhalb, mit viel Grün und einem Spielplatz direkt vor dem Küchenfenster. Babybett, Wickelkommode und Laufgitter können wir grad übernehmen.

Zu jung, um Grossvater zu werden!

Sogar der Freund einer Freundin redet mir ins Gewissen. Noch könne ich Hormonspritzen und künstliche Befruchtungen verhindern. «Aber ich sags dir, da ist dann schon bald Ende Gelände.» In seinem Umfeld, die meisten sind Ende 30 und Anfang 40, klappt es so gar nicht mehr mit der natürlichen Empfängnis.

Dass ich null Stress mit der Bio-Uhr habe, versteht fast niemand. Ausser mein Dad. Ihm gehts ähnlich. Mit seinen 58 Jahren fühlt er sich noch ein bisschen zu jung, um Opa zu werden. Über die Tatsache, dass ich schon ein Teenager war, als er so alt war wie ich heute, schweigen wir galant und trinken ein Schnäpsli.

Zur nächsten Schnäpsli-Party aber soll ich den Zyklopen mitnehmen. Dafür sei er sehr parat, sagt mein Dad. Darauf lasse ich mich ein.

Zuvor muss einfach einer der beiden etwas an seiner Trinkfestigkeit arbeiten.

(Mein Vater ist es nicht.)

Willkommen in der Familie, lieber Zyklop.

Prost,

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Es dankt: die Redaktion

PS: Bilder mit schrecklichen Kindern sind die beste Verhütung

Emma Amour ist ...

… Stadtmensch, Single, Mitte 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge: Du wirst mit deinen Fragen anonym bleiben – so wie auch Emma. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe. bild: watson

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