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Zuerichs Praesident Ancillo Canepa, beim Fussball Super-League Spiel zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Zuerich, am Mittwoch, 6. Februar 2019, im Kybunpark in St. Gallen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Düstere Zeiten für Ancillo Canepa und seinen FCZ? «Nein», meint watson-Eismeister Klaus Zaugg. Bild: KEYSTONE

Kommentar

Fussball und Hockey – der Staat darf das Hobby der Millionäre nicht finanzieren

Unser Fussball und unser Eishockey können problemlos ohne zusätzliche staatliche Hilfe durch die Virus-Krise kommen. Eine Polemik wider einen Sündenfall.



Unser Sport – in erster Linie der Fussball und das Eishockey in den beiden höchsten Ligen – ist in seine grösste wirtschaftliche Krise der Geschichte geraten. Inzwischen ist der Staat in der Lage, die Wirtschaft mit Milliarden durch die Krise zu «füttern». Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, die Lohnbuchhaltungen über die Kurzarbeitsregelung zu entlasten. Davon profitiert auch der in Kapitalgesellschaften organisierte Profisport.

Der Sport ist systemrelevant geworden, daher werden zusätzliche Staatsgelder für die Rettung der Hockey- und Fussballfirmen erwartet. Aber systemrelevant ist nicht der «grosse» Sport, der in normalen Zeiten Wochenende für Wochenende die Stadien füllt und die TV-Programme von Bezahlsendern möbliert. Systemrelevant sind einzig und allein die Nachwuchsorganisationen. Ihre integrative gesellschaftliche Kraft kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Es ist die edle Aufgabe des Staates, diese Nachwuchsorganisationen in der Krise zu alimentieren – aber nicht den Profifussball und das Profihockey. Gibt es Zuwendungen für den Sport, die über die üblichen staatlichen Hilfen für Unternehmen (Notkredite, Kurzarbeitsregelung) hinausgehen, dann sind diese ausschliesslich und zweckgebunden den Nachwuchsorganisationen zu überweisen. Es kann hingegen nicht die Aufgabe des Staates sein, das Hobby von Ancillo Canepa mit auch nur einem einzigen Steuerfranken zu unterstützen.

Die Virus-Krise entlarvt die Misswirtschaft im Profi-Mannschaftssport. Es ist nicht so, dass die Spieler früher praktisch gratis spielten, weil sie von einer edleren Gesinnung als die heutige Generation beseelt waren und nicht mehr Geld verlangt haben. Es war ganz einfach so, dass ihnen niemand viel Geld bezahlen mochte. Der Anreiz zu einem Klubwechsel war bis in die frühen 1960er Jahre hinein die Aussicht auf einen gut bezahlten, sicheren Arbeitsplatz in der Privatindustrie oder in einer staatlichen Verwaltung.

Erst ab den 1980er Jahren hat unser Fussball und unser Hockey im wirtschaftlichen Bereich die Bodenhaftung immer mehr verloren. Für die viel zu hohen Saläre sind einzig und allein die Klubbosse verantwortlich und nicht die Spieler, die halt nehmen, was ihnen geboten wird.

Die Virus-Krise führt nun zu einer Zäsur, die längst fällig war. Aber weder das Eishockey noch der Fussball stehen ohne zusätzliche Staatsgelder vor dem Ende. Zwar überbieten sich die Funktionäre und Klubvertreter im Ausmalen von schwarzen und schwärzesten Zukunftsszenarien. Wir dürfen sie getrost ignorieren.

Der Profi-Fussball und das Profi-Eishockey sind nämlich krisenresistente Wirtschaftszweige mit besten Zukunftsaussichten. Sobald das Leben zur Normalität zurückkehrt, wird das Sportgeschäft brummen wie eh und je. Die Geschichte lehrt uns, dass die Menschen zu allen Zeiten und unabhängig von ihren persönlichen finanziellen Verhältnissen in die Sportstadien geströmt sind. Kein anderer Kultur- und Unerhaltungsbetrieb kann die Faszination und die Emotionen des Sportes liefern und so gut von den Alltagssorgen ablenken.

Weder unser nationaler Fussball noch unser nationales Hockey sind von Rohstofflieferungen, Produktionsrückständen, Zollschranken, unterbrochenen Lieferketten oder wegbrechenden Absatzmärkten betroffen. Der Profisport muss nicht millionenschwere Produktionsanlagen amortisieren und riesige Warenlager bewirtschaften.

