Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Michel Mayor und Didier Queloz – die Planetenjäger aus Genf

Nächtelang haben die beiden nun gekürten Schweizer Nobelpreisträger das Sternenlicht gemessen. Sie hatten schliesslich Glück bei ihrer Jagd nach Planeten. In der Community der Astrophysiker ist man über die Wahl nicht überrascht, sagt einer, der letzte Woche noch mit Didier Queloz zu Mittag gegessen hat.

Sabine Kuster / ch media



Didier Queloz und Michel Mayor entdeckten 1995 den ersten Exoplaneten bei einem sonnenähnlichen Stern. Seither wurden über 4000 Planeten bei fernen Sternen nachgewiesen. Die Exoplanetenforschung zeigt aber auch, wie einzigartig die Erde ist.

Didier Queloz und Michel Mayor entdeckten 1995 den ersten Exoplaneten bei einem sonnenähnlichen Stern. Seither wurden über 4000 Planeten bei fernen Sternen nachgewiesen. Die Exoplanetenforschung zeigt aber auch, wie einzigartig die Erde ist. Bild: KEYSTONE

Es war ein Wettrennen ohne Publikum, damals in den 90er-Jahren. Auf der ganzen Welt sassen Astrophysiker in langen Nächten vor Computerbildschirmen und starrten unterhalb von grossen Teleskopen auf ein unscharfes Kontrollschild. Ein weisser Punkt auf schwarzem Grund bedeutete: ein Stern. Sie massen die Geschwindigkeiten und hofften, Abweichungen zu finden. Das hätte auf einen umkreisenden Planeten hindeuten können. Oder einen Messfehler.

Zwei dieser Planetenjäger waren der damals 52-jährige Genfer Astrophysiker Michel Mayor und sein 28-jähriger Doktorand Didier Queloz. Alle zwei Monate fuhren sie nach Südfrankreich zu einem supergenauen Spiegelteleskop. Sie massen ein paar Nächte lang das Licht der Sterne – so lange sie eben das von vielen Forschern heiss umworbene Teleskop nutzen durften. Ihre Frauen bekamen sie im Winter und im Sommer 1995 nicht oft zu Gesicht.

Diese Darstellung zeigt im Hintergrund die Sonne 51 Pegasi, bei welcher die Forscher den ersten Planeten ausserhalb des Sonnensystems entdeckt haben. Das Gebirge im Vordergrund gehört zu einem Mond.

Diese Darstellung zeigt im Hintergrund die Sonne 51 Pegasi, bei welcher die Forscher den ersten Planeten ausserhalb des Sonnensystems entdeckt haben. Das Gebirge im Vordergrund gehört zu einem Mond. Bild: keystone

Mit einer Flasche «Clairette de Die» und einem Stück Kuchen hätten die beiden damals nach der letzten Messungsnacht ihre nun mehrfach überprüfte Entdeckung gefeiert. Dies berichtet die Physik-Journalistin Hanna Wick, welche die beiden mehrmals getroffen hat.

Damals waren die beiden noch per Sie

Im Herbst publizieren sie ihre Messungen und wurden zu internationalen Stars. Auch die Schweizer Illustrierte besucht sie und schreibt von einer Vater-Sohn-ähnlichen Beziehung. Trotzdem waren die beiden noch beim Sie. «Das Du hat sich nie ergeben», sagt Didier Queloz damals. «Vielleicht fehlte uns die Zeit dazu.»

Sie lebten bescheiden und seien typische, passionierte und hartnäckige Forscher, sagt Wick. Der Umgang mit ihnen sei sehr angenehm, und die beiden seien bodenständig. Als sie Didier Queloz fragte, wie sich diese grossartige Entdeckung anfühlte, antwortete er: «So, wie wenn man mit den Ski als Erster über einen frischverschneiten Hang fährt.»

Physik-Nobelpreis für Michel Mayor und Didier Queloz von der Universität Genf für die Entdeckung des ersten Exoplaneten.

Video: © sda-Video

Mayor beschrieb die Entdeckung auch als Lottogewinn: Er hatte 200 Sterne zum Untersuchen auf seine Liste gesetzt, viel mehr als andere Planetenjäger. «Planetensuche ist ein wenig wie Lotterie. Wer mehr Lose kauft, hat die grössere Chance zu gewinnen», so zitiert ihn Reto U. Schneider im Buch «Planetenjäger».

