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SC Bern Spieler reagieren nach der Niederlage (3-5), beim Eishockey-Testpiel zwischen dem SC Bern und Red Bull Muenchen in der Postfinance Arena in Bern, am Sonntag, 6. September 2020. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Findet der SC Bern in der neuen Saison die richtige Balance? Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Der SC Bern zwischen «räble» und Rhapsodien – kommt nun Yves Sarault?

Der SC Bern ist auf der Suche nach seiner spielerischen und taktischen Identität und feiert gegen Biel endlich den ersten Sieg unter Trainer Don Nachbaur. Eigentlich braucht der Meister kein weiteres ausländisches Personal.



Hockey in der Provinz. Der SCB spielt in Langenthal vor 358 maskierten Zuschauerinnen und Zuschauern gegen Biel und gewinnt 4:2. Auf der Tribüne sitzt ein – natürlich – maskierter Mann mit grosser SCB-Vergangenheit und verfolgt das Spektakel aufmerksam. Yves Sarault (47).

Der Kanadier war der bissige Leitwolf und Vorkämpfer einer der rausten SCB-Meistermannschaften der Geschichte und steuerte zum Titelgewinn von 2004 in 55 Spielen 58 Punkte und 151 Strafminuten bei. Die letzten sechs Jahre hat er als Coach der Elitejunioren, als Assistent der 1. Mannschaft und zeitweise sogar als Headcoach (während der Saison 2017/18) in Lausanne verbracht. Im letzten Frühjahr verlor er im Rahmen der grossen Umwälzungen den Job. Zuletzt war er als Assistent von Gottérons Cheftrainer Christian Dubé in Gespräch.

Lausannes Head Coach Yves Sarault, Florian Conz und Alain Mieville, von links, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SCL Tigers und dem Lausanne HC, am Samstag, 18. November 2017 in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Yves Sarault 2017 als Trainer bei Lausanne. Bild: KEYSTONE

Ersetzt Yves Sarault beim SCB Lars Leuenberger (neu Cheftrainer in Biel) als Assistent von Don Nachbaur? Möglich ist es. Sportchefin Florence Schelling sagt auf die Frage, ob der Kanadier ein Kandidat sei: «Heute nicht.» Und morgen? «Wir werden sehen». Haben Sie mit ihm verhandelt? «Nein». Haben Sie mit ihm gesprochen? «Ja».

Lassen wir die Spekulationen. Fest steht nur: Ein «Krieger» wie Yves Sarault würde durchaus zum neuen SCB passen. Der Meister befindet sich in einer Umbruchphase, die viel Unterhaltung verspricht. Noch sind im Defensivverhalten die Grundrisse von Kari Jalonens meisterlicher taktischer Ordnung («Schablonen-Hockey») zu erkennen. Aber bereits zieht die Morgendämmerung einer anderen Philosophie herauf. «Rumpelhockey» wäre eine zu polemische Bezeichnung. Aber im SCB-Spiel «räblet» (= berndeutsch für poltern) es wieder mehr. Ihren ersten Sieg unter Don Nachbaur gegen Biel nach drei Niederlagen gegen Kloten (3:4), Lausanne (1:3) und München (3:5) verdanken die Berner auch härterem Einsatz.

Berns Jeremi Gerber, Mitte, jubelt nach seinem Tor (1-1) mit Berns Miro Zryd, links, und Berns Thomas Thiry, rechts, beim Eishockey-Testpiel zwischen dem SC Bern und Red Bull Muenchen in der Postfinance Arena in Bern, am Sonntag, 6. September 2020. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Der SCB hat den ersten Sieg unter Don Nachbaur. Bild: keystone

Der SCB ist auf der Suche nach seiner neuen taktischen Identität und steht vorerst noch im Niemandsland zwischen «räble» und spielerischen Rhapsodien. Der Begriff steht für frei vorgetragene Musik ohne strenge Ordnung und Rhapsodien können – etwa komponiert von Franz Liszts oder gespielt von der Rockband Queen – wunderbar klingen. Was die bisherigen Auftritte des Meisters ziemlich gut trifft: die straffe Ordnung löst sich auf wie Morgennebel und nun blitzen immer wieder spielerische Blitze auf, untermalt vom Donner des harten Körpereinsatzes. Ob das gegen läuferisch überlegene, gut organisierte Gegner genügen oder zu Anfälligkeit auf schnelle Konter führen wird, muss sich erst zeigen.

Der neue Trainer Don Nachbaur ist seit Lars Leuenbergers Wechsel zu Biel hockeytechnisch in Bern ziemlich einsam. Vorerst hat er «nur» Alex Reinhard (46) als Assistent und der freundliche, fachkundige Opportunist ist nicht der Mann, der seinem Chef auf Augenhöhe zu widersprechen wagt. Aber bei der Umsetzung einer neuen Philosophie braucht ein Trainer die Unterstützung durch Männer seines Vertrauens und mit eigener Meinung. Kari Jalonen hatte im Laufe seiner Zeit in Bern stets eine «Leibgarde» von finnischen Hilfskräften um sich (Ville Peltonen, Samuel Tilkanen, später Jukka Varmanen und Mikko Haapakoski).

Der neue SCB Headcoach Don Nachbaur spricht mit Journalisten waehrend ein Medientermin, am Freitag, 26. Juni 2020 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Noch ist Don Nachbaur in Bern hockeytechnisch ziemlich einsam. Bild: keystone

Die Frage ist auch: kann es sich der SCB leisten, nur mit drei ausländischen Spielern anzutreten? Zurzeit stehen mit Torhüter Tomi Karhunen sowie den beiden Stürmern Ted Brithén und Dustin Jeffrey erst drei Ausländer unter Vertrag. Eigentlich müsste der Meister fünf beschäftigen, um vier ausländische Feldspieler einsetzen zu können, wenn mal Philip Wüthrich für Tomi Karhunen im Kasten steht.

