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Vom Medikament zur Droge und zurück: Ersetzt LSD bald Opium als Schmerzmittel?



Die Geschichte von Lysergsäurediethylamid, besser bekannt unter dem Namen LSD, ist lange und verzwickt. 1938 wurde das Halluzinogen vom Schweizer Chemiker Albert Hoffman entdeckt. In der folgenden Zeit wurde viel an einer nützlichen medizinischen Verwendung des Derivats geforscht.

Während der Hippie-Zeit ab den 60er- und 70er-Jahre wurde LSD jedoch verstärkt als Droge bekannt und wurde deshalb bald darauf weltweit verboten. Mit dem Verbot endeten auch die klinischen Studien. Nun hat eine Studiengruppe aus den Niederlanden LSD als Schmerzmittel getestet und ermutigende Resultate erzielt. Was du dazu wissen musst, findest du hier:

Was wurde mit LSD untersucht?

Das Department für Neuropsychologie und Psychopharmatologie and der Universität Maastricht startete zusammen mit der Beckley Foundation eine neue Untersuchung, die dort anknüpfen sollte, wo die Medizin in den 70ern aufgehört hat: Die Erforschung des LSD als Medikament.

Portrait of Swiss scientist and chemist Albert Hofmann (11.1.1906-29.4.2008), the former head of the research department of the Swiss chemical company Sandoz and discoverer of LSD, in Basel, Switzerland, on the occasion of celebrating his 70th birthday, pictured on January 11, 1976. (KEYSTONE/Str)

Portrait des Schweizer Wissenschaftlers und Chemikers Albert Hofmann (11.1.1906-29.4.2008), dem Entdecker von LSD und ehemaligen Leiter der Forschungsabteilung des Chemiekonzerns Sandoz, anlaesslich einer Feier zu seinem 70. Geburtstag, aufgenommen am 11. Januar 1976 in Basel. (KEYSTONE/Str)

An seiner Entdeckung wird weiter geforscht: Der Schweizer Chemiker Albert Hoffmann. Bild: KEYSTONE

Im Unterschied zu damals stand aber im Vordergrund, dass die Patienten keine psychedelischen Effekte spüren sollten. Dazu wurde die LSD-Dosis soweit reduziert, dass keine solche Veränderungen auftreten. Die stärkste verabreichte Dosis war 20 Mikrogramm. Ein Mikrogramm entspricht dabei nur gerade einem Millionstel Gramm. Erst ab etwa 30 Mikrogramm treten schwache psychische Effekte auf.

Nun wurden diese Mikrodosen LSD 24 gesunden Erwachsenen verabreicht. Mit mehreren Tests untersuchten die Forscher dann, welche Effekte diese Dosierungen auf das Schmerzempfinden und die Wahrnehmung der Probanden hat. Um das Schmerzempfinden zu messen, wurden die Testpersonen drei Grad kaltem Wasser ausgesetzt.

Was waren die Ergebnisse?

Alle Patienten zeigten ein vermindertes Schmerzempfinden, wenn sie mit LSD behandelt wurden und konnten die Kälte des Wassers länger aushalten. Ausserdem traten nur sehr schwache visuelle und kognitive Effekte auf. Die Probanden verspürten also kein richtiges «High».

Was bedeuten diese Befunde?

Die Forscher kommen damit zum Schluss, dass LSD auch als Mikrodosierung schmerzlindernde Effekte erzeugt. Dies ist für die Medizin interessant, weil solche kleinen Dosen für den Körper ohne grossen Aufwand wieder abgebaut werden können und kaum Suchteffekte hervorrufen, mit denen verschiedene Opiate wie Morphium zu kämpfen haben.

Strukturformel von LSD

LSD als Strukturformel. Bild: Shutterstock

Was sind die Reaktionen?

LSD als Opioid-Ersatz, das sorgt für viel Aufsehen. «Über 16 Millionen Menschen leiden an einer Opioid-Sucht und viele mehr werden dazukommen, weil sie medizinisch damit behandelt wurden», sagt Amanda Fielding, Co-Direktorin des Maastricht Microdosing Research Programme zum «happymag».

Während Wissenschaftler die neue Studie zumindest als interessant einstufen, reagieren viele entsetzt auf die Befunde:

Wie geht es jetzt weiter?

Weitere Studien sind geplant, darunter auch ein ähnlicher Test am Universitätsspital in Basel. Hier wollen die Forscher jedoch zusätzlich zum LSD auch noch MDMA (Ecstasy) zum Cocktail hinzufügen. MDMA ist ebenfalls eine beliebte Partydroge.

Diese Substanz hilft den Probanden, die negativen Nebeneffekte von LSD besser zu verarbeiten. So hilft MDMA zum Beispiel gegen Angstzustände und Paranoia, welche durch das LSD hervorgerufen werden könnten. Wenn alles wie gewünscht funktioniert, soll der Drogencocktail bei langfristigen Therapien von unterschiedlichen psychischen Erkrankungen eingesetzt werden.

Und weitere solche klinische Tests wurden in Universitäten auf der ganzen Welt angekündigt. Damit könnte LSD der Sprung von der Droge zum Medikament zurück tatsächlich gelingen. (leo)

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24
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    Alle Leser-Kommentare
  • dmark 02.09.2020 23:30
    Highlight Highlight Holla... LSD?

    Echt jetzt?

    Das Zeug war mir früher immer irgendwie suspekt, weil man nie vorher wusste wo man später wieder landet...
    • Olmabrotwurscht 03.09.2020 09:03
      Highlight Highlight Naja mann sollte auch mit erfahren Usern das Zeug konsumieren, wir hatten immer einen dabei der nüchtern blieb.

