Schweiz
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Menschen auf einem Sessellift, aufgenommen zum Start der Skisaison, am Sonntag, 25. Oktober 2020, auf Parsenn in Davos. Das Skigebiet Davos Klosters startet den Wochenendbetrieb. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Bild: keystone

So viel Geld hängt an der Schweizer Skisaison – und der Vergleich zu Österreich

Italien, Frankreich und Deutschland wollen den europäischen Start der Skisaison wegen Corona hinauszögern. Österreichs Finanzminister forderte Entschädigung in Milliardenhöhe dafür – auch für die Schweiz steht viel Geld auf dem Spiel.



800 Millionen pro Woche in Österreich

Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte sorgte letzte Woche für rote Köpfe in der Schweiz: Er will den Start der Skisaison auf den 10. Januar verschieben. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schliesst eine Öffnung über die Festtage ebenfalls aus, auch aus Deutschland erhielt die Idee Unterstützung.

Nicht einverstanden ist Österreich. «Wenn die EU tatsächlich vorgibt, dass die Skigebiete geschlossen bleiben müssen, dann bedeutet das Kosten von bis zu zwei Milliarden Euro. Wenn die EU das wirklich will, dann muss sie dafür auch bezahlen», sagte Österreichs Finanzminister Gernot Blümel letzte Woche. Geschlossene Skigebiete bedeuten in Österreich einen Umsatzausfall von 800 Millionen Euro pro Woche.

Wie wichtig die Skisaison für Österreich ist, zeigt sich auch an den Skier-Days. In Österreich gibt es pro Saison durchschnittlich 52 Millionen Skier-Days – also Tage, an denen eine Person Ski fährt. Einen Grossteil davon tragen internationale Skitouristen bei. In der Schweiz sind es mit 22 Millionen nicht mal halb so viele Skier-Days.

Anzahl Skier-Days* pro Einwohner in einer Saison

*Unter Skier-Days versteht man Gäste, die an einem Tag das erste Mal eine Liftanlage benutzen. Bei mehrmaliger Beförderung am gleichen Tag wird pro Gast nur ein Skier-Day berechnet. Die Zahl bezieht sich auf den Schnitt der Saisons 2013/14 bis 2018/19 (vor Corona). statista

Bedeutung der Skisaison für die Schweiz

Wie sieht es in der Schweiz aus? Der Bundesrat hat klar festgehalten, dass die Skigebiete offen bleiben sollen – doch diese sollen sich entsprechend auf den Ansturm vorbereiten. Die genauen Massnahmen werden wohl am Freitag bekannt gegeben. Eine Schliessung bis zum 10. Januar käme nicht in Frage, zu viel Umsatz würde verloren gehen. Doch von wie viel Geld sprechen wir genau?

«Über Weihnachten und Neujahr machen Skigbiete rund einen Drittel ihres Umsatzes.»

Dr. Monika Bandi Tanner

Laut der Saisonbilanz der Seilbahnen Schweiz beliefen sich die Transporteinnahmen in der letzten (teilweise bereits durch Corona beeinträchtigten) Saison 19/20 auf rund 665 Millionen Franken. Dabei handelt es sich ausschliesslich um Einnahmen durch den Verkauf von Skipässen und -Abonnements. Natürlich wären auch Umsätze von Skischulen, Hotellerie und Gastronomie von einer (Teil-)Schliessung betroffen.

Dr. Monika Bandi Tanner, Co-Leiterin der Forschungsstelle Tourismus CRED-T der Universität Bern, erklärt eine in der Branche anhin grobe Faustregel: «Im Schnitt machen die Skigebiete einen Drittel des Umsatzes über Weihnachten und Neujahr, einen weiteren Drittel in der offiziellen Skiferien-Saison im Februar und den letzten Drittel über die restliche Saison verteilt.» Dass auf die umsatzreichen Skitage über Weihnachten nur äussert ungern verzichtet wird, ist also selbsterklärend.

Wie sich der Umsatz einer Saison zusammenstellt

Aufteilung des Umsatzes auf eine Skisaison

Bild: watson

Entsprechend dieser Faustregel würden den Schweizer Skigebieten und deren Bahnen wohl über Hundert Millionen Umsatz verloren gehen. Die Expertin betont jedoch: «Natürlich ist der Umsatz über die Weihnachtstage aber auch wetterabhängig. Ist das Wetter schlecht, fehlt der gewichtige Anteil der spontanen Skifahrer. Aber bei gutem Bergwetter erreichen die Skigebiete dann ihre Spitzentage.»

Hinzu kommt, dass ein Teil des Verlustes durch Corona bereits Tatsache ist. Durch den «Lockdown» im Frühsommer fiel bereits etlicher Umsatz aus. Der Sommer lockte die Gäste zwar wieder in die Berge. Von vollen Bergbahnen und Restaurants hielt man jedoch oft Abstand: Viele Wanderer kamen als Tagesgäste, verursachten Verkehr und füllten die Parkplätze – viel Geld liessen sie aber nicht liegen.

Der laufende Winterbetrieb sei für viele Bergbahnbetreiber also überlebenswichtig. Laut Monika Bandi war rund ein Drittel der Schweizer Betriebe bereits in guten Jahren vor Corona finanziell herausgefordert und konnte oft nur dank Beteiligung von Gemeinden überleben.

Für Graubündens Volkswirtschaftsdirektor Marcus Caduff ist klar: «Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass die Skigebiete an Weihnachten schliessen, wäre der Schaden enorm und oft irreparabel.»

Gegenüber Österreich hat die Schweiz ein Ass im Ärmel

In Österreich ist der Druck, die Skigebiete zu öffnen, noch grösser als in der Schweiz. Das hängt auch damit zusammen, dass die österreichischen Bergbahnen den Bärenanteil des Umsatzes im Winter generieren, während in der Schweiz viele Destinationen auf Ganzjahres-Tourismus setzen.

Ausserdem hat der Aufruf, im Corona-Sommer im eigenen Land Ferien zu machen, in der Schweiz deutlich besser angeschlagen als in Österreich. Hierzulande konnten Binnentouristen einen beträchtlichen Teil des Umsatzausfalls wettmachen. In Österreich war dies laut Monika Bandi weniger der Fall.

Limitierungen durch den Bundesrat

Nach den Plänen des Bundesrates sollen Schweizer Bergbahnen mit Stehplätzen maximal zu zwei Dritteln ihrer ursprünglichen Kapazität ausgelastet werden dürfen. Laut der Expertin der Universität Bern wird es dadurch insbesondere bei Skigebieten mit einer Zubringerbahn zu einem Nadelöhr kommen. In dezentralen Destinationen, wie beispielsweise dem Saanenland, werden sich die Besucherströme gut verteilen.

Wie auch immer die Entscheide des Bundesrates ausfallen werden – wichtig sei, dass die Skigebiete grundsätzlich offen bleiben: «Mit gestrichenen Familienfesten und Weihnachtsmärkten wurde schon vieles abgesagt in diesem Jahr. Es ist wichtig, dass die aus gesundheitlicher Sicht vertretbaren Aktivitäten möglich bleiben – ein Besuch in der Natur gehört da dazu», meint Tourismusexpertin Monika Bandi.

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