Von den meisten Schwierigkeiten, mit denen die Privatwirtschaft während und nach Krisen zu kämpfen hat, bleiben die Sportfirmen weitgehend verschont. Und wenn irgendwo Mieten für ein Stadion zu bezahlen sind – na und? Dann müssen eben die Klubbosse so verhandeln wie jeder Ladenbesitzer und Wirt, der versucht, mit dem Vermieter eine Mietstundung für die Zeit der Krise auszuhandeln.

Unser Eishockey und unser Fussball haben ein einziges Problem: die viel zu hohen, ja absurden Saläre. Und da es nur um die Saläre geht, die in keinem Verhältnis zu den erwirtschafteten Einnahmen stehen, ist die Virus-Krise kein existenzielles Problem. Die Krise ist zu meistern, wenn so lange die Löhne ausgesetzt werden, wie nicht vor Publikum gespielt werden darf.

Sind die Saläre unserer Stars zu hoch? FCB-Flügel Edon Zhegrova.

Von jedem KMU, ja sogar von den kleinen Leuten, wird von der Obrigkeit erwartet, ein paar Monate ohne Einnahmen bzw. ohne Lohn zu überstehen. Wenn das so ist, dann kann erst recht von jungen Männern, die 20'000 bis 60'000 Franken im Monat verdienen, verlangt werden, ein paar Monate auf die Löhne zu verzichten, die über das Maximum der Kurzarbeitsentschädigung hinausgehen.

Es ist an den Klubbossen, diese Notsituation ihren der Wirklichkeit entrückten Stars klarzumachen. Da alle im gleichen Boot sitzen, ist erstmals ein flächendeckender Lohnverzicht durchsetzbar – falls man dazu wirklich entschlossen ist.

24.Nov.2012; Zuerich; Fussball Super League - FC Zuerich - Servette; Ancillo Canepa (L) und Heliane Canepa (Andreas Meier/freshfocus)

Etwa dieses Gesicht würde Ancillo Canepa machen, müsste er mit dem Eismeister an einen Tisch sitzen. Bild: freshfocus

Die Lösung für den Profisport ist also ganz einfach: Salärverzicht der Stars. Je besser die Klubbosse und ihre Manager dieses Lohnopfer durchsetzen, desto besser kommen sie über die Runden. Sie müssen bloss den Mut aufbringen, mit ihren Stars genauso selbstsicher umzuspringen wie mit den kleinen Angestellten in ihren sonstigen Firmen oder mit dem nichtspielenden Personal. Dann sind sie auch nicht mehr dazu gezwungen, ihre Seele zu verkaufen und wegen der TV-Einnahmen ohne Zuschauer aufzutreten – was ein Sündenfall ohnegleichen ist.

Bis heute hat der Staat im Sport «nur» Infrastrukturen, die Organisation von Grossanlässen und Ausbildungsmöglichkeiten finanziell unterstützt, und einen dem Spitzensport angepasste Absolvierung des Militärdienstes ermöglicht. Zu den staatlichen Leistungen gehört etwa auch die Eidgenössische Hochschule für Sport in Magglingen.

Aber der Staat hat sich klugerweise immer aus dem Tagesgeschäft des Profisportes herausgehalten und ist so gut gefahren. Steuergelder für den Profisport wären ein ordnungspolitischer Sündenfall sondergleichen. Um es salopp zu sagen: Der Staat darf das Hobby der Milliardäre und Millionäre nicht finanzieren. Wenn Fussball- und Hockeyfirmen über Jahre nur noch funktionieren, weil Milliardäre und Millionäre das Defizit ausgleichen, dann dürfen wir von einem Hobby oder einer Leidenschaft sprechen, die nicht systemrelevant und damit nicht Sache des Staates ist.

Es ist hingegen eine noble Aufgabe unseres Staates, die Nachwuchsabteilungen der verschiedensten Sportarten zu alimentieren. Das ist umso einfacher, weil diese Nachwuchsorganisationen heute im Profisport in den meisten Fällen eigenständige Firmen (Töchter) der grossen Fussball- und Hockeyclubs sind. Es muss dabei lediglich sichergestellt werden, dass kein Rappen Steuergelder zur Quersubventionierung der überrissenen Stargehälter abgezweigt wird.

Unser Profisport hat alle Voraussetzungen, um gestärkt aus der Virus-Krise hervorzugehen. Ohne zusätzliche staatliche Hilfe. Ende der Polemik.

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