Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epaselect epa08688272 An Indian Health worker checks the results for the coronavirus COVID-19 Rapid Antigen detection testing in New Delhi, India, 22 September 2020. I?ndia has the second highest total of confirmed COVID-19 cases in the world.  EPA/STR

Ein Laborant zeigt auf die Resultate der COVID-19-Schnelltests. Bild: keystone

Jetzt kommt der 15-Minuten-Corona-Schnelltest – aber es gibt ein Problem

Touristiker und Hausärzte hoffen auf die neuen Coronaschnelltests, die jetzt auf den Markt kommen. Ein Test für zu Hause ist das aber nicht.

Bruno Knellwolf / ch media



Was sonst mit einem herkömmlichen PCR-Coronatest mehrere Stunden dauert, ist nun bald in einer Viertelstunde möglich. Denn diese Woche hat der neue Antigenschnelltest von Roche in der Schweiz die Zertifizierung erhalten so wie auch in anderen europäischen Ländern.

«Er wird in Kürze in der Schweiz erhältlich sein», sagt Nina Maeh­litz vom Basler Pharmaunternehmen. Mit dem Schnelltest verbindet man einige Hoffnungen im Kampf gegen die Pandemie.

Änderung im Epidemiegesetz nötig

Auf Schnelltests hoffen zum Beispiel die Hausärzte, die ihren Patienten dann schnell Gewissheit geben könnten. Doch so weit ist die Sache noch nicht gediehen. «Dazu müsste die entsprechende Verordnung im Epidemiengesetz geändert werden», sagt Daniel Dauwalder vom Bundesamt für Gesundheit BAG.

Momentan dürfen Ärzte nur Abstriche für die herkömmlichen PCR-Tests machen, die dann in einem Labor ausgewertet werden müssen.

epa08689079 The Florida Army National Guard's members conduct nasal swabs and Coronavirus tests at the testing Location at Hard Rock Cafe Miami's Super Bowl stadium's parking lot in Miami, Florida, USA, 22 September 2020. The official death toll is surpassed 200,000 persons, the highest death toll in the world.  EPA/CRISTOBAL HERRERA-ULASHKEVICH

Die Florida Army National Guard führt bereits Schnelltests durch. Bild: keystone

Von diversen Firmen werden in den nächsten Wochen Antigenschnelltests auf den Schweizer Markt kommen. Neben dem von Roche zum Beispiel auch einer der Schweizer Firma Ender Diagnostics, der 30 Minuten dauert. «Diese Tests werden dann vom Schweizer Referenzzentrum und anderen Labors validiert werden. Diese Validierung ist wichtig, um zentrale Eigenschaften wie Sensitivität und Spezifität dieser Tests zu untersuchen», erklärt Dauwalder.

Die Sensitivität gibt die Empfindlichkeit an – bei welchem Prozentsatz der Patienten die Krankheit tatsächlich erkannt wird. Die Spezifität die Genauigkeit, also ob Gesunde auch tatsächlich als Gesunde erkannt werden. Nach dieser Validierung wird bestimmt, wo diese Tests sinnvoll eingesetzt werden können.

«Das BAG wird die Schnelltests in seine Teststrategie einschliessen und genauer definieren, in welchen Settings der Einsatz dieser Tests sinnvoll ist und wer die Tests durchführen sollte», sagt Dauwalder. Zum Beispiel könnten sie helfen, die Testkapazität im Winter zu erhöhen.

Diese Abklärungen seien derzeit im Gange und noch nicht abgeschlossen. Auch die Finanzierung von Schnelltests ist noch nicht klar. Bis jetzt vergüten die Krankenkassen nur die PCR-Tests, wenn sie von einem Arzt angeordnet werden. Ob auch Schnelltests übernommen würden, muss der Bundesrat entscheiden.

Zudem sind diese Schnelltests keine Selbsttests. «Unser Antigentest ist zwar einfach in der Handhabung, da er keine Laborinstrumente und Diagnosegeräte benötigt, dennoch muss er von medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden. Der Grund ist die Entnahme der Probe», erklärt Nina Maehlitz von Roche. Und Patrick Barth von der Basler Pharmafirma ergänzt:

«Um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten, muss mit der Wattesonde ein ganz spezieller Bereich im hinteren Nasenrachenraum abgestrichen werden.»

Das bestätigt auch Oliver Nolte vom Zentrum für Labormedizin (ZLM) in St.Gallen: «Ganz allgemein sehen wir die Antigentests nicht als Selbsttests. Sowohl die klinische wie auch analytische Sensitivität hängen sehr stark von einer guten Abstrichentnahme ab», sagt Nolte. Und die Abstrichentnahme sollte nur in geschulten Händen liegen.

Labormedizinische Betreuung gehört dazu

Da es kein Selbsttest ist, bleibt die Frage, wie lange der Getestete trotz 15-Minuten-Tests auf das Resultat warten muss. Das hänge entscheidend von der strategischen Anwendung der Tests ab, sagt Nolte. Eine genaue Zeitangabe kann er nicht machen.