      Die Erfahrung war es Wert schaue seit damals die Welt mit ganz anderen Augen an.
  • ARoq 02.09.2020 21:24
    Highlight Highlight Apropos Drogen und Medikamente:
    Seit Februar ist in der Schweiz ein Ketamin-Nasenspray zur Behandlung von therapieresistenten Depressionen zugelassen worden.
    Angewendet wird Spravato (Markenname) unter strengen Bedingungen (nur unter Ärztlicher Aufsicht, etc.)
    • Snowy 03.09.2020 10:03
      Highlight Highlight 😎
      Benutzer Bild
  • Doradal 02.09.2020 19:59
    Highlight Highlight „Drogencocktail“... way to go watson beim Versuch diese Substanzen von einem schädigenden Unterton zu befreien, den sie nicht verdienen.
  • Influenzer 02.09.2020 19:38
    Highlight Highlight Und wenn man mal Bock auf einen Trip hat, einfach 5-6 Kopfwehtabletten einwerfen und mit dem Velo nach hause fahren.
    • Perseverance 03.09.2020 08:50
      Highlight Highlight 😂😂😂

      Ich sehe jetzt schon die Schlagzeile des Zürcher Lokalblatts vor meinem geistigen Auge...

      „Leichtsinniger Velofahrer verursacht Verkehrsskandal - OHNE HELM!“

      🤪
  • Banana-Miez 02.09.2020 18:40
    Highlight Highlight Ja, bitte!!!
  • King33 02.09.2020 17:55
    Highlight Highlight Wie der Schweizer Physiker und Alchemist, Paracelsus, schon zu sagen pflegte:

    "Poison is in everything and no thing is without poison"

    😎
  • Peter Vogel 02.09.2020 17:53
    Highlight Highlight Schön das man dem ganzen offen gegenübersteht und nicht einfach aufgrund schlechter Erfahrung alles verbietet. Am Ende macht die Dosis ein Mittel zur Droge. Ist ja beim Alkohol genau dasselbe.
  • Thomas Oetjen 02.09.2020 17:23
    Highlight Highlight Ich sehe im Titelbild den Thomas Borer? Der war mit der Schauspielerin Fielding verheiratet. Die Drogenforscherin heisst auch Fielding.
    Irgendjemand hat hier nen LSD Trip geschluckt.
  • Snowy 02.09.2020 17:19
    Highlight Highlight Hier liegt ein immenses Potenzial Brach.

    Bei der Candyflip-Studie am Unispital Basel dürfte es nicht allzu schwierig sein, Probanden zu finden. :-)

    Sich berauschen, ist immer mit einem gewissen Risiko für Körper und Geist verbunden. Richtig dosiert birgt keine Substanz weniger Risiken als LSD.
    Für einen mental gesunden, Erwachsenen (idealerweise >25) in einem guten Setting mit Freunden, sehe ich überhaupt kein Problem ab und zu LSD zu konsumieren.

    Im Gegenteil: Ich bin überzeugt davon, dass die Welt eine bessere wäre, wenn mehr Menschen Erfahrungen mit LSD gemacht hätten!

    Peace out!
    • AntiCapitalism 02.09.2020 20:50
      Highlight Highlight Ich teile deine meinung! Aber die Umstände sowie die Leute rund herum müssen definitiv passen, ansonsten finger weg.
    • fräulein wunder 02.09.2020 20:56
      Highlight Highlight da würde ich doch glatt gerne deine meinung hören: würdest du sagen, dass ein gelegentlicher trip/candyflipbei jemandem mit mittelschwerer depression, der antidepressiva einnimmt, eher förderlich oder eher kontraproduktiv ist.
    • mrgoku 02.09.2020 21:49
      Highlight Highlight habe aber schiss dass meine pumpe, sagen wir mal, explodiert... :o
    Weitere Antworten anzeigen
  • ursus3000 02.09.2020 17:10
    Highlight Highlight Diese Studien habe ich vor gut 25 Jahren schon gemacht , aber ich finde die Aufzeichnungen gerade nicht mehr . Aber gegen Schmerzen hilft das nicht wirklich
  • remim 02.09.2020 16:19
    Highlight Highlight "Hier wollen die Forscher jedoch zusätzlich zum LSD auch noch MDMA (Ecstasy) zum Cocktail hinzufügen."

    Der gute alte Candyflip wird also vom Universitätsspital Basel getestet. Werden noch Probanden gesucht? 🙃
    • Petoman 03.09.2020 13:29
      Highlight Highlight Mitsubishi ❤️
  • Me, my shelf and I 02.09.2020 16:14
    Highlight Highlight MDMA + LSD
    Candy Flip gegen Schmerzen... Come on.

    LSD hat sicher seine Anwendungen in der Medizin insb. Psychiatrie, aber als Schmerzmittel? Ich weiss ja nicht.
  • Andre Buchheim 02.09.2020 16:14
    Highlight Highlight Das wird auch höchste Zeit. Als Schmerzmittel eingesetzt wird ja auch schon Cannabis.
    Warum aber die psychedelischen Effekte, die z.B. bei Depression helfen können, weiterhin verteufelt werden, bleibt mir ein Rätsel.
    Wir sollten jenseits der Propaganda zu einer Neubewertung von Drogen und Rausch kommen. Von der Sachebene her ist der größte Teil der Prohibition nicht zu begründen, und die Schäden, die durch Verbot und Kriminalisierung erzeugt werden sind weit schlimmer als einige Substanzen unter staatlicher Kontrolle freizugeben.
    Ich hoffe die med. Forschung leistet einenAnteil hierzu.

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