Hanna Wick findet, der Nobelpreis sei «total verdient». Sie sei sich sicher gewesen, dass die beiden einst den Nobelpreis für ihre Forschung erhalten würden. Verdient, ja – aber sicher hatten sich die beiden nicht sein können: Dazu waren zu viele Forscher an der Planetenjagd beteiligt gewesen und hatten ebenfalls Erfolge vorzuweisen.

«Wir haben einen Nobelpreis in der Exoplaneten-Community erwartet», sagt Kevin Heng, Direktor am Exoplaneten-Zenter CSH in Bern, «aber ich kenne international mindestens fünf Personen, welche ihn hätten bekommen können. Ich hoffte, dass es Didier und Michel sein würden, denn sie sind die richtige Wahl.»

Die Planeten-Entdecker Mayor und Queloz posieren 2015 im Naturhistorischen Museum in Genf für ein Selfie mit der Physik-Journalistin Hanna Wick.

Die Planeten-Entdecker Mayor und Queloz posieren 2015 im Naturhistorischen Museum in Genf für ein Selfie mit der Physik-Journalistin Hanna Wick. Bild: zvg

Eben erst noch mit Didier Queloz zu Mittag gegessen

Kevin Heng berichtet, er sei überwältigt gewesen, als er am Dienstag von der Auszeichnung erfahren habe. Dies, weil er am vergangenen Freitag noch neben Didier Queloz zu Mittag gegessen hatte und sie über alles andere als den Nobelpreis gesprochen hätten.

Die beiden hatten sich in Cambridge, wo Queloz Professor ist, zu einem Workshop getroffen. Dies geschah im Rahmen der Cheops-Mission der Europäischen Weltraumorganisation, welche Exoplaneten untersuchen will. Didier Queloz ist Teamleiter bei dieser Mission. «Er ist sehr bescheiden und nimmt sich nicht sehr ernst», sagt Heng. «Die Teamsitzungen mit ihm machen Spass. Er ist ein sehr guter Leiter, der es direkt sagt, wenn er etwas nicht gut findet.»

Kevin Heng und Didier Queloz an einer Konferenz diesen Sommer.

Kevin Heng und Didier Queloz an einer Konferenz diesen Sommer. Bild: zvg

Michel Mayor beschreibt Heng als «Grossvater-Figur» und ebenfalls bescheiden. «Wegen ihnen beiden habe ich damals, als ich in Singapur noch in der Highschool war, beschlossen, in der Schweiz zu studieren», sagt er. «Sie waren eine Quelle der Inspiration.»

Queloz und Mayor waren sich erstmals 1988 bei einer Einführungsvorlesung in Astronomie begegnet. Queloz war Student und erfuhr von Mayors Gerät «Coravel». Er nahm die Ausführungen seines Professors offenbar mit Schulterzucken zur Kenntnis. «Ich hatte überhaupt nichts verstanden», wird er im Buch «Planetenjäger» zitiert. Zwei Jahre später beginnt Queloz bei Mayor seine Doktorarbeit und hilft beim Bau von «Elodie», einer Art Präzisionsradarfalle.

Am 29. Oktober 1995 titelte die «Sonntags-Zeitung»: «Der unbekannte Planet macht sie unsterblich – Genfer Wissenschafter finden als erste einen neuen Trabanten – Diskussion um ausserirdisches Leben neu angefacht.» Doch die beiden sind keine Aliens-Fanatiker. Mayor sagt lediglich, er sei überzeugt, dass die Chemie auch auf anderen Planeten für Leben gesorgt habe. Ihr entdeckter Planet, der um die Sonne 51 Peg kreist, ist es nicht: Dazu ist es dort mit 1000 bis 2000 Grad viel zu heiss.

Wenn die Planeten am Nachthimmel so nah wie der Mond wären

Das könnte dich auch interessieren:

Armuts-Studien: Der Wirtschafts-Nobelpreis geht an ein Trio

Link zum Artikel

Poulet sollte man waschen? Kaffee ist ungesund? 11 Food-Mythen im Faktencheck

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Die 21 Ladys für den Bachelor sind da: Eine von ihnen muss er nehmen ...

Link zum Artikel

23 vernichtende Cartoons, die Trumps «Verrat» an den Kurden perfekt auf den Punkt bringen

Link zum Artikel

«Dort wo ich wohne, braucht man ein Auto» – so denken Erstwähler über Politik

Link zum Artikel

Den Grün-Parteien könnte es ergehen wie der SVP vor vier Jahren

Link zum Artikel

Wohin steuert der Kapitalismus?

