Sport
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Ambri's players with cheer with the Curva Sud fans at the end of the third league qualification ice hockey game of the Swiss Championship 2016/17 between National League A team HC Ambri Piotta and National League B team SC Langenthal, at the stadium Valascia in Ambri, Switzerland, Tuesday, April 11, 2017. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

In der Valascia wird «La Montanara» in dieser Saison von weniger Zuschauern gesungen. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Eismeister Zaugg

Der Bundesrat erlaubt eine Saison des Chaos, der Illusionen und der billigen Ausreden

Hurra, die Eishockey-Meisterschaft beginnt am 1. Oktober. Die bundesrätlichen Weisungen machen es möglich. Aber es wird ein Tanz am Abgrund der Pleite und des Chaos. Den Klubs werden Ende Saison 60 bis 70 Millionen Franken fehlen.



Die Stadien dürfen nur halb gefüllt werden. Durch die Umwandlung in Sitzplätze geht 25 Prozent der Kapazität verloren und von diesen Sitzplätzen dürfen nur zwei Drittel besetzt werden. Damit sind wir bei der Hälfte der Stadionkapazität angelangt. Der ursprünglichen Minimalforderung der Klubs.

Das ist zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben. Die Schätzung von SCB-Manager Marc Lüthi, dass ihm Ende der Saison drei bis fünf Millionen Franken fehlen werden, ist alarmierend. Liga-Direktor Denis Vaucher geht davon aus, dass jedem Klub rund fünf Millionen Einnahmen entgehen. Das bedeutet, dass der höchsten Liga am Ende der Saison insgesamt 60 bis 70 Millionen Franken fehlen werden. Das ist in einem Geschäft alarmierend, in dem selbst in Boom-Zeiten fast alle Klubs rote Zahlen schreiben. Mit jedem Tag der Meisterschaft verlieren die Klubs also Geld.

ARCHIVBILD ZUM ABBRUCH DER SAISON DER NATIONAL LEAGUE, AM DONNERSTAG, 12. MAERZ 2020 - SC Rapperswil-Jona Lakers Verteidiger Daniel Vukovic, von links, Dominik Egli und Florian Schmuckli laufen ein zum Geister-Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SC Rapperswil-Jona Lakers und dem HC Lugano am Freitag, 28. Februar 2020, in Rapperswil. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Hockey ohne Fans im Stadion: So wurde vergangene Saison gespielt, ehe sie abgebrochen wurde. Bild: KEYSTONE

Bundeshilfe mit zentraler Bedeutung

Aus rein wirtschaftlichen Gründen müsste die Saison eigentlich abgesagt werden. Aber Liga-Direktor Vaucher sagt, das komme nicht in Frage. Die Liga bzw. die Klubs würden zu unzuverlässigen Partnern gegenüber den TV-Stationen und den Sponsoren. Bis 2022 muss ein neuer TV-Vertrag ausgehandelt werden. Dabei geht es um mehr als 30 Millionen Franken im Jahr. So gesehen könne es sich die Liga gar nicht leisten, die neue Saison abzusagen. Denis Vaucher hat wohl recht.

Bei den alarmierenden wirtschaftlichen Voraussetzungen kommt der Bundeshilfe zum Überleben zentrale Bedeutung zu. Eine Kreditsumme von 150 Millionen Franken steht bereit. Das würde reichen, um alle vor der Pleite zu bewahren. Aber solange alle Klubs solidarisch für diese Kredite haften müssen, wird diese Hilfe abgelehnt. Das Parlament muss erst das entsprechende Gesetz ändern, um diese Solidarhaftung aufzuheben. Ob das der Fall sein wird, ist fraglich.

Ein weiteres Problem: Die Abhängigkeit von den Behörden ist geblieben und damit die Gefahr einer sportlich irregulären Meisterschaft. Die Liga hat zwar entschieden, dass gespielt werden muss, wenn zwölf Feldspieler plus ein Torhüter eingesetzt werden können. Aber wer im Falle einer Virus-Ansteckung in Quarantäne muss und damit nicht mehr zur Verfügung steht, entscheidet nicht der Klubarzt. Das entscheiden die kantonalen Behörden.

Denis Vaucher, Direktor der Eishockey National League und Swiss League, rechts, und Claudius Schaefer, CEO der Swiss Football League SFL, beim Interview am Donnerstag, 6. August 2020, in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Hockey-Ligadirektor Denis Vaucher (rechts) mit seinem Amtskollegen der Fussballer, Claudius Schäfer. Bild: keystone

Es fehlen allen Klubs drei bis sieben Millionen Franken

Selbst wer die nun erlassenen bundesrätlichen Weisungen bis zum letzten Buchstaben und Komma erfüllt, hat keinen Rechtsanspruch auf die Durchführung eines Spiels. Die einzelnen Kantone können aufgrund der epidemiologischen Bedingungen jederzeit ein Spiel absagen und der Klub hat keinerlei Anrecht auf eine finanzielle Entschädigung. Mit Spielabsagen muss gerechnet werden.

Wir stehen vor einer aufregenden, chaotischen Saison. Der Verstand sagt zwar, dass sie aus wirtschaftlichen Gründen eigentlich nicht gespielt werden dürfte. Aber das Problem sind nicht nur die vom Liga-Direktor erwähnten vertraglichen Verpflichtungen. Auch wenn der Spielbetrieb seine Saison lang «eingemottet» würde, wäre das Resultat im nächsten Frühjahr ungefähr gleich wie bei einer gespielten Saison: Es fehlen allen Klubs zwischen drei und sieben Millionen Franken. Wenn schon, dann lieber mit Karacho in den Verlust als schleichend und schweigend in die roten Zahlen.

Unterhaltungswert und Niveau leiden nicht

Die Geschichte lehrt uns, dass die Normalität nach einer Krise schnell zurückkehrt und dann das Geschäft wieder rockt. Aber niemand weiss, wann es wieder rocken wird. Noch geben sich einige Manager und die meisten Spieler der Illusion hin, dass es so weitergehen kann wie bisher. Dass schon Lösungen gefunden werden. Dass die Löhne nicht gekürzt werden müssen. Aber spätestens in der Weihnachtspause werden alle geschoren und müssen Haare lassen. Spieler, die mehr als 60 Prozent ihres Gehaltes durch die ganze Saison retten können, dürfen sich glücklich schätzen.

Ein sportliches Problem sind solche Salärkürzungen nicht. Unterhaltungswert und Niveau der Spiele leiden nicht, wenn weniger verdient wird.

Und so angespannt die wirtschaftliche Lage auch sein mag – es gibt doch eine gute Nachricht für alle Manager, Sportchefs und Trainer. Der Abstieg ist richtigerweise für die kommende Saison ausgesetzt worden. Der sportliche Existenzkampf findet nicht statt. Und wenn es nicht läuft, dann genügt ein Verweis auf die Virus-Krise als Erklärung. Noch nie waren billige Ausreden für sportliches Versagen so wohlfeil wie in der kommenden Saison.

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