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epa08503559 (FILE) - Novak Djokovic of Serbia (L) talks with his wife Jelena (R) at the Adria Tour tennis tournament in Belgrade, Serbia, 14 June 2020 (reissued 23 June 2020).  According to media reports, Djokovic has tested positive for the SARS-CoV-2 coronavirus.  EPA/ANDREJ CUKIC

Keine grosse Überraschung: Auch Djokovic und seine Frau Jelena sind infiziert. Bild: keystone

Auch Djokovic und seine Frau positiv auf das Coronavirus getestet

Nun erwischt es auch Novak Djokovic: Als vierter Spieler der von ihm selber organisierten Adria Tour infiziert sich der Weltranglistenerste mit dem Coronavirus. Die Kritik am Serben fällt harsch aus.



Vorbildlich war es nicht, was sich Novak Djokovic und einige seiner Tenniskollegen in den vergangenen Wochen leisteten. Nun bezahlt er einen möglicherweise hohen Preis dafür. Bei der von ihm selber initiierten Adria Tour, die nun nach den ersten beiden Stationen in Belgrad und Zadar zu Ende geht, scherte man sich einen Deut um die Distanz- und Hygieneregeln im Kampf gegen das Coronavirus. Am Dienstag nun musste Djokovic als vierter Spieler nach Grigor Dimitrov, Borna Coric und Viktor Troicki bekannt geben, dass er positiv auf Covid-19 getestet wurde.

Symptome zeige er keine, teilte die Nummer 1 der Welt, die in diesem Jahr vor dem Corona-Unterbruch kein Spiel verlor, mit. Das Virus wurde auch bei seiner Frau Jelena festgestellt, jedoch nicht bei den Kindern des Paars. «Jeder einzelne Fall tut mir extrem leid», schrieb Djokovic. Er kündigte einen weiteren Test in fünf Tagen an, vermied aber nach der heftigen Kritik an laxen Hygienemassnahmen und Fotos feiernder Tennisprofis mit nacktem Oberkörper das klare Eingeständnis eines Fehlers. «Alles, was wir im vergangenen Monat gemacht haben, passierte mit reinem Herzen und ernsthaften Absichten», erklärte er zur Tour, mit der er Spenden sammeln und seinen Kollegen Spielpraxis verschaffen wollte.

Nach der ersten Etappe in Belgrad hatte er Kritikern noch entgegnet, sie würden nicht verstehen, dass Serbien nicht Amerika und das Virus hier unter Kontrolle sei. Naiv oder fahrlässig, die Einschätzung war definitiv falsch, wie jetzt wohl alle begriffen haben dürften. «Leider ist das Virus noch da, und leider ist das eine neue Realität, mit der wir immer noch umzugehen und zu leben lernen», stellte er fest. Dabei war es ausgerechnet er, der sich sehr lautstark gegen das strenge Sicherheitskonzept des US Open, das ab dem 31. August ohne Zuschauer stattfinden soll, gewehrt hatte.

Es war jedoch nicht nur Djokovic, auch andere Stars wie der Österreicher Dominic Thiem oder der Deutsche Alexander Zverev foutierten sich augenscheinlich um die Hygiene- und Distanzregeln, die in ihrer Heimat noch gelten. Beide gaben aber bekannt, dass ihre Tests negativ ausgefallen sein.

«Eine Horror-Show»

Die Kritik an ihm und auch den anderen Teilnehmern der Adria Tour fiel zum Teil deutlich aus. «Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu Novak. In der Nachbetrachtung macht das, was da passiert ist, aber keinen guten Eindruck», sagte Andy Murray der britischen Tageszeitung «The Times» - noch vor Djokovics positivem Test. «Es ist wichtig, dass Top-Athleten auf der ganzen Welt zeigen, dass wir das ernst nehmen und uns darüber im Klaren sind, dass wir Abstandsregeln einhalten», sagte der zweifache Wimbledonsieger, der in dieser Woche bei einem Showkampf-Turnier in England erstmals seit sieben Monaten wieder eine Partie bestreiten wird - unter strengen Hygieneregeln.

Als «Horror-Show» fasste der brasilianische Profi Bruno Soares das Geschehen zusammen. Der Doppel-Spezialist ist Mitglied im ATP-Spielerrat, dessen Präsident Djokovic ist. «Enorme Unverantwortlichkeit und grosse Unreife», urteilte Soares im brasilianischen Sender GloboEsporte.

ATP-Boss vergleicht Profis mit Kindern

Der ATP-Vorsitzende Andrea Gaudenzi sagte der «New York Times», positive Tests könne es auch bei strengen Hygienemassnahmen geben. Er betonte aber auch, dass die Männer-Tour den Teilnehmern der Adria Tour und anderer privat organisierter Turniere angemessene Sicherheitsmassnahmen sowie die Einhaltung der Abstandsregeln empfohlen habe. Gaudenzi wünschte den Spielern schnelle Genesung und bedauerte die Fälle. «Ich weiss, dass es viel Kritik gab», sagte der 46-jährige Italiener.

Die Vorkommnisse könnten dazu beitragen, dass folgende Veranstaltungen sicherer würden, weil die Spieler williger seien, sich in einem begrenzten Raum aufzuhalten. «Es ist ein bisschen so, wie wenn du deinen Kindern sagst, dass sie einen Helm tragen sollen, wenn sie das Velofahren lernen», sagte Ex-Profi Gaudenzi. «Sie sagen 'nein, nein, nein', dann fallen sie hin und tragen sie den Helm.»

Die Männer-Tour soll am 14. August mit dem Turnier in Washington wieder beginnen. (dab/sda/afp)

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