Link zum Artikel

Die neue Bedrohung – wer sind die Incels und woher kommen sie?

Link zum Artikel

Elizabeth Warren landet nächsten Treffer gegen Zuckerberg – mit genialem Facebook-Post

Link zum Artikel

Die chinesische Hype-Firma Xiaomi kommt in die Schweiz – 7 Dinge, die du wissen musst

Link zum Artikel

Jetzt kommt die E-ID – und darum laufen Netz-Aktivisten dagegen Sturm

Link zum Artikel

Der Impeachment-Krieg ist da – so stehen Trumps Chancen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Armuts-Studien: Der Wirtschafts-Nobelpreis geht an ein Trio

16
Link zum Artikel

Poulet sollte man waschen? Kaffee ist ungesund? 11 Food-Mythen im Faktencheck

117
Link zum Artikel

Die 21 Ladys für den Bachelor sind da: Eine von ihnen muss er nehmen ...

78
Link zum Artikel

23 vernichtende Cartoons, die Trumps «Verrat» an den Kurden perfekt auf den Punkt bringen

120
Link zum Artikel

«Dort wo ich wohne, braucht man ein Auto» – so denken Erstwähler über Politik

150
Link zum Artikel

Den Grün-Parteien könnte es ergehen wie der SVP vor vier Jahren

129
Link zum Artikel

Wohin steuert der Kapitalismus?

103
Link zum Artikel

Die neue Bedrohung – wer sind die Incels und woher kommen sie?

376
Link zum Artikel

Elizabeth Warren landet nächsten Treffer gegen Zuckerberg – mit genialem Facebook-Post

61
Link zum Artikel

Die chinesische Hype-Firma Xiaomi kommt in die Schweiz – 7 Dinge, die du wissen musst

144
Link zum Artikel

Jetzt kommt die E-ID – und darum laufen Netz-Aktivisten dagegen Sturm

148
Link zum Artikel

Der Impeachment-Krieg ist da – so stehen Trumps Chancen

67
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Armuts-Studien: Der Wirtschafts-Nobelpreis geht an ein Trio

16
Link zum Artikel

Poulet sollte man waschen? Kaffee ist ungesund? 11 Food-Mythen im Faktencheck

117
Link zum Artikel

Die 21 Ladys für den Bachelor sind da: Eine von ihnen muss er nehmen ...

78
Link zum Artikel

23 vernichtende Cartoons, die Trumps «Verrat» an den Kurden perfekt auf den Punkt bringen

120
Link zum Artikel

«Dort wo ich wohne, braucht man ein Auto» – so denken Erstwähler über Politik

150
Link zum Artikel

Den Grün-Parteien könnte es ergehen wie der SVP vor vier Jahren

129
Link zum Artikel

Wohin steuert der Kapitalismus?

103
Link zum Artikel

Die neue Bedrohung – wer sind die Incels und woher kommen sie?

376
Link zum Artikel

Elizabeth Warren landet nächsten Treffer gegen Zuckerberg – mit genialem Facebook-Post

61
Link zum Artikel

Die chinesische Hype-Firma Xiaomi kommt in die Schweiz – 7 Dinge, die du wissen musst

144
Link zum Artikel

Jetzt kommt die E-ID – und darum laufen Netz-Aktivisten dagegen Sturm

148
Link zum Artikel

Der Impeachment-Krieg ist da – so stehen Trumps Chancen

67
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Keine Flugscham: Die Uni Zürich bietet Kurz-Seminare in Australien und Uganda an

Die Universität Zürich will mit veganen Menüs CO2 sparen. Gleichzeitig bietet sie ihren Studenten viertägige Seminare in Australien und Uganda an.

Keine Flugscham: Die rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Zürich schickt im Frühjahr 2020 Studenten für viertägige Seminare nach Australien und Uganda. «Ist das deren ernst?!», regt sich Studentin Marie* auf, die watson auf die Lehrveranstaltungen hinweist.

Im Februar findet in Brisbane ein Seminar zu organisiertem Verbrechen, Glücksspiel und Strafrecht statt. Im April ist in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, ein Seminar zur Schnittstelle von Recht, Politik und Gesellschaft geplant.

Eine …

Artikel lesen
Link zum Artikel