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Die Genfer Virologin Isabella Eckerle trat am Donnerstag in der ZDF-Talksendung «Maybrit Illner» auf. screenshot: zdf

Virologin im Visier von Corona-Leugnern – doch jetzt schiesst sie zurück

Die Genfer Virologin Isabella Eckerle ist eine der bekanntesten Corona-Expertinnen des deutschsprachigen Raumes. Sie ist zuletzt mit Drohmails eingedeckt worden. Nun zieht sie die Konsequenzen.



Ob in der ZDF-Talkshow «Maybrit Illner», auf Twitter (21'000 Follower) oder in vielen Schweizer Medien: Die Genfer Virologin Isabella Eckerle (40) war in den letzten Monaten auf allen Kanälen präsent. Die Professorin hat sich zu einer der profilitertesten Corona-Expertinnen des deutschsprachigen Raumes gemausert.

Die Medienpräsenz hat für Eckerle auch negative Konsquenzen. Per Mail erhält sie Drohungen und Beleidigungen. Hatespeech prasselt auf sie ein.

Nun geht die Deutsche in die Gegenoffensive. Drei Tage nach ihrem Auftritt in der ZDF-Talksendung – wo sie sich unter anderem zum Gesundheitszustand von Donald Trump äusserte – hat sie am Sonntag einen bemerkenswerten Tweet abgesetzt:

«Ich möchte alle Absender beleidigender & mir drohender Emails darauf hinweisen, dass dies in Deutschland & Schweiz einen Strafbestand darstellt & jeder Angriff dokumentiert & an unsere Rechtsabteilung weitergeleitet wird. Mit Konsequenzen ist zu rechnen», schreibt Eckerle, die seit 2018 die Abteilung Infektionskrankheiten an den Universitätskliniken in Genf leitet.

«Mit Konsequenzen ist zu rechnen.»

Isabella Eckerle

Auch die Berner Epidemiologin Nicola Low hat schon etliche Mails oder Briefe erhalten, in denen Corona-Skeptiker gegen sie wetterten. Strafrechtlich relevante Äusserungen seien dies aber nicht gewesen. «Wenn Leute offensiv sind, versuche ich einfach, sie zu ignorieren», sagt Low zu watson.

Eckerle reduziert Medienpräsenz

Im Falle von Eckerle dürften die Aussagen schwerwiegender Natur gewesen sein. Was für Drohungen wurden gegen die Genfer Virologin ausgesprochen? Wie viele Fälle hat sie an die Rechtsabteilung weitergeleitet? Auf Anfrage von watson kann sich Eckerle nicht weiter zum Thema äussern. Sie habe sich entschieden, sich in den nächsten Wochen mit Medienanfragen «etwas zurückzuhalten.» Denn sie müsse sich wegen den steigenden Fallzahlen auf ihre Arbeit im Labor konzentrieren.

Eckerle arbeitete früher mit dem deutschen Star-Virologen Christian Drosten zusammen. Dieser sah sich besonders während des Lockdowns mit einer beispiellosen Hasswelle konfrontiert. In der Facebook-Gruppe «Corona Rebellen» etwa wurden Morddrohungen ausgesprochen. Drosten sagte in einem Gespräch mit den «Guardian», dass er wegen seiner Arbeit mit dem Tode bedroht worden sei.

«Das Phänomen Hatespeech hat sich durch Corona weiter zugespitzt.»

Sophie Achermann, Alliance F

«Das Phänomen Hatespeech hat sich durch Corona weiter zugespitzt», sagt Sophie Achermann, Geschäftsführerin von Alliance F. Das zeigt auch eine Untersuchung der Forschungsstelle Sotomo, die im Mai 900'000 Online-Kommentare ausgewertet hat. Während im Lockdown anfänglich Aufrufe zur Solidarität dominierten, nahmen seit den ersten Lockerungen Beleidigungen und Bedrohungen zu.

Achermann hat sich in den letzten Jahren intensiv mit Hassrede auseinandergesetzt und das Projekt «Stop Hatespeech» ins Leben gerufen. «Die Hass-Spirale dreht sich immer weiter. Personen der Öffentlichkeit werden zu Zielscheiben», so Achermann weiter. Ständige Angriffe hätten schon etliche Leute wieder aus der Öffentlichkeit gedrängt. «Denn Hass kann auch Angst machen, wenn die Äusserungen nicht strafbar sind». Sie findet es wichtig und richtig, dass sich Eckerle auf Twitter direkt an die Leute wendet. «Es gilt den Diskurs im Internet so zu verändern, dass er nicht eskaliert.»

Das sagte Eckerle im ZDF:

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