Schweiz
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Corona-Medienkonferenz verpasst? Diese 7 Dinge musst du wissen

Eine Übersicht über die Medienkonferenz des Bundes vom 20. Oktober: von explodierenden Zahlen über Intensivstationen bis hin zu «im Frühling wird alles besser».



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Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, Staatssekretärin, Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) - Stefan Kuster, Leiter Übertragbare Krankheiten, Bundesamt für Gesundheit (BAG) - Thomas Steffen, Kantonsarzt Basel-Stadt, Vorstandsmitglied der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte - Andreas Stettbacher, Delegierter des Bundesrates für den Koordinierten Sanitätsdienst (KSD) - Christoph Hartmann, Direktor, Bundesamt für Zivildienst (ZIVI) - Christoph Flury, Vizedirektor, Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) - Mike Schüpbach, Stv. Sektionsleiter Rechtsbereich 2, Bundesamt für Gesundheit (BAG) Bild: sda

«Die Positivitätsrate besorgt uns sehr. Wir hätten lieber eine Positivitätsrate, die deutlich tiefer wäre», sagt Stefan Kuster, Leiter Übertragbare Krankheiten des BAG, gegenüber den Medienschaffenden am 20. Oktober. Die Pressekonferenz von Bund und Kantonen zur aktuellen Corona-Situation in der Schweiz in sieben Punkten:

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Zur aktuellen Situation in der Schweiz:

Im internationalen Vergleich schneidet die Schweiz derzeit nicht gut ab: mit 337 Neuinfektionen pro 100'000 Einwohner liegt sie deutlich vor Italien und nur knapp hinter Frankreich. Das Nachbarland Deutschland meldet viermal weniger neue Fälle als die Schweiz.

Die Verdoppelungszeit der neuen Fälle beträgt hierzulande aktuell eine Woche. Das heisst, vor einer Woche zählte das Land noch halb so viele Fälle wie diese, und nächste Woche dürften es doppelt so viele Fälle sein.

In den letzten 14 Tagen lag die Positivitätsrate der Tests bei durchschnittlich 14 Prozent. Nach der WHO sollten nicht mehr als 5 Prozent der Tests positiv ausfallen, ansonsten werden viele Corona-Fälle nicht erfasst. Es gibt in der Schweiz demnach eine hohe Dunkelziffer.

«Die Positivitätsrate besorgt uns sehr. Wir hätten lieber eine Positivitätsrate, die deutlich tiefer wäre.»

Kuster

Die Reproduktionszahl liegt zurzeit bei 1.6; das bedeutet, dass zehn infizierte Personen im Durchschnitt 16 weitere Personen mit dem Coronavirus anstecken. Erst wenn die Reproduktionszahl unter 1 liegt, verlangsamen sich die Infektionszahlen.

Kapazität der Intensivstationen

Zur Verfügung stehen schweizweit rund 1000 Intensivstation-Betten mit der Möglichkeit zur Beatmung in rund 150 Spitälern. Mit den Reserven stehen der Schweiz maximal zwischen 1500 und 1800 Plätze zur Verfügung.

Insgesamt sind 706 Intensivpflege-Plätze belegt – davon sind 100 Covid-Patienten. Die Zahl habe sich in den letzten fünf Tagen um das Anderthalbfache (mal 1.5) erhöht.

Die Spitäler können die Intensivbetten erhöhen. Deshalb erhebt der Bund die Zahlen täglich, damit rechtzeitig entsprechende Massnahmen getroffen werden können.

Pflegepersonal und Ärzte mit entsprechenden Zusatzausbildungen gebe es zurzeit noch genug. Wenn der Bedarf steigen sollte, dann werde zusätzliches Personal aus anderen Bereichen abgezogen bzw. entsprechend ausgebildet.

Schutzmaterial auf Reserve

Der Bund und die Kantone haben sich gemäss Experten auf die zweite Welle vorbereitet. Die Kantone hätten eine entsprechende Material-Reserve angelegt. In den meisten Fällen beträgt diese Reserve eine Abdeckungen des Materialverbrauchs von 40 Tagen – in vielen Fällen sogar über 80 bis 100 Tage.

Nur bei Untersuchungs-Handschuhen bestehe ein Nachholbedarf. Bund und Kantone beschaffen zurzeit die Handschuhe. Auch Testkapazitäten seien noch vorhanden.

Ein Mini-Lockdown?

Könnte der Schweiz auch ein Mini-Lockdown bevorstehen, wie er bereits in einigen Ländern ausgerufen wurde? Sogenannte ‹Circuit-Breaker› sollen den exponentiellen Anstieg unterbrechen, indem für kurze Zeit das öffentliche Leben erneut minimiert wird.

«‹Circuit-Breaker› werden geprüft. Im Hinblick auf die Szenarien.»

Kuster

Es bleibt gemäss Bundesexperten abzuwarten, wie effektiv ein solcher ‹Circuit-Breaker› ist. Für die Schweiz wird diese Massnahme zurzeit überprüft.

Zivilschützer im Einsatz

Zivilschützer unterstützen seit Mai in mehreren Kantonen das Contact-Tracing. Aktuell stehen 56 Personen vom Zivilschutz im Einsatz für den Bund und die Kantone.

Dieser Einsatz kann mehrere Monate dauern und wird subsidiär geregelt: Zuerst müssen die Kantone ihre Möglichkeiten zur Rekrutierung von Contact-Tracing-Arbeitnehmenden vollends ausgeschöpft haben, bevor Zivilschutzleistende angefordert werden können.

Bund und Kantone haben vor dem Hintergrund der zweiten Welle und den kommenden Monaten entschieden, die Dienstpflichtdauer von 12 auf 14 Monate zu erhöhen.

Die Härtefallklausel

Auf die Frage, wann die Unternehmen damit rechnen können, Gelder zu erhalten, antworten die Experten:

«Es ist nicht so einfach, so etwas Neues wie die Härtefallklausel auf die Beine zu stellen.»

Ineichen-Fleisch

Es soll aber schnell gehen, die Vernehmlassung werde deshalb bald stattfinden. Die Verordnung dürfte Anfang nächsten Jahres in Kraft treten.

Das Licht am Ende des Tunnels heisst Frühling

Thomas Steffen, Kantonsarzt von Basel-Stadt, nimmt die Stimmung der Schweizer Bevölkerung verunsichert, frustriert und besorgt war.

«Ja, es ist eine zweite Welle. Und ja, es wird länger gehen – mehrere Monate.»

Steffen

Es sei jetzt wichtig, die Bevölkerung sachlich zu informieren, sagt Steffen an der Konferenz. «Es braucht zweifellos Mut». Doch es gebe ein Licht am Ende des Tunnels: «Irgendwann wird es wieder Frühling, und die Situation wird wieder besser».

(adi)

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