«Wird der Test in einem Labor betrieben, ist die Transportzeit von der Abnahme bis zur Ankunft im Labor beziehungsweise am Gerät massgeblich», erklärt Nolte.

Sollen die Ergebnisse noch schneller und dezentral vorliegen, zum Beispiel an einem Flughafen, läuft ein solcher Test ohne Diagnosegeräte gleich nach der Entnahme des Abstrichs vor Ort. Für Nolte ist aber klar, dass dafür eine labormedizinische Betreuung der Selbsttests organisiert sein müsste.

Schweizer Firma arbeitet mit Swiss zusammen

Der Antigentest von Roche vereinfache das schnelle, dezentralisierte Testen oder das Testen in Gegenden, wo keine ausreichende Laborinfrastruktur vorhanden ist, sagt Barth von Roche. Einen genau definierten Einsatzort sieht die Firma Ender Diagnostics für ihren Schnelltest. Sie arbeitet mit der Swiss zusammen, mit dem Ziel, alle Langstreckenbesatzungsmitglieder auf Sars-CoV-2 zu testen.

«Der Test ist so konzipiert, dass vor Ort und in Pop-up-Labors Schnelltests in verschiedenen Umgebungen durchgeführt werden können, beispielsweise auf Flughäfen und Kreuzfahrtschiffen», schreibt die Schweizer Firma.

Wegen der vereinfachten Arbeitsabläufe könnten bis zu achtmal so viele Tests wie herkömmliche PCR-Tests verarbeitet werden, ­beispielsweise auf Flughäfen und Kreuzfahrtschiffen. Das sei ein vielversprechender Schritt Richtung Massenscreening, erklärt Hans-Peter Frank von Ender Diagnostics.

Kein Test ohne geschultes Fachpersonal

Auf den Einsatz in Flughäfen hoffen vor allem Touristiker. Doch Nolte ist vorsichtig. Es gehe bei Antigenschnelltests immerhin um den Nachweis eines meldepflichtigen Erregers.

«Vor diesem Hintergrund würden wir es für problematisch halten, wenn beispielsweise an einem Flughafen ein Test betrieben wird, ohne dass labormedizinische Kompetenz vorhanden ist. Es ist aber sicher denkbar, Testzentren einzurichten, die von der Labormedizin betrieben oder betreut werden.»

So exakt wie die herkömmlichen PCR-Tests sind die Schnelltests zudem nicht. «Die Sensitivität ist deutlich geringer als die eines PCR-Tests», sagt Nolte. Allerdings wies der Roche-Test eine Sensitivität von 96.52 Prozent aus, ein PCR-Test hat etwa 99 Prozent.

Und die Spezifität lag nach Barth sogar bei 99.68 Prozent. «Diese Resultate wurden aus zwei unabhängigen Studienzentren in Brasilien und Indien ermittelt», sagt Barth. Aber natürlich gelte der PCR-Test als «Goldstandard».

Nolte sieht den Qualitätsunterschied bei schwach positiven Proben, die beispielsweise am Anfang einer Infektion aber auch beim Abklingen auftreten und im Schnelltest möglicherweise übersehen werden. Deshalb sagt Nolte:

«Diese Lücke zu eruieren, muss Gegenstand von Studien sein.»

Roche wird zu Beginn 40 Millionen Tests pro Monat liefern können. «Diese Zahl wird sich bis zum Jahresende verdoppeln», sagt Barth. Die Hoffnung der Tourismusbranche, dass Schnelltests zur Verkürzung der Quarantäne führen, ist im Moment nicht gross.

Gemäss den jetzigen «Covid-19-Anweisungen für Quarantäne» verkürzt ein negatives PCR-Ergebnis die Quarantänedauer nicht. Das gilt vorderhand auch für Schnelltests. (cki/chmedia)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Keine Schutzmaske? Hier 20 lustige Alternativen

So sehen Liebeserklärungen in Zeiten von Corona aus

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Overtourism adé: Schweizer erzählen, wie sich Bali und Phuket zu «Geisterstädten» wandeln

Jon Zürcher erlebte Terroranschläge und Vulkanausbrüche: Seit 40 Jahren lebt der Bündner auf Bali. Doch so schlimm wie die Corona-Krise hat die Insel noch kein Ereignis getroffen. Auch Gastronomin Brigitte Wieland hat einen denkbar schlechten Zeitpunkt erwischt, um ein Restaurant auf Phuket zu eröffnen.

Jon Zürcher hat schon allerhand erlebt. 1977 kurvte der Oberengadiner mit seinem VW-Bus von der Schweiz bis nach Bali. Und blieb hängen. Vor über 40 Jahren eröffnete er in Kuta Beach in Bali sein «Swiss Restaurant». Später amtete er jahrelang als Schweizer Honorarkonsul und erlebte Terroranschläge und Vulkanausbrüche auf der indonesischen Götterinsel. Doch so schlimm wie die Corona-Krise hat die Insel noch kein Ereignis in der jüngeren Geschichte getroffen.

Kuta war bis vor wenigen Monaten der …

Artikel lesen
Link zum Artikel