Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIV ? ZU DEN THEMEN AN DER HERBSTSESSION DER EIDGENOESSISCHEN RAETE VON HEUTE DONNERSTAG, 12. SEPTEMBER 2019, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG -  Die beiden Jaeger Sep Mathias Pfister und Christian Janka spiegeln am Donnerstag, 27. September 2012, nach einer stuermischen Nacht mit Schneefall in hoeheren Regionen ihr Jagdgebiet in Obersaxen im Buendner Oberland ab. Die dreiwoechige Buendner Hochjagd dauert noch bis zum kommenden Sonntag. (KEYSTONE/Arno Balzarini)....The two huntsmen Sep Mathias Pfister, left, and Christian Janka, right, use their binoculars to look out for prey at the hunting ground in Obersaxen, canton of Grisons, Switzerland, Thursday, September 27, 2012. The three-week hunting season lasts until upcoming Sunday, September 30. (KEYSTONE/Arno Balzarini)

Jägerinnen und Jäger sind gespannt auf die Volksabstimmung im September 2020. Bild: KEYSTONE

Dürfen Otter bald abgeschossen werden? 7 Fragen zum Jagdgesetz-Referendum

Am 27. September 2020 ist die Abstimmung über das Jagdgesetz. watson beantwortet die wichtigsten Fragen zur Vorlage.



Wenn es um den Wolf, die Jagd und Otter geht, dann streiten Schweizerinnen und Schweizer hochemotional. So war es auch im Parlament, als das neue Jagdgesetz erarbeitet wurde. Am 27. September 2020 stimmt die stimmberechtigte Bevölkerung über die Vorlage ab.

Volksabstimmungen vom 27. September 2020
Im September stimmt die Schweiz über die Begrenzungsinitiative, den Gegenvorschlag zum Vaterschaftsurlaub, über höhere Kinderabzüge und über das Jagdgesetz ab. Über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge kommt es zur Abstimmung, nachdem das Referendum zustande kam.

Was soll geändert werden? Welche Tiere sind betroffen? Und wie versteht man die Argumente, auch wenn man zuvor keine Ahnung von der Jagd hatte? watson hat die wichtigsten Fakten dazu zusammengefasst.

Was muss ich zur Jagd in der Schweiz wissen?

Die Jagd in der Schweiz hat heute unter anderem den Zweck, die Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern. Dieser Grundsatz gilt seit 1988: Die Politik versuchte damals mit einem neuen Jagdgesetz, einen Ausgleich zwischen Wildpopulation, den Interessen des Menschen und der Natur zu finden. Heute wird unterschieden zwischen:

Für diese jagbaren Tiere gilt eine Schonzeit

Diese Umstellung auf den Artenschutz in den 1980er Jahren hatte Erfolg. Viele Tiere konnten sich wieder ansiedeln und ihre Population ausbauen. Das passt nicht allen. So klagt die Landwirtschaft über rund 200 jährlich vom Wolf gerissene Tiere. Auch Bären gerieten in den Fokus, weil sie häufiger ihre natürliche Scheu ablegen und in Dörfern gesichtet werden.

Was will das neue Jagdgesetz?

Die grössere Wildpopulation, die Gefahr für Mensch und (Nutz-)Tier und der Wertewandel sorgten vor rund zehn Jahren für ein Umdenken. So wurde ein «grösserer Spielraum» bei der «Regulierung» von Wolfsbeständen gefordert. Das Parlament wünschte zudem eine Modernisierung des Jagdgesetzes.

Die Schweiz stimmt am 27. September 2020 über das neue Jagdgesetz ab. Bundesrat und Parlament haben die Forderungen der letzten Jahre in eine Gesetzesänderung verpackt. Folgendes soll sich ändern:

Kriegt die Schweiz jetzt ein «Abschussgesetz»?

Dieselbe Frage stellt sich die PR-Abteilung von Bundesrätin Simonetta Sommaruga selbst. Der Begriff «Abschussgesetz» wird immer wieder von Naturschutzverbänden ins Spiel gebracht. Eine klare Ja-Nein-Antwort gibt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) auf seiner Webseite nicht.

Die Antwort auf diese Frage ist deshalb nicht ganz einfach. Ein Blick auf die Änderungen beim Wolf machen das klar. Kommt ein Wolf einem Dorf ohne Scheu gefährlich nah, soll der Abschuss vom Kanton freigegeben werden dürfen, noch bevor der Wolf Schäden anrichtet. Einen solchen Abschuss muss der Kanton beim Bund vorgängig begründen.

So soll ein Wolfsrudel wieder die Scheu vor dem Menschen lernen. Die Tötung von ganzen Rudeln bleibt verboten. Gleichzeitig wird die Landwirtschaft in die Pflicht genommen: Schafe und Ziegen sollten neu mit Zäunen und Hunden geschützt werden, damit der Wolf sie gar nicht erst reissen kann. Wer das nicht tut, kriegt neu keine Entschädigung für gerissene Tiere.

Wieso sind Naturschutz-Verbände dagegen?

Junger Fischotter im Zuercher Zoo beim traditionellen Zoo Apero am Mittwoch, 20. August 2014. Im Zoo Zuerich hat es Nachwuchs bei den Fischottern gegeben. Gleich drei junge brachte das Weibchen LULU bei ihrer ersten Geburt zur Welt. (KEYSTONE/Walter Bieri )

Naturschutzverbände befürchten, dass der Bundesrat Fischotter als «quasi jagbar» einstufen könnte. Bild: KEYSTONE

Naturschutzverbände kritisieren das Gesetz als «unausgewogen». Von der «ungenügenden Arbeit des Parlaments» sei der Artenschutz betroffen, mehrere Tierarten sowie die Natur kämen «noch mehr unter Druck».

Ihre Argumente im Detail:

Was sind die Argumente für das neue Jagdgesetz?

Für Umweltministerin Simonetta Sommaruga (SP) handelt es sich bei der Vorlage um «einen klassischen schweizerischen Mittelweg». Sie stellte Ende Februar die Argumente des Bundesrates vor:

Video: youtube

Wie stimmst du beim Jagdgesetz im September 2020 ab?

Wie sind die Städte davon betroffen?

In den vergangenen Jahren verirrten sich Wildtiere auch absichtlich oder unabsichtlich in die Nähe von Städten und Zentren. Sie verursachten dabei auch schon grössere Schäden, wie die folgenden watson-Berichte darüber zeigen:

Hat das Jagdgesetz eine Chance?

Eine klare Antwort ist hier noch nicht möglich. Der Bundesrat und das Parlament geniessen ein hohes Vertrauen der Stimmbevölkerung. Referendumsvorlagen haben deshalb zu Beginn von Abstimmungskämpfen traditionell hohe Sympathien.

Ob dies auch beim Jagdgesetz so ist, dürfte in einigen Tagen klar sein. Dann werden die ersten Umfrage-Resultate von gfs.bern im Auftrag der SRG erwartet. Eine zweite Umfrage wird erfahrungsgemäss im September veröffentlicht.

Unbestritten ist, dass Bundesrätin Sommaruga sich auf einen emotional geführten Abstimmungskampf einstellen sollte. Einen Vorgeschmack darauf erhielt sie letztes Jahr, als sich im Parlament Berglerinnen, Städter, Tierschützer und Bäuerinnenvertreter um Details der Vorlage zankten.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

22 Grafiken, die perfekt zeigen, wie man Tiere richtig streichelt

100 Elefanten werden täglich für Elfenbein getötet

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

3 Hauptargumente der KVI-Gegner auf dem Prüfstand

Der Kampf um die Konzernverantwortungsinitiative (KVI) tobt unerbittlich. Dabei argumentieren die Gegner auch mit Vorwürfen, die sich bei genauerer Betrachtung als falsch herausstellen. Drei Argumente im Prüfstand.

Im Abstimmungskampf zur KVI gehen die Wogen hoch. Ja-Fahnen zieren jeden zweiten innerstädtischen Balkon, die Initianten machten diese Abstimmung zur teuersten aller Zeiten. Auf der anderen Seite werden die Initianten auf Facebook in einer Verleumdungskampagne als «linke Krawallanten» verunglimpft und Ueli Maurer wird «bei der Arroganz, die hinter dieser Initiative steckt, fast schlecht».

So hart die Bandagen in diesem Kampf sind, so knapp wird wohl auch das Ergebnis werden. Momentan liegen …

Artikel lesen
Link zum Artikel