Schweiz
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Sumba, Pasola-Festival,  Bild: Shutterstock

Das Pasola-Festival, ein kriegerisches Reiterspiel, ist vermutlich das Bekannteste aus Sumba. bild. Shutterstock

Einzige Schweizer

Diese Schweizerin lebt auf der «vergessenen Insel» Sumba: «Alle Männer tragen Machete»

Gegensätzlicher könnte das Leben für die Schweizer Ursi und Rico kaum sein. Während sie im Luxushotel arbeiten, gehören Besuche bei Dorfältesten inklusive Blutgetränk dazu. Willkommen auf Sumba, der vergessenen Insel Indonesiens.



Wenn du Sumba kennst, bist du vielleicht ein Surfer. Oder du bist einer dieser Individualtouristen, immer auf der Suche nach dem unbekannten Ort. Denn Sumba, soviel wird bei dem Gespräch mit Ursi Haus schnell klar, trägt ziemlich zurecht seinen Übernamen «Vergessene Insel». Kaum jemand kennt sie.

Kurz vor Weihnachten weilte Ursi in der Schweiz. Sie und ihr Mann leben seit Sommer 2019 auf Sumba und arbeiten im Luxushotel Nihi Sumba. Wir trafen die Nidwalderin zum Gespräch – und tauchten in eine verrückte Welt ein, die es so nur auf der vergessenen Insel Sumba gibt.

Sumba in Kürze Infografik

Bild: watson

Ursi, bei uns auf der Redaktion hatte zuvor noch niemand von Sumba gehört. Wie bist du dort gelandet?
Ursi Haus: Es ging mir genau gleich. Mein Mann Rico erhielt ein Jobangebot auf Sumba. Ich musste erst googeln, wo das genau liegt.

Erklär's uns.
Sumba gehört zu Indonesien. Es liegt südlich der Insel Komodo und rund 400 Kilometer östlich (50 Minuten Flug) von Bali, das halb so gross ist. Die Insel wird als «wilde Ecke» Indonesiens betitelt oder gerne auch als «vergessene Insel». Sumba selbst teilt sich in einen West- und Ostteil. Während im Westen die meisten der rund 600'000 Einwohner leben und man teilweise westliche Einflüsse sieht, ist der Osten noch total wild und sehr ursprünglich.

Wieso «vergessene Insel»?
Die Insel ist nicht so attraktiv, sie hat wenig Ressourcen. Indonesiens Hauptstadt Jakarta liegt weit weg und dort glauben viele sowieso, im Osten leben nur noch Halbwilde. Palmöl wird hier nicht angebaut. Zudem ist Bali nah, das in Sachen Tourismus alles überstrahlt.

Sumba, Bild: Shutterstock

Endlose Hügellandschaft in Sumba mit einem Reiter auf einem Sumba-Pferd. bild: Shutterstock

Das Jobangebot hat dein Mann trotzdem angenommen.
Genau. Er unterschrieb «blind», wir waren zuvor nie dort. Wir arbeiteten zehn Jahre in Hotels in Asien, das Nihi Sumba wurde 2016 und 2017 zum besten Hotel gewählt, darum war es uns zumindest ein Begriff. Wir waren nie auf der Insel, aber durch verschiedene Gespräche und weil wir zuvor vier Jahre in einem Nationalpark im Norden Balis arbeiteten, konnten wir uns das Leben auf Sumba einigermassen vorstellen. Im Juni 2019 zogen wir auf die Insel.

Und? Wie sind die ersten Eindrücke?
Sumba ist einfach sehr, sehr speziell. Es gefällt uns sehr gut, aber wir staunen noch immer täglich, wie das Leben hier abläuft.