Die 600'000 bis eine Million Franken für zwei zusätzliche Ausländer kann sich der SCB in einer Saison eigentlich sparen, in der es vor allem darum geht, finanziell unbeschadet über die Runden zu kommen. Die Mannschaft gehört zwar inzwischen zu den langsameren der Liga. Aber sie ist gut genug, um für vortreffliche Unterhaltung zu sorgen. Gegen Biel machte Tomi Karhunen die Differenz und vorne genügten die zwei ausländischen Stürmer Dustin Jeffrey und Ted Brithén. Der Kanadier bringt Energie und Dynamik ins Spiel, der Schwede wird in unserer Lauf- und Tempoliga Mühe haben. Die offensive Musik machten die Schweizer.

SCB Trainer Don Nachbaur, Mitte, gibt Dustin Jeffrey, vorne, und seinen Teamkollegen Anweisungen, waehrend dem ersten Eistraining der neuen Hockeysaison, am Montag, 3. August 2020 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Dustin Jeffrey spielt seit dieser Saison für den SCB. Bild: keystone

Die guten Ansätze im Spiel gegen Biel zeigten: Wenn der SCB gut gecoacht wird und die richtige Mischung zwischen «räble» (Härte) und Rhapsodien (spielerischen Glanzlichtern) findet, ist eine Rückkehr in die Playoffs möglich. Der Sieg gegen Biel gelang sogar ohne Gaëtan Haas und Inti Pestoni. Die beiden können zusammen mit Vincent Praplan eine der torgefährlichsten Sturmreihen der Liga bilden. Bis Gaëtan Haas im November zum NHL-Start abreisen muss, kann er viel zu einem offensiv stürmischen Herbst beitragen. Und Don Nachbaur braucht einen guten Herbst um eine lange, unterhaltsame und vielleicht sogar wilde Saison durchzustehen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • AndOne 11.09.2020 22:03
    Highlight Highlight Ach lasst doch den Bernern den Titel "Amtierender Meister" zum letzten mal. Danach ist eh fertig mit Titel für lange Zeit.
  • Amarillo 11.09.2020 15:12
    Highlight Highlight Die haben immerhin aus einer 10jährigen dominanten Phase wohl fast das Maximum an Titeln generiert. Dass das nicht ewig so weitergeht, liegt in der Natur des Sports. Und wohl auch etwas daran, dass man an gewissen Orten nun endlich auch mal wieder "Meister" will, und zwar koste es, was es wolle. Die Favoritenrolle verlagert sich, vor allem in Zug + Lausanne wird man nun "liefern" müssen. Der SCB hingegen muss sich neu sortieren + kleinere Brötchen backen, da die Kostenschraube in den letzten Jahren stärker stieg, als was der SCB in der realen Wirtschaft bzw. mit Gastro dazuverdienen kann.
  • Tabularasa 11.09.2020 13:18
    Highlight Highlight Hey, es geht in diesem Artikel (eigentlich) nicht um nach wie vor amtierende oder Möchtegern-Meister, sondern um Yves. In Yves we trust!
  • JtotheP 11.09.2020 09:26
    Highlight Highlight Ganz ehrlich, dieser SCB macht niemanden mehr Angst. Zu alt, zu langsam und mit Spielern wie Pestoni und Praplan, einfach überschätzt.
    Sagt schon viel aus, dass ein Testspielsieg gegen Biel zu einem Artikel führt.
    • Dr no 11.09.2020 10:16
      Highlight Highlight jeder zweite Artikel handelt vom SCB
    • el capitano 11.09.2020 11:38
      Highlight Highlight Da dpricht der Neid
    • MARC AUREL 11.09.2020 13:19
      Highlight Highlight Da spricht wirklich der Neid.. aber schön machen sich soviele Sorgen um Bern! GRANDE BERN
    Weitere Antworten anzeigen
  • Eau Rouge 11.09.2020 09:22
    Highlight Highlight Das Gejammer geht mir langsam aber sicher auf....... !

    Eine Saison, die finanziell einfach über die Runden gebracht werden muss. Kann ja eh keiner absteigen....und, und, und....

    Wenn ihr nicht um zu gewinnen Sport treiben wollt, dann setzt doch einfach eine Saison aus. Vielleicht auch zwei!

    Aber lasst die Sport treiben, die ihn lieben! Solche wie Jeremy Seewer! (Nur am Rande, wäre eine Super-Option gewesen, ihn als Sportler des Jahres auszuzeichnen! Ist mittlerweile 3x Vize-Weltmeister MX!!)
    Er zeigt im Moment, wie man Sport treibt, wenn halt nicht alles nach Plan und Geld folgt!
    Thanks 91
  • MikeT 11.09.2020 07:26
    Highlight Highlight Da der SCB letzte Saison die Playoffs verpasste und damit den Titel gar nicht hätte verteidigen können, sollte man die Berner nicht mehr als Meister bezeichnen.
    • Deltahpe 11.09.2020 07:52
      Highlight Highlight Doch denn Sie sind der lezte Meister halt einfach 2019 !
    • Jacques #23 11.09.2020 08:17
      Highlight Highlight Gibt es einen anderen?

      Bern ist der letzte und amtierende Meister.
    • Coolcat 11.09.2020 08:18
      Highlight Highlight Hätte,hätte,Fahrradkette.
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