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Erbgut Genetik DNA Doppelhelix Symbolbild

Das menschliche Erbgut (Genom) besitzt rund 30 Milliarden Basenpaare. Bild: Shutterstock

Wissenschaftler geben menschlichen Genen neue Namen – wegen Excel

Ab und an ist es einfacher, in der Genetik Veränderungen vorzunehmen, anstatt ein Update von Microsoft Excel zu machen.



Es gibt Zehntausende Gene im menschlichen Erbgut: zusammen bilden sie die Merkmale und Eigenschaften, die uns einzigartig machen. Jedes unserer Gene hat einen Namen und einen alphanumerischen Code erhalten – ein sogenanntes Symbol – mit dem die Forschung arbeitet.

Im letzten Jahr wurden 27 menschliche Gene umbenannt, weil Microsoft Excel die Symbole als Datumsangaben interpretiert. Dieses Missverständnis kann weitreichende Folgen nach sich ziehen, denn das Tabellenkalkulationsprogramm findet auch in der Forschung häufig Verwendung.

Das DNA-Datum-Problem

Das DNA-Datum-Problem verzerrt immer wieder wissenschaftliche Daten und betrifft sogar von Experten begutachtete Forschungsarbeiten. Eine Studie aus dem Jahr 2016 untersuchte Genetik-Daten, die in 3597 Publikationen veröffentlicht wurden, und stellte fest, dass rund ein Fünftel von Excel-Fehlern betroffen war.

Die Standardeinstellungen von Microsoft Excel ist prinzipiell für allgemeine Anwendungen gedacht. Wenn ein Benutzer das alphanumerische Symbol eines Gens in eine Tabelle eingibt, zum Beispiel MARCH1 («Membrane Associated Ring-CH-Type Finger 1»), deutet Excel dieses Symbol in das Datum für den 1. März um (1-Mar).

Es gibt eine Lösung:

Excel bietet keine Möglichkeit, die automatische Formatierung zu deaktivieren. Die einzige Option, das DNA-Datum-Problem zu vermeiden, besteht darin, den Datentyp für einzelne Spalten («columns») zu ändern. Doch selbst dann können menschliche Fehler die Daten verfälschen: Beispielsweise, wenn beim Exportieren des Datensatzes die neue Formatierung verloren geht und die Gensymbole wieder zu Datumsangaben konvertieren.

Dieses Video zeigt, wie Genetik-Symbole fachmännisch in Microsoft Excel importiert werden können.

quelle: theverge.com

Die Namen unseres Erbes

Wer jetzt denkt, die Namensgebung unserer Gene sei ein simples Umbenennen, täuscht sich. Als das Forschungsgebiet der Genetik noch in ihren Kinderschuhen steckte, war der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Genetik-Symbole bekamen Namen wie «Sonic Hedgehog» oder «Indy» verpasst. Wobei «Indy» eine Abkürzung für « I’m not dead yet» (Ich bin noch nicht tot) ist. Eine Anspielung auf die Funktion des Gens, das die Lebensspanne von Fruchtfliegen durch Mutation verdoppeln kann.

Heute ist die Sensibilität höher, es gelten klare Regeln bei der Namensgebung bzw. der Umbenennung von menschlichen Genen: Die Namen dürfen nur lateinische Buchstaben und arabische Ziffern enthalten; Exponenten oder Nenner sind nicht erlaubt; und es sollten keine (beleidigenden) Namen oder Wörter enthalten sein – das gilt für alle Sprachen.

Folgende Fragen bleiben beim DNA-Datum-Problem ungeklärt: Weshalb war es einfacher, menschliche Gene umzubenennen, als die Funktionsweise von Excel zu ändern? Und warum mussten sich in einem Kampf zwischen Microsoft und der gesamten Genetik-Gesellschaft die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zurückziehen?

(adi)

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50 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
dmark
07.08.2020 20:56registriert July 2016
Die Genetik passt sich an Excel an?
Das gibt jetzt den Bill Gates Verschwörern wieder Auftrieb.
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Joe Smith
07.08.2020 21:26registriert November 2017
Früher war mal der Witz verbreitet: Wieviele Microsoft-Programmierer braucht es, um eine Glühbirne zu wechseln? Antwort: Keinen, Bill Gates erklärt einfach die Dunkelheit zum Industriestandard. Manchmal wird die Fiktion von der Wirklichkeit überholt.
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Andre Buchheim
07.08.2020 20:46registriert November 2019
Faszinierend...danke für den interessanten Artikel. Dass man das nicht hinbekommst, dafür eine Lösung zu programmieren, spannend. Und: je mehr Funktionen, umso unfunktionaler. Daran leiden viele heutige Programme.
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