Ursi Rico Haus, Sumba, Bild: Ursi Haus

Ursi und Rico Haus leben seit Sommer 2019 auf Sumba. bild: Ursi haus

Ein Luxushotel mitten in einer wilden, armen, vergessenen Ecke Indonesiens. Das ist doch paradox.
Das ist so. Aber wie gesagt, es läuft hier völlig anders als bei anderen Hotels dieser Klasse. Wir sind keine Hotelkette, haben 350 Angestellte bei 34 Villen. Kein Hotelier glaubt dir, dass das funktionieren kann. Zudem ist die Beziehung zur lokalen Bevölkerung sehr eng.

Wie kam man überhaupt auf die Idee, da so ein Luxushotel hinzustellen?
Der angefressene Surfer Claude Graves kam 1988 mit seiner Frau Petra in diese Lagune. Er surfte auf der ganzen Welt, kam hierher und sagte: Das ist es. Die beiden lebten sechs Wochen im Zelt am Strand, bauten dann eine Bambushütte und zwölf Strohhütten. Die ersten drei Jahre hatten sie kein fliessendes Wasser. Später verkauften sie das kleine Hotel, es wurde eine Luxusanlage daraus. Claude und Petra gründeten die Sumba Foundation und leben noch heute auf der Insel.

Nihi Sumba, Bild: Nihi Sumba

Das Nihi Sumba an Sumbas Westküste. bild: Nihi sumba

Lass uns über die Insel reden. Du sagst, sie sei sehr, sehr speziell. Woran denkst du da?
Es gibt viele Aspekte. Woran ich mich noch immer nicht richtig gewöhnt habe, ist, dass hier jeder Mann mit einem Barang (eine geschliffene Machete) herumläuft. Immer. Und sie tragen den Barang sehr prominent. Auch wenn sie im Hotel Gäste bedienen. Also wenn du dich beschweren willst, überlegst du dir das zweimal (lacht).

Bist du auch «der/die Einzige»?

Wir suchen für unsere Serie «Der/die einzige Schweizer/in» spannende Menschen, die entweder an speziellen Orten leben oder sonst im Ausland etwas Aussergewöhnliches erlebt/absolviert haben. Gehörst du dazu oder kennst du jemanden, der uns seine Geschichte erzählen möchte? Schreib uns an reto.fehr@watson.ch

Alle bisherigen Artikel aus der Serie findest du hier.

Warum ist das so?
Sumba ist wild, die Stämme hier waren lange kriegerisch. Das zeigt sich einerseits noch immer jährlich beim Pasola-Festival, andererseits sagt man hier, dass ein Mann ohne Barang nur zu 70 Prozent ein Mann sei. Sie sind sehr stolz auf ihre Waffe, die teilweise über Generationen weitergegeben wird und wunderschön geschnitzt ist. Im Alltag brauchen sie ihren Barang, um Kokosnüsse zu öffnen, das Töffli zu flicken oder wirklich auch bei Auseinandersetzungen. Das ist im Osten allerdings noch verbreiteter. Dort werden auch Landkämpfe so ausgetragen – bis es Tote gibt.

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Das ist das Pasola-Festival (englisch). Video: YouTube/Nihi Sumba

Was ist dieses Pasola-Festival?
Ein kriegerisches Reiterspiel. Die Kontrahenten bewerfen sich mit Speeren. Immerhin müssen sie seit einigen Jahren ihre Speere stumpf machen. Sie spielen, bis Blut fliesst. Früher galt es als Ehre, beim Spiel zu sterben, heute kommen Todesfälle zum Glück nur noch selten vor. Gefeiert wird die Reisanbausaison. Es treten die ursprünglichen Stämme gegeneinander an. Es geht um viel: eine gute Ernte, den Ahnen zu danken, der Stolz des Dorfes zu sein. Das ist kein «Gspass».

Sumba, Bild: Shutterstock

Speere und Reiter auf Pferden ohne Sättel: Das ist das Pasola-Festival. bild: shutterstock

Warst du da vor Ort?
Das Festival findet jeweils erst im Februar/März statt. Das Datum für 2020 steht noch offen. Es wird von den Dorfältesten festgelegt, sobald die Ringelwürmer aus dem Meer kommen. Es gibt auch verletzte Zuschauer. Unsere einheimischen Freunde rieten uns darum, dass wir das Spektakel besser von einem sicheren Hügel aus bestaunen sollen. (lacht)

Wie sehr sind die alten Rituale und Traditionen auf Sumba noch erhalten?
Extrem. Das Pasola-Festival und der Barang sind nur Beispiele. Auch die Dörfer sind oft noch sehr traditionell. Die Marapu-Religion ist hier verbreitet. Die Insel ist zwar eigentlich christlich, aber die Marapu-Religion existiert parallel. Die Einwohner können am Morgen in eine Kirche und am Nachmittag ihre alten Bräuche leben.

Was macht die Marapu-Religion aus?
Es ist ein Götter-, Geister- und Ahnenkult. Die Geister der Toten bleiben unter den Lebenden. Darum wird ihnen auch jeweils ein Teller mit Esswaren hingestellt, wenn man am Tisch sitzt. Und die Menschen glauben, dass Verstorbene ihnen gnädig gesinnt bleiben und zu Marapu-Göttern werden, wenn sie an deren Beerdigungen genügend Opfertiere schlachten. Das sind jeweils reinste Schlachtfelder, alles blutgetränkt. Schlimm.

Sumba, Bild: Shutterstock

Marapu-Häuser auf Sumba. bild: shutterstock

Hört sich übel an.
Ja, für unsere Standards ist das wirklich «grausig». Und du darfst nie einem Sterbenden versprechen, dass du 20 Wasserbüffel opferst, aber dann nur 18 auftreiben kannst. Dann musst du warten, bis du genügend Opfertiere zusammen hast. Sonst kommt der Geist des Toten und tötet dich eines Nachts. Teilweise werden Verstorbene noch wochen- oder gar monatelang nicht endgültig beerdigt, weil sich die Familien keine «angemessene» Beerdigung leisten können. Familien verschulden sich hier, um eine Beerdigungszeremonie durchzuführen, man will ja, dass der Tote zu einem Marapu-Gott wird. Wenn ein guter Reiter stirbt, wird sein Pferd auch umgebracht und mit ihm beerdigt.

Gibt es sowas wie Friedhöfe?
Nein, normalerweise werden die Menschen vor ihrem Haus beerdigt. Die Körper sind dann in riesigen Monolithen, einer Art Altare. Da wird teilweise auch ein Teller mit Essen hingestellt.

Sumba, Bild: Shutterstock

Männer in traditioneller Tracht in Ostsumba. bild: shutterstock

Wird nur bei Beerdigungen so viel geschlachtet?
Nein, leider zu jeder Gelegenheit. Egal ob Beerdigungen, Hochzeiten, Geburtstage oder auch beim Bau eines neuen Brunnens: Es wird geschlachtet. Ein Büffel gilt hier als Statussymbol. Je mehr Büffelköpfe du an deinem Haus hast, desto höher stehst du in der Gesellschaft.

Wart ihr auch schon mal richtig involviert in so einen Anlass?
Ja, mein Mann. Als neuer Chef im Hotel wollte ihn der Kepala Desa (Dorfoberhaupt) treffen. Mit dem muss man sich gut verstehen, da kannst du nicht nein sagen, sonst bist du weg.​

Wie lief's?
Sie sassen drei bis vier Stunden zusammen und tranken Palmschnaps. Man versucht Konversation zu machen, aber das ist sprachlich nicht einfach. Dann kam der Kepala Desa zum Schluss: Das ist ein guter Mann. Die Freundschaft musste besiegelt werden, indem mein Mann ein Schwein schlachtet. Er konnte das nicht, so einigte man sich auf ein Huhn. Da musst du durch, inklusive noch ein bisschen Blut trinken. Sonst kommst du nicht mehr raus.

Sumba, Bild: Shutterstock

Der Walakiri Beach in Sumba bei Sonnenuntergang. bild: shutterstock

Wie wichtig sind diese Dorfoberhäupter?
Sehr wichtig, sie sind das Gesetz. Dazu gibt es auf Sumba vier Regionalchefs. Wenn du dich mit diesen Chiefs gut verstehst, ist alles gut. Wir haben sie noch nicht kennengelernt, aber Claude Graves (der ursprüngliche Nihi-Gründer) kann es mit allen sehr gut und wird teilweise auch um Rat gefragt.

Wie ist eigentlich die Stellung der Frau in dieser Gesellschaft?
Du kannst überall hin und hast da keine Einschränkungen. Aber die Dorfoberhäupter sprechen dann nur mit dem Mann. Der Mann trifft die Entscheidungen.

Wie wird allgemein mit Ausländern umgegangen?
Alle sind sehr nett. Die Kinder winken und schreien vor Freude, wenn ein Ausländer kommt. Die Stimmung ist nie negativ. Sie sind viel direkter als auf Bali, fragen auch immer wieder nach. Englischkenntnisse sind allerdings nur bei den Jungen wirklich vorhanden.

Sumba, Bild: Shutterstock

Die gewobenen Ikat-Stoffe sind auf Sumba bekannt und eines der bekanntesten Mitbringsel der Insel. bild: shutterstock

Wie sieht ein typischer Tag für die lokale Bevölkerung aus?
Sie stehen extrem früh auf. Die Männer gehen aufs Feld, schauen zu ihren Büffeln. Die Frauen kochen und bringen die Kinder in die Schule. Immer wieder spannend ist, wie die Leute hier alles auf dem Kopf tragen. Dadurch haben sie sich eine faszinierende Balance und Körperhaltung angeeignet.

Und wie bewegt man sich fort?
Autos gibt es nicht viele, Kleinbusse fahren vereinzelt, Taxis existieren nicht. Töffli und Pferde sind die wichtigsten Transportmittel. Es ist hier vermutlich wie auf Bali vor 60 Jahren. Wer auf dem Flughafen von Tambolaka ankommt, fragt einen Einheimischen, ob er ihn mitnehmen kann. Zu uns zum Hotel sind es gut 90 Minuten. Die Gäste werden in offenen Jeeps abgeholt, das gibt so ein bisschen ein Jurassic-Park-Feeling. Du hast das Gefühl, du bist auf einem anderen Planeten.

Wie sieht es landschaftlich aus?
Man wähnt sich eher in Afrika oder Australien als in Südostasien, weil es oft sehr trocken ist. In Westsumba wird viel Reisanbau betrieben, aber sonst ist es steppenmässig trocken und braun. Es erinnert auch etwas an Sardinien im Sommer.

Sumba, Bild: Shutterstock

Im Osten Sumbas wird es hügeliger als im Westen. Aber auch hier ist das Grün selten kräftig. bild: shutterstock

Was sind die grössten Probleme der Insel?
Die Kindersterblichkeitsrate ist eine der höchsten der Welt. Das hängt auch mit dem weit verbreiteten Malaria zusammen. Allerdings konnten wir in einer Region in Westsumba dank der Foundation Malaria-Fälle um 93 Prozent senken. Einige der weltbesten Malariaforscher leben hier um die Ecke.

Wie sieht es allgemein mit der medizinischen Versorgung aus?
In Ostsumba hat es nichts. In Westsumba sind Schmerztabletten und eine minimale medizinische Versorgung gewährleistet. In der Schweiz nimmst du gegen alles eine Tablette, hier befragen sie die Ahnen. Die Foundation geht auch mal mit dem Ultraschall-Gerät zu Schwangeren in Dörfern, das ganze Dorf schaut dann auf den Bildschirm und sieht das Baby. Einige nennen das Geisterzeugs.

Hattest du schon ein medizinisches Problem auf Sumba?
Ich nicht, aber eine Kollegin hatte einen Schlangenbiss am Fuss. Sie ging auf die Krankenstation. Mit westlicher Medizin schwoll der Fuss extrem auf. Eine Einheimische holte danach einen Medizinmann. Der kaute irgendwelche Kräuter, nahm die Masse aus dem Mund und pappte sie um den Fuss. Dann liess er noch Spucke so richtig aus dem Mund tropfen. Zum Zuschauen war das übel. Aber am nächsten Tag war die Schwellung weg.

Sumba, Bild: Shutterstock

Ganz unten sind die Tiere zuhause, im Teil unter dem flachen Dach ist der Wohnraum der Menschen und im hohen Dach werden die Vorräte aufbewahrt. bild: Shutterstock

Wie läuft die Versorgung auf der Insel?
Der Fisch ist sensationell, Reis und Kokosnüsse gibt es genügend. Aber sonst nicht viel. Die Menschen hier kauen ohne Ende Betelnüsse. Von Bali aus kommt zweimal im Monat ein Versorgungsschiff an. Auf der Insel selbst gibt's kleine Kioske, aber sonst eigentlich vor allem Märkte für Früchte und Fisch.

Wenn ich mir die Nacht im Nihi Sumba nicht leisten kann, aber trotzdem nach Sumba möchte, wo komme ich unter?
Es gibt einige kleinere Gasthäuser, aber der Tourismus steckt in den Kinderschuhen. Zum Teil bieten auch Locals Zimmer mit internationalem Standard an (westliches WC, etc.). Neben dem Nihi gibt es ein Resort, das rund 500 Franken pro Nacht kostet, und junge Australier haben in der Nähe ein kleines Hotel mit acht Zimmern eröffnet. Oder du fragst direkt bei der lokalen Bevölkerung, die nehmen dich mit in ihr Haus im traditionellen Dorf. Restaurants sind selten. Etwa 30 Minuten von uns gibt es eine Pizzeria, 15 Minuten entfernt lebt ein Italiener, der in seinem Privathaus eine Art Restaurant betreibt.

Du hast die traditionellen Dörfer angesprochen. Die bestehen aus Marapu-Häusern, wie sieht es da aus?
Marapu-Häuser sind immer gleich aufgebaut. Unten leben die Tiere, im 1. Stock die Familie. Da gibt es eine grosse Feuerstelle, um welche das Leben stattfindet. Oben im hohen Dach lagern sie die Vorräte. Solche Häuser sind für uns wie Raucherhöhlen.

Ein traditionelles Marapu-Dorf auf Sumba. bild: Shutterstock

Wie gehen die Einheimischen mit den krassen Gegensätzen um bei euch im Hotel und bei sich zuhause?
Da prallen tatsächlich zwei Welten aufeinander. Sie sind sehr stolz auf ihre Herkunft und zeigen ihr Leben auch gerne Besuchern oder bringen Selbstgemachtes mit. Eifersucht auf das Geld ist nicht da. Sie vergleichen weniger als wir. Was aber nicht geht: wenn jemand nicht gleich behandelt wird wie andere.

Was können wir von ihnen lernen?
Etwas mal gut sein lassen. Manchmal wird etwas nicht perfekt, aber das ist auch okay. Und dann natürlich die Freundlichkeit. Es fällt immer wieder auf, wie die Leute hier nett miteinander sind.

Und was könnten sie von der Schweiz lernen?
Das ist immer ein zweischneidiges Schwert. Bei den Schweizern hast du grossartige Dinge wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit oder Ordnung – aber oft mit einem «Lätsch». Auf Sumba hast du das nicht, erhältst dafür immer ein Lächeln. Jeder muss selber abwägen, was einem wichtiger ist. Natürlich drehst du manchmal fast durch, aber die haben so einen Charme, dann ist es schnell auch wieder vergessen. (lacht)

Bild

Auch das ist Sumba: eine christliche Kirche im westlichen Teil des Landes. bild: Shutterstock

Was vermisst du aus der Schweiz?
Die Jahreszeiten. Die vermisse ich wirklich. Auf Sumba ist es immer heiss. Ich habe gerne auch mal kalt oder Nebel. Und dann natürlich die üblichen Dinge: Familie, Freunde oder Esswaren wie Schweizer Brot.

Wie oft bist du noch in der Schweiz?
Ich versuche drei bis vier Mal zu kommen. Meine ganze Familie lebt hier.

Ihr seid seit zehn Jahren im asiatischen Raum unterwegs. Wie lange wollt ihr auf Sumba bleiben?
Der Vertrag gilt für ein Jahr, das ist eine normale Laufzeit in diesem Geschäft. Uns gefällt es aber super und wir hoffen, dass wir länger bleiben können. Es war hier für uns wie ein Heimkommen. Wir sind weg vom Schuss, müssen alles selbst organisieren, das gefällt uns. Aber klar: Sicherheiten gibt es nicht.

Und irgendwann kommt ihr zurück in die Schweiz?
Wir geniessen die Ferien in der Schweiz jeweils sehr, die Schweiz ist wunderschön. Wir kamen mal für ein Jahr zurück und arbeiteten in einem Hotel. Aber es zog uns wieder weg. Ob wir jemals wieder hier leben können? Keine Ahnung.

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37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pümpernüssler 18.02.2020 18:41
    Highlight Highlight Huber kannte Sumba nicht? Das kann ich mir gar nicht vorstellen.
  • Natürlich 18.02.2020 17:30
    Highlight Highlight Krass, dass es 300 Jahre nach Einsetzen der Aufklärung in Europa, immer noch solche Orte gibt, an denen die Zeit teilweise komplett stillgestanden hat.
    Danke für den Bericht.
    Finde ich immer sehr spannend zum Lesen.
    • Kruk 19.02.2020 15:39
      Highlight Highlight Krass finde ich was die Europäer sich auf ihre "Aufklärung" einbilden...
  • Reina 18.02.2020 14:47
    Highlight Highlight Ich war im Oktober für 3 Wochen in Sumba. Diese Insel ist unglaublich schön und ich habe noch nie in meinem Leben schönere Natur erlebt wie dort. Mit meiner besten Freundin habe ich Orte entdeckt wo wahrscheinlich fast niemand je gesehen hat. Schönste Strände, Wasserfälle und Reisfelder. Nur mit dem Essen hatten wir Mühe, da es keine Restaurants und Supermärkte gibt. Ich werde bestimmt wieder gehen, da ich nur die halbe Insel sehen konnte auf Grund der schlechten oder nicht vorhandenen Strassen. Leider wird der Tourismus auch diese Perle bald entdecken und zerstören. Für Abenteurer geeignet.❤️
    • natalie74 18.02.2020 15:17
      Highlight Highlight Du gehst also als Touristin dahin und findest es schade, dass der Tourismus die Insel zerstören wird?

      Lustige Sichtweise.
    • Reina 18.02.2020 15:29
      Highlight Highlight @natalie74
      Du hast absolut Recht tönt natürlich paradox. Ich meine damit eher die Zerstörung der Natur. Man sieht bereits jetzt, dass sie ein Abfallproblem haben. In der Regel kommen zuerst Betreiber an solche Orte die vordergründig Profit als Interesse haben und nicht der Schutz der Natur. Die war ja auch bereits auf Bali der Fall. Auch die Art und Weise der Überbauungen und die Nichtrücksichtnahme auf die Einheimischen. Jeder Reisende trägt wohl oder übel dazu bei. Wäre schön diese rohe Natur könnte möglichst erhalten bleiben.
    • Roman h 18.02.2020 16:52
      Highlight Highlight Kein Wunder gibt es keine oder nur wenige Restaurants.
      Wenn man nur 150.- pro Monat verdient kann man auch nicht so oft Essen gehen.
      Für Touristen ist 7.- ja nicht viel aber für die Einheimischen.
      Wenn sie also mehr Möglichkeiten zum essen wollen, muss es mehr Touristen geben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Randalf 18.02.2020 14:35
    Highlight Highlight
    Immer wieder schön zu lesen, dass das Leben auch anderswo und andersrum funktioniert als in unserem alltäglichen Trott.
    Danke watson für diese Serie "Einzige Schweizer".
  • Michele80 18.02.2020 14:20
    Highlight Highlight Vorweg: Ich find die Serie ein total gutes Format, das ich immer sehr gerne lese. Diese Ausgabe aber hat mich enttäuscht. Hier stellt sich jemand in eine Expertenrolle über eine Kultur, von der sie bis vor einem halben Jahr nichts wusste, erläutert Anlässe und Rituale, an denen sie nicht teilgenommen hat, in einer Sprache, die sie nicht versteht. Das passt für mich nicht und hinterlässt diesen fahlen Geschmack von Ethnozentrismus, da sie wertet. Viel interessanter hätte ich es gefunden, wenn sie über ihren eigenen Alltag, ihre eigenen Erlebnisse, über das was SIE betrifft, berichtet hätte.
    • maga84 18.02.2020 16:10
      Highlight Highlight Stimme ich voll zu!
    • Reto Fehr 18.02.2020 17:58
      Highlight Highlight Der eigene Alltag kommt hier wirklich etwas zu kurz. Mein Fehler.
      Ich fand die Insel sehr interessant und fragte daher mehr über Land und Leute. Sie stellt sich nicht in die Expertenrolle. Bei Fragen zur Kultur & Bräuchen ist vieles nach Gesprächen mit Einheimischen, mit welchen sie täglich Kontakt hat. Finde ausserdem, dass man sich nach 6 Monaten schon ein gutes Bild einer Region machen kann.
    • Normal 18.02.2020 19:01
      Highlight Highlight @Reto Fehr: Nach 6 Monaten unter Einheimischen sicher. Aber ihr Mann Leitet ein Hotel das für Eine Woche 20-70 Tausend Dollar will. Und der Durchschnittsbürger verdient im Monat 150 Dollar.

      Ich bezweifle irgendwie, dass sie sehr viel Kontakt zu den Einheimischen hat mit Ausnahme der Hotelangestellten, die hoffentlich etwas mehr als 150 verdienen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • valentino rossi 18.02.2020 13:42
    Highlight Highlight die corona flasche passt auch zum aktuellen thema...
  • SPW1337 18.02.2020 13:22
    Highlight Highlight Durchschnittslohn 150 Franken pro Monat. Benzinpreis über 50 Rappen pro Liter. Gibts dort auch keine Autos?
    • Duweisches 18.02.2020 18:37
      Highlight Highlight „Autos gibt es nicht viele, Kleinbusse fahren vereinzelt, Taxis existieren nicht. Töffli und Pferde sind die wichtigsten Transportmittel.“
  • PlayaGua 18.02.2020 13:22
    Highlight Highlight Googelt nicht die Preise des Hotels...
    • DerSeher 18.02.2020 13:38
      Highlight Highlight Wooow..... üübel...!
    • Züzi31 18.02.2020 13:44
      Highlight Highlight Hab auf den link zum Hotel geklickt. Dummerweise. 😂
      Ich dachte dann bei den Preisen, das muss eine komische, wertlose Währung sein. Dann hab ich festgestellt, das sind USD... 😳😂
    • Stargoli 18.02.2020 13:49
      Highlight Highlight Wenn eine Übernachtung etwa einem durchschnittlichen lokalen Jahresgehalt entspricht😮🤯
    Weitere Antworten anzeigen
  • Wiesler 18.02.2020 13:18
    Highlight Highlight Gutes Interviev mit einer interessanten Frau über eine suuper exotische, mir unbekannte Kultur.
    Bitte mehr davon!👍
  • Bert der Geologe 18.02.2020 13:10
    Highlight Highlight Einzige Schweizer ist und bleibt meine Lieblingsserie bei watson.
  • Mike Milligan 18.02.2020 12:37
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.

Einzige Schweizer

Die (fast) einzige Schweizerin auf Palau: «Wenn es an etwas nicht fehlt, dann an Autos»

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