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Wir sind die Welle Netflix Serie

Auf den iPhones im Pausenhof gehen die Videos der maskierten Ökorebellen viral. Bild: Netflix

Netflix fordert mit neuer Serie «Wir sind die Welle» die Generation Greta heraus

Ökoterroristen statt Neonazis: Netflix verfilmt den Jugendbuchklassiker «Die Welle» neu. Mit der Neuinterpretation wird deutlich, dass sich jede Ideologie zum Extremismus steigern kann.

Raffael Schuppisser / ch media



Was im Klassenzimmer beginnt, kann eine unheilvolle Dynamik annehmen. So ist das im Jugendroman «Die Welle» von Morton Rhue aus dem Jahr 1981. Kaum eine Klasse hat ihn nicht gelesen, zeigt er doch eindrücklich, wie schnell aus kritischen Menschen faschistische Wesen werden, wenn sie sich in einer Gemeinschaft aufgehoben fühlen. Dies führt ein Lehrer seinen Schülern schmerzhaft in einem Experiment vor Augen – das erst gestoppt wird, als ein jüdischer Schüler Gewalt erfährt.

Wir sind die Welle Netflix Serie

Tristan (Ludwig Simon, 2. von links) mit Mitstreitern. Bild: Netflix

Die deutsche Netflix-Serie «Wir sind die Welle» nimmt diesen Stoff auf. Ausgangspunkt ist aber nicht ein Lehrer, sondern ein neuer Mitschüler. Tristan (Ludwig Simon) betritt in Jogginghose, Plastikzasche und Kapuzenpulli den Raum.

Er kennt sich nicht nur mit dem Algerienkrieg aus, spricht Arabisch und hat linksideologische Überzeugungen, sondern lebt sie auch («Ich war im schwarzen Block in Hamburg mit dabei, selbst die Bullen hatten Schiss vor uns.») und kann seine Mitschüler dafür begeistern.

Wir sind die Welle Netflix Serie

Bild: Netflix

Bald bildet sich um ihn eine Gruppe, die mit radikalen Aktionen gegen die Umweltsünden der Grosskonzerne, SUV-Fahrer, Plastik-Konsumenten und die Praktiken der Schlachthöfe vorgeht. Auf den iPhones im Pausenhof gehen die Videos der maskierten Ökorebellen viral.

Die «Zeit» mag den Linkstwist nicht

Die deutsche Serie des US-Streamingriesen dreht den Ursprungsstoff ins Linksextreme, spinnt radikale Tendenzen, wie man sie in der Umweltbewegung «Extinction Rebellion» sieht, weiter und fordert damit die Generation-Greta heraus. Das gefällt nicht allen.

«Die Zeit» kann mit diesem neuen Twist nichts anfangen, hält ihn für «schlechtes Timing», beklagt mangelndes «Fingerspitzengefühl». Der Autor hätte sich stattdessen eine Serie über «die jugendliche Radikalisierung nach rechts» gewünscht.

Dabei ist dieser neue Dreh das Spannendste an der Serie. Schliesslich wird mit dieser Neuinterpretation deutlich, dass sich jede Ideologie zum Extremismus steigern kann.

Wir sind die Welle Netflix Serie

Bild: Netflix

Wie weit darf man gehen für seine Anliegen? Diese Frage stellen sich nicht nur die Jugendlichen in der Serie, sondern auch die Zuschauer. Denn mit einigen der Überzeugungen der Gruppe kann man durchaus Sympathien haben.

Über weite Strecken ist «Wir sind die Welle» aber allzu belangloses Jugendfernsehen über den Wert der Freundschaft, Ausgrenzung und die Liebe. Das wird zwar packend inszeniert, aber auch mit ganz schön viel Pathos vorgetragen.

Streaming-Serie: «Wir sind die Welle»
6 Episoden à 50 Minuten auf Netflix

(aargauerzeitung.ch)

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34Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • AfterEightZuHauseUmViertelVorAchtEsser____________ 08.11.2019 11:12
    Highlight Highlight Mitläufertum, Gruppendynamik, «Wir-sind-eh-besser-als-die-anderen»-Gedankengut und fehlendes differenziertes Hinterfragen seiner eigenen Ideologie können schnell in Extremismus jeglicher Couleur (Nazis, Islamisten, Evangelisten, RAF oder eben auch anderes) enden. Das Nazis böse sind, ist wohl offensichtlich, und muss nicht mehr diskutiert werden. Dass aber auch andere extremistische Ideologien durchaus Zerstörungspotential haben, wird häufig unter den Tisch gewischt.
  • Kaspar Floigen 08.11.2019 09:42
    Highlight Highlight Ich glaube mit dem linksextremen Twist wird die eigentliche Warnung, dass eine Definition von In- und Outgroup, und dem "Wir" und die "Anderen", schnell in Grenzverschiebung und sogar Gewalt enden kann, besser in den Fokus gestellt. Sonst wäre die Meinung gewesen: "Ah, ja, Nazis sind schlecht", was nicht gerade neues Wissen ist.
  • Marko 32 07.11.2019 19:44
    Highlight Highlight Geht nicht etwas verlohren wenn nicht der Lehrer die Bewegung startet? Im Film war es ein wichtiger Aspekt dass der Lehrer den Schüler aufzeigen will wie schnell eine faschistoide Gruppierung entstehen kann und er durch seine Eitelkeit den Punkt nicht erkennt als es ausser Kontrolle gerät
  • imposselbee 07.11.2019 18:56
    Highlight Highlight Den Erstwäldlern ist doch einfach zu langweilig, zudem hat der Verursacher des ganzen Debakels erst solche Bewegungen ermöglicht (das Internet). Sauren Regen kannten wir bereits vor 30 Jahren. Jeder kann sich heute austoben/entwickeln wie er mag, es gab noch nie so viele Möglichkeiten. Das Klima ist mir schnuppe, ich verzichte auf Kinder, Auto und unsinniges Zeugs, aber die Freude am Leben lasse ich mir nicht nehmen.
    Greta hat ein sehr grosses Potential, wie alle Asperger, darum gehört die Zukunft diesen.
    Benutzer Bild
  • THEOne 07.11.2019 18:55
    Highlight Highlight also der film mit mbarek und vogel fand ich den hanmer. simpel aber effektiv.
    es wird wirklich geil gezeigt, dass eigentlich jede bewegung in ein extrem geführt werden kann, wenn man weiss wie sein publikum zu überzeugen.
  • flausch 07.11.2019 18:20
    Highlight Highlight Mal abgesehen von der Thematik strotzt diese Serie nur so von Homophobie und Machoiden Stereotypen. Habe in den letzten 5 jahren nichts anderes auf diesem Peinlichkeitslevel gesehen...
    • MBär 08.11.2019 08:57
      Highlight Highlight Da jede Gruppierung und Ausrichtung brüskiert wird, ist es ja fast schon wieder fair
  • fandustic 07.11.2019 18:00
    Highlight Highlight Extremismus ist so oder so nie gut...dass sich die Zeit (oder der Autor) gegen das zeigen von Linksextremismus ausspricht spricht nicht für sie/ihn. Es muss auch dafür Platz haben. Schlussendlich kann jede Meinung/Idee ins Extreme abdriften....auf beide Seiten.
  • HansDampf_CH 07.11.2019 16:22
    Highlight Highlight Nun die Bewegung wird e tremer so auch die Auswirkunger immer grösser und verherender werden. Das Überleben ist nicht verhandelbar! Ausserdem können umweltschäden ab einem gewissen punkt nicht mehr mit Geld also einem Hauch von nichts abgegolten werden. Wen wird der Zorn treffen?
  • Schlingel 07.11.2019 16:07
    Highlight Highlight Super Artikel. Hört sich spannend an. Werde ich mir wohl anschauen. Der Autor des "Zeit" Artikels hingegen hört sich schon ein wenig lächerlich an. Ist ja genau spannend, dass es mal um eine linksgerichtete Ideologie geht. Trifft genau den Nerv der Zeit. Denn egal ob links oder rechts, auf beiden Seiten gibts radikale Gruppierungen, welche gefährlich sein können. Warum also nicht mal über gefährliche Linksradikalisierung? Aber der Herr will wohl nichts anderes sehen, als dass "rechts" das Böse ist. Ist etwa das gleiche wie die USA/Russland oder Cowboy/Indianer Schiene in Hollywood.
    • Weisser Mann 07.11.2019 16:42
      Highlight Highlight Das Problem ist (und genau das nutzt Netflix bewusst aus), die aktuelle Situation. In Deutschland ist rechtsextremes Gedankengut wieder salonfähig und im Aufkommen.
      Jetzt könnte man argumentieren: Netflix bringt eine Serie heraus, die zusätzlich Feuer hineinschüttet, indem sie den Fokus von Rechts- auf Linksextremismus verschiebt. Wie viele Rechte wirds geben, die die Serie verwenden um von sich abzulenken?
    • President Rump 07.11.2019 16:45
      Highlight Highlight Man muss aber betonen, dass Rechtsextremismus der grösste ist von allen. Linksextremismus ist kleiner und auch “Islamischer” Terror. Klar es gibt und gab auch Linksextremismus (RAF z.B.) Also ist die Botschaft, dass alles zu Extremismus ausarten kann, gut. Nur sehe ich die Gefahr, dass der Rechtsextremismus daraus Propaganda gegen Links spinnt und viele Leute den Eindruck bekommen, Linksextremismus sei sehr geläufig und brutal. Klar kann er es auch sein, jedoch vermute ich, dass in der Serie viel zugespitzt und übertrieben wird.
    • Weisser Mann 07.11.2019 16:46
      Highlight Highlight Ein anderes Beispiel:
      Sabrina
      Durch den Satanic Temple rückt in Amerika Satanismus langsam wieder ins Rampenlicht. Gewisse evangelikane und andere christiche Extremisten fangen bereits wieder an zu hetzen. Satanisten in USA fürchten bereits, dass es wieder zu einer "Satanic Panic" (https://en.wikipedia.org/wiki/Satanic_panic) kommen könnte. Jetzt bringt Netflix Sabrina ins TV, die solche Ängste nur weiter schürt.
      Und ja, Menschen sind so doof und nehmen das für voll.
    Weitere Antworten anzeigen
  • sapperlord 07.11.2019 16:06
    Highlight Highlight Kleine Anmerkung: Der neue Mitschüler heisst in der Serie Tristan. 👍🏽
    • Pascal Scherrer 07.11.2019 16:23
      Highlight Highlight Merci, ist angepasst.
  • yolomarroni 07.11.2019 15:59
    Highlight Highlight Ist es Extremismus wenn man etwas gegen das System hat? Im Beispiel Klima muss man doch ernsthafte Kritik am profitorientierten System anbringen, dass nachweislich einen grossen Einfluss auf den übermässigen Ressourcenverbrauch hat. Wenn man diese Meinung nun vertritt, ist man dann ein radikaler Extremist?
    • Hattori_Hanzo 07.11.2019 16:30
      Highlight Highlight Auf das wie kommts an. Wie vertritt man seine Meinung und wie weit ins Extreme geht die eigene Meinung. Ebenfalls ist eine Grenze überschritten sobald man denkt man hätte die absolute Wahrheit gefunden.
    • Normal 07.11.2019 16:49
      Highlight Highlight Schau dir die Serie an ;)

      Ich habe sie an zwei Abenden durchgesehen, sie ist ziemlich nach meinem Geschmack.

      Die Aktionen der Schüler sind Teilweise super, teilweise aber auch definitiv dem Extremismus zuzuordnen. Mit diesem Problem beschäftigt sich die Serie aber genau. Die Hauptprotagonistin will eigentlich nur gutes erreichen aber einiges entgleitet ihr und nimmt eine eigendynamik an.

      Gut gemachte Serie die man schauen sollte, wenn man mit Jugendromanzen halbwegs was anfangen kann. Denn darum geht es halt auch.
    • President Rump 07.11.2019 16:50
      Highlight Highlight Meine Meinung:

      Kritik —> eher kein Extremismus

      Anderen Leuten schaden, die einem nicht passen —->eher Extremismus

      Jedoch falls es z.B eine Firma gibt, welche sehr unmoralisch ist und viel Schaden anrichtet und man diese behindert, finde ich, ist es wiederum kein Extremismus. Jedoch kann man diese “Definition” weit auslegen und es gibt viele Ausnahmen.

      Kurz: Es kommt sehr stark auf den Fall an.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Weisser Mann 07.11.2019 15:58
    Highlight Highlight Netflix provoziert gerne mit ihren Produktionen. Nichts neues.
    In den meisten Fällen wird es aber heisser gekocht, als es am Ende gegessen